FC Bayern:Auch ohne Bestform besser

Lesezeit: 4 min

14.12.2021, Deutschland, Stuttgart, Fußball Bundesliga, Saison 2021/2022, VfB Stuttgart vs. FC Bayern München , Tor zum

Serge Gnabry erzielt sein zweites von drei Toren in diesem Spiel.

(Foto: Hansjürgen Britsch/imago images/Pressefoto Baumann)

Klingt bei einem 0:5 seltsam, aber der VfB Stuttgart hielt lange anständig mit. Doch der FC Bayern zieht selbst ersatzgeschwächt und ohne sein Stammmittelfeld einfach kurz das Tempo an und marschiert zur Herbstmeisterschaft.

Von Christof Kneer

Wahrscheinlich hat der Trainer Pellegrino Matarazzo seine Spieler nicht mehr an das letzte Duell erinnert. Als sein VfB Stuttgart dem FC Bayern im März dieses Jahres in München begegnete, gab es nach dem Spiel eine Menge Geschichten zu erzählen, von denen die Stuttgarter allerdings keine einzige gut fanden. Selbst den frühen Platzverweis des Münchners Alphonso Davies fanden die Stuttgarter damals nur ganz kurz gut, denn schwer gereizte Bayern ließen innerhalb von sechs Minuten drei Tore folgen. In der 39. Minute fiel dann noch eines, mit 4:0 gewannen die Münchner damals im März und stellten einen möglicherweise ewigen Unterzahl-Rekord auf, worüber sich die Stuttgarter aber nicht mal richtig grämen konnten. Sie waren viel mehr damit beschäftigt, den Kreuzbandriss ihres Stürmer Silas zu betrauern. Neun Monate später steht Silas zwar wieder im Kader, aber er ist noch weit davon entfernt, 90 Minuten Fußball spielen zu können.

So viel zur alten Geschichte. Aus Stuttgarter Sicht kam leider eine neue hinzu.

An diesem Dienstagabend stand es nach 39 Minuten zwar noch 0:0, aber sollte sich irgendein Stuttgarter über diesen Teilerfolg gefreut haben, dann dauerte diese Freude nur eine Minute. In der 40. Minute fiel das 1:0 für die Bayern. Zwar ist ein Tor Vorsprung grundsätzlich nicht viel, manchmal reicht so ein Tor aber schon, um die Verhältnisse zu klären. Dieses Führungstor konnte sprechen, und es sagte: Okay, ihr Stuttgarter, ihr macht das bisher gar nicht so schlecht, und ja, wir Bayern spielen bisher gar nicht so überragend, aber ihr seht ja, dass wir trotzdem besser sind, wenn wir wollen. Man kann sich nun ausgezeichnet darüber streiten, ob "Herbstmeisterschaft" ein gültiger Titel ist (SZ-Tendenz: nein), aber im Grunde war in dieser 40. Minute klar, dass die Bayern sich an diesem Abend drei Punkte und damit diesen Titel, der kein Titel ist, sichern würden.

Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war: dass es für die Stuttgarter noch schlimmer kommen würde als vor neun Monaten. In der zweiten Hälfte fielen wieder drei Tore in wenigen Minuten, am Ende stand es 5:0 für den FC Bayern. "Wir haben uns 60 Minuten gut und teuer verkauft", sagte Stuttgarts Sportchef Sven Mislintat hinterher einigermaßen wahrheitsgemäß, "aber wenn man dann ein, zwei Fehler zu viel macht, dann zerlegen sie dich. Das machen die Bayern ja nicht nur in Deutschland, das machen sie auch international. Das ist nicht unser Maßstab."

Lewandowski stellt erneut einen Gerd-Müller-Rekord ein

Wahrscheinlich haben sich die Stuttgarter an diesem Abend wieder mal gefragt, warum sie eigentlich immer so gute Spieler ausbilden, die ihnen zum Dank dann immer Tore reinhauen. Serge Gnabry ist ein Bub aus Stuttgart, Fußball hat er beim VfB gelernt, an diesem Abend erzielte er drei Treffer selbst (40., 53., 74.) und bereitet zwei weitere von Robert Lewandowski vor (69., 72.). Lewandowski hat nun 42 Tore innerhalb eines Kalenderjahres erzielt und damit erneut einen Gerd-Müller-Rekord eingestellt. Funfact am Rande (für Stuttgarter nur ein fact, ohne fun): Fünf davon schoss er gegen den VfB.

Schon als der VfB noch gut mithielt in diesem Spiel, war Gnabry der Spieler, der den Schwaben mit seiner Wendigkeit und seinem Zug zum Tor zu schaffen machte. Fußballmannschaften haben ein gutes Gespür und nehmen viel mehr wahr, als auf der Anzeigetafel steht, und so ahnten die Stuttgarter natürlich, was Gnabrys 1:0 bedeutete. Es bedeutete, dass der FC Bayern eine Spitzenmannschaft ist, die nicht mal von der ersten Minute an in Bestform sein muss. Solche Mannschaften können im entscheidenden Moment kurz mal das Tempo anziehen: ein langer Ball von Niklas Süle auf Leroy Sané (der nach 27 Minuten für den augenscheinlich am Oberschenkelmuskel verletzten Kingsley Coman eingewechselt wurde), der sprintet durchs Mittelfeld und spielt hinaus auf Gnabry, der mit einem hübschen Schlenzer diese Führung klarmacht. Solche Mannschaften können es sich auch mal erlauben, auf Mittelfeldspieler wie Leon Goretzka (Patellarsehne) und Joshua Kimmich (Corona-Folgen) zu verzichten, sie können es sich auch leisten, stattdessen einen Spieler wie den Spanier Marc Roca aufzustellen, der bis zu diesem Zeitpunkt gerade mal 25 Saisonminuten absolviert hatte und vom Trainer später hymnisch für ein sehr seriöses Spiel gelobt wurde. "Ich liebe solche Spieler, die allen Grund haben, auf den Trainer sauer zu sein", sagte Nagelsmann, "heute hat er mir gezeigt, dass es ein Fehler ist, ihn so wenig zu bringen."

Nagelsmann erzählt vom Bus-Bier

Es war eine jener Partien, bei denen man gut verstehen kann, warum gegnerische Mannschaften den FC Bayern mitunter als zynisch empfinden. Die ebenfalls ersatzgeschwächten Stuttgarter werden bei diesem Ergebnis kaum jemandem mehr erzählen können, dass sie in der ersten Halbzeit sehr anständig mitspielten und direkt nach der Pause zwei große Chancen durch Wataru Endo (47.) und Philipp Förster (48.) hatten. Aber fünf Minuten später zeigten die Bayern kurz mal wieder ihre Waffen: ein Ballverlust von Stuttgarts Konstantinos Mavropanos im Mittelfeld, und ratzfatz lief der Konter über Jamal Musiala und Thomas Müller zum Torschützen Gnabry (53.). Die Stuttgarter versuchten sich nun einzureden, ihr Wille sei nicht gebrochen, aber er war es. Es folgten die Tore drei, vier, fünf - siehe oben.

Er habe "eine schwache Blase", sagte Nagelsmann dann noch, und er gehe "ungern aufs Bus-Klo", deshalb werde er sich auf der Heimfahrt erst "ab Adelz- oder Odelzhausen einen Schluck Bier gönnen". Nicht nur für die Spieler des VfB Stuttgart enthielt dieses Spiel am Ende ein paar Details zu viel.

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