Der FC Bayern in der Einzelkritik:Mit doppeltem Gipsverband

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Manuel Neuer ist als Torwart chancenlos, findet aber eine Zweitbeschäftigung, während Joshua Kimmich und Leon Goretzka gegen den VfB ihre Playmobil-Burg neu aufbauen müssen. Der FC Bayern in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Felix Haselsteiner

Manuel Neuer

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(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Hatte in der Anfangsphase mal wieder einen ruhigen Nachmittag, nahm daher zwischenzeitlich einen Nebenjob als Vermittler an. Wurde in der 16. Minute während einer Unterbrechung von Trainer Julian Nagelsmann an die Seitenlinie gerufen und erhielt dort offenbar Anweisungen für Rechtsverteidiger Noussair Mazraoui, die er nach einem Sprint quer übers Feld übermittelte. In seiner Hauptbeschäftigung als Torwart wenig gefordert und beim zwischenzeitlichen Ausgleich von Chris Führich chancenlos, beim späten Elfmeter ebenso.

Noussair Mazraoui

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Gab gegen Stuttgart sein Startelfdebüt in der Bundesliga, Neuers Botendienste zeugten aber schon davon, dass er ein wenig Zeit brauchte, um sich mit Vordermann Mathys Tel einzuspielen. Erreichte nicht das Niveau, auf dem Benjamin Pavard in den vergangenen Wochen spielte, aber das können ohnehin nur die Wenigsten von sich behaupten.

Dayot Upamecano

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Spielte gegen Stuttgart auch um einen Platz in der Startelf gegen den FC Barcelona in der Champions League. Legte Argumente vor, die dafür sprächen, wie gute Zweikampfführung und Verzicht auf schwere Fehler. Kritische Stimmen dürften ihm weiterhin zu geringe Organisationsqualitäten vorwerfen.

Matthijs de Ligt

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(Foto: Straubmeier/Nordphoto/Imago)

Lief aufgrund einer Handverletzung erneut mit einem Gips auf, was man in München gerne als Reminiszenz an Philipp Lahms Auftritt im WM-Eröffnungsspiel 2006 gegen Costa Rica verstehen darf. Verteidigte mit Fuß und Kopf in einer Qualität, die durchaus an Lahm heranreichte, tat dann allerdings noch etwas, was der ehemalige Bayern-Kapitän nie getan hätte: Foulte kurz vor Schluss im Strafraum und ermöglichte so dem VfB den späten Ausgleich. Lahm-Vergleiche verblassten in diesem Moment.

Alphonso Davies

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(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Tauchte während eines Konters nach einer Stuttgarter Ecke plötzlich auf der rechten Seite auf, überlief seine Gegenspieler dort aber genauso mühelos wie links, wo er wenig später das 1:0 einleitete. Fand immer wieder Wege in den Strafraum, sollte sich aber demnächst auch wieder Fokus auf die Defensivaufgaben vornehmen: Leitete den ersten Stuttgarter Gegentreffer mit einem schwachen Pass ein und kam dann zu spät.

Joshua Kimmich

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Hatte anfangs noch etwas Mühe, Ordnung in eine neu besetzte Bayern-Offensive zu bringen, berief sich dann wieder auf die gewohnten Stilmittel. Spielte vor dem 1:0 einen öffnenden langen Ball auf Davies, der so perfekt war, dass er in jeder Offensivbesetzung eine Großchance eingeleitet hätte. Hatte dann zweimal Glück, dass man unter der Lupe noch zwei Fouls an ihm erkennen konnte, hätte sonst mit leichtfertigen Ballverlust beinahe Gegentreffer verschuldet.

Leon Goretzka

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(Foto: Michael Weber/Imago)

Kehrte gegen den VfB in seine Paraderolle als großer Bruder von Joshua Kimmich im Bayern-Mittelfeld zurück. Spielte so harmonisch mit ihm zusammen, als hätten sie früher gemeinsam Playmobil-Ritterburgen gemeinsam aufgebaut. Beide traten nach den zwei Ausgleichstreffern so energisch auf, als hätte ihnen Chris Führich die Lieblingsfigur geklaut. Einmal verhalf das den Bayern zur erneuten Führung, letztendlich aber trat Serhou Guirassy mit seinem Elfmetertor die ganze Burg ein, was bei beiden für schlechte Laune sorgte.

Jamal Musiala

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(Foto: Christian Kolbert/kolbert-press/Imago)

Hat sich in Deutschland und Europa inzwischen eine Reputation für Dribblings auf engem Raum aufgebaut, die man natürlich auch in Schwaben kennt. Wurde vom kantigen defensiven Dreiergespann Anton-Ito-Mavropanos daher mit sehr vielen Beinen konfrontiert, dem natürlichen Feind des Dribblers. Wirkte davon eine Zeit lang genervt, dann dribbelte er einfach weiter und erzielte so das 2:1. Der wahre persönliche Triumph des Tages für Musiala jedoch: ein gewonnener Zweikampf gegen Mavropanos im eigenen Strafraum.

Thomas Müller

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Sollte ernsthaft darüber nachdenken, einen Französischkurs zu belegen. Hatte in Mathys Tel nämlich einen Nebenmann, der noch einige Schulungen zum Thema Anlaufen im Pressingsystem besuchen sollte, fraglich ist allerdings, ob diese in gebrülltem Oberbayrisch schnell zu Erfolgen führen werden. Durfte ab der 69. Minute seine Stimme schonen für Barcelona.

Serge Gnabry

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(Foto: Christof Stache/AFP)

Noch ein Bayern-Spieler mit Lahmschem Gipsverband, man konnte daher fast von Glück sprechen, dass der FC Bayern gegen den VfB nicht Basketball spielen musste. Hatte anders als de Ligt mehrfach die Chance, zu Ehren Lahms ein Tor zu erzielen, vergab aber einige aussichtsreiche Chancen. Derzeit noch ein Stück von seiner Bestform entfernt.

Mathys Tel

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(Foto: Ulmer/Imago)

Lernte 2006 beim WM-Eröffnungsspiel gerade laufen, es ist daher davon auszugehen, dass sein Treffer zum 1:0 keiner Bayern-Abwehrlegende gewürdigt war. Spielte gegen den VfB zum ersten Mal in der Bundesliga von Anfang an und sollte neben den Müller-Kursen (Bayrisch und Pressing) eventuell auch noch eine Kimmich-Schulung zum Thema geradlinige Pässe besuchen. Ist mit seinen 17 Jahren aber bestimmt noch wissbegierig: Sein Talent ist in keiner Weltsprache in Frage zu stellen.

Einwechselspieler

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(Foto: Christian Kolbert/kolbert-press/Imago)

Leroy Sané hätte Gnabrys vergebene Torchancen Vergessen machen können, ließ aber anders als noch in der Champions League vom Toreschießen ab. Josip Stanisic kam für den angeschlagenen Mazraoui, sorgte auf der rechten Seite allerdings für Unsicherheit, die nicht durch taktische Anweisungen zu reparieren war. Eric-Maxim Choupo-Moting kam als Müller-Ersatz kaum zu Aktionen, genauso wenig wie die spät eingewechselten Sadio Mané und Ryan Gravenberch.

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