FC Bayern vor dem Supercup:Pep Guardiola emanzipiert sich

SC Freiburg - FC Bayern München

Ob Pep Guardiolas Entscheidung, Stammkräfte zu schonen, richtig war, stellt sich erst am Freitag heraus.

(Foto: dpa)

Der Trainer des FC Bayern München spielt mit einer B-Elf nur Unentschieden gegen Freiburg und erntet dafür Kritik. Zu früh - denn das Experiment endet erst am Freitag. Der Supercup gegen Chelsea ist für Pep Guardiola ein ganz besonderer Pokal.

Ein Kommentar von Boris Herrmann

Neuer, Rafinha, van Buyten, Dante, Contento, Schweinsteiger, Müller, Götze, Kroos, Shaqiri und Pizarro. Seit Dienstagabend sind diese Herren unter dem Namen "Bayerns B-Elf" bekannt. Zunächst einmal: Wohl dem, der solche B-Elfen hat! Laut den Berechnungen sogenannter Transfermarkt-Experten bringt es diese mutmaßliche Reserveeinheit gemeinsam auf einen Marktwert von 240 Millionen Euro.

Davon ließe sich vermutlich der komplette SC Freiburg samt Stadion und Solarzellendach aufkaufen. Wie hoch diese Summe ist, lässt sich auch damit illustrieren, dass man sogar zweieinhalb Gareth Bales für dieses Geld bekäme.

Für zweieinhalb Gareth Bales wäre ein 1:1 gegen elf Freiburger sicherlich ein achtbares Ergebnis. Wenn aber der FC Überbayern im Breisgau anrückt und nur ein Pünktchen mitnimmt, dann wird das traditionell als Niederlage gedeutet. Eher neu ist lediglich, dass sich Bayerns Trainer Pep Guardiola nun auch dem Vorwurf ausgesetzt sieht, den Ausrutscher fahrlässig verursacht zu haben, weil er zum Anpfiff lediglich 240 Millionen aufs Feld schickte. Das sind wohl die kleinen Gemeinheiten, die man auszuhalten hat, wenn auf der Ersatzbank noch einmal 166 Millionen sitzen.

Experiment misslungen, heißt es jetzt. Das Urteil kommt aber zu früh, denn das Experiment ist noch gar nicht zu Ende. Guardiola hat seine mutmaßliche A-Elf für den europäischen Supercup am Freitag geschont. Dabei trifft der Champions-League-Sieger (FC Bayern) auf den Gewinner der Europa League (FC Chelsea).

Das hiesige Fußballpublikum kann mit diesem Wettbewerb bislang nicht allzu viel anfangen, was auch daran liegen mag, dass es über ein Jahrzehnt zurückliegt, als letztmals ein deutsches Team um diesen Pokal spielen durfte. Für Spanier wie Guardiola gehört der Supercup dagegen zur Alltagskultur. Das Land stellte sieben der letzten 14 Finalteilnehmer. Guardiola hat den Titel zwei Mal mit dem FC Barcelona gewonnen. Und man kann getrost davon ausgehen, dass er ihn am Freitag erst recht gewinnen will. Es geht für ihn dabei auch um einer Art Doppel-Emanzipation.

Erstens besteht die Chance, im epischen Zickenkrieg mit José Mourinho ein wenig Land gut zu machen. Der Chelsea-Coach hat sich gerade laut und öffentlich gefragt, ob die Pep-Bayern wohl noch so gut sind wie die Jupp-Bayern. Nun, das fragen sich viele. Sollte aber das mit dem Supercup klappen, dann hätte Guardiola - zweitens - sogar etwas geschafft, was ihm bislang gar niemand zutraute: mit den Bayern tatsächlich einen Pokal zu gewinnen, den Jupp Heynckes noch nicht gewonnen hat.

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