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FC Bayern verliert gegen den Meister mit 0:1:Zerstörerisch-kreative Dortmunder Bienen

Dortmund macht die Liga wieder spannend: Bayern findet gegen den diszipliniert agierenden deutschen Meister kein Mittel und verliert das dritte Spiel in dieser Bundesliga-Saison. Die Münchner müssen erkennen: Der Ausfall von Bastian Schweinsteiger ist gegen starke Gegner nicht ohne Weiteres zu kompensieren.

200 Länder hätten ihr Interesse an Bewegtbildern vom Spiel des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund bekundet, teilte die Deutsche Fußball Liga im Vorfeld mit. Das ist insofern bemerkenswert, da die Vereinten Nationen nur 194 Mitglieder haben. Es kann also durchaus sein, dass auch im Vatikan, in der Westsahara oder auf den Cookinseln Fernseher liefen, als in München das Spitzenspiel der deutschen Bundesliga angepfiffen wurde.

FC Bayern München - Borussia Dortmund

Arjen Robben konnte gegen Borussia Dortmund kaum Akzente setzen.

(Foto: dpa)

Es war klar: Das hier ist nicht irgendein Spiel. Das hier war das Spiel, auf das alle seit Wochen gewartet haben. Erster gegen Zweiter. Rekordmeister gegen Meister. Ein Fußballfest. Die besten Fußballer der Republik treffen aufeinander. Am Ende hatte Dortmund 1:0 gewonnen, ganz nüchtern, und den Rückstand auf die Bayern auf zwei Punkte verkürzt. Es war kein begeisterndes Spiel, lieferte aber dennoch eine überraschende Erkenntnis: Die jungen, eigentlich so ballverliebten und ungestümen Dortmunder sind in der Lage die Bayern durch taktische Disziplin zu besiegen. "Wir sind kompakt gestanden, wir haben super verschoben und den Bayern ist nichts eingefallen", analysierte Sebastian Kehl und fügte übermütig und befreit von allen taktischen Zwängen an: "Geiles Ding. Zweimal hintereinander in München zu gewinnen, ist schon was ganz Gutes." Sein Trainer Jürgen Klopp hatte jedenfalls recht, als er sichtlich zufrieden sagte: "Wir haben überraschend wenig zugelassen, gegen den Ball ein überragendes Spiel gemacht. Wir waren geduldig und diszipliniert - und sind kein unverdienter Sieger."

Jupp Heynckes hatte überraschend Arjen Robben von Beginn an gebracht, nur sechs Wochen nach der Leistenoperation des Niederländers. Für Robben rückte Thomas Müller hinter Mario Gomez in die Mitte. Toni Kroos spielte für den verletzten Bastian Schweinsteiger vor der Abwehr, zusammen mit Luiz Gustavo. Zusammen mit Franck Ribéry ist das ein Mittelfeld, von dem auch ohne Schweinsteiger einiges zu erwarten ist. Die Dominanz der Bayern speiste sich ja in den letzten Wochen aus der Dominanz im Zentrum des Spielfeldes. Aus den endlosen und am Ende dennoch immer gefährlichen Ballstafetten, meist von Schweinsteiger initiiert. Bis zu 700 Pässe brachten die Bayern in 90 Minuten zu ihren Mitspielern. Gute 300 sind Bundesligadurchschnitt.

Gegen Dortmund droschen sie vor allem in den ersten 30 Minuten viele Bälle einfach nach vorne. Denn im Mittelfeld wimmelte es wie in einem Bienenstock: überall Schwarz-Gelb. Da wo der Ball war, da war auch ein fleißiger Dortmunder. Meist Sven Bender. Der klärte beispielsweise an der Mittellinie und als der Ball von der Bayern-Abwehr wieder nach vorne gedroschen worden war, war er nur Sekunden später am eigenen Sechzehner zur Stelle.

Den Bayern fiel gegen so viel arbeitsame Wuselei lange nichts ein. Sie übernahmen zwar die Kontrolle, aber nur, weil sie begannen, quer zu spielen. Bastian Schweinsteiger fehlte. Bastian Schweinsteiger, der Taktgeber, der das Spiel in den vergangenen Wochen zum richtigen Zeitpunkt schnell machte oder verzögerte, der den Ball nach vorne zu Toni Kroos spielte, der dann meist wusste, was damit zu tun ist.

Jetzt bekam Kroos den Ball an der Mittellinie - und wusste meist wenig damit anzufangen, zu gut standen die Dortmunder, zu gut machten sie die Räume eng. Immer wieder quer also. FC Hintenrum. So wurden die Bayern zu den doch eigentlich längst vergangenen Zeiten Louis van Gaals einmal genannt. In der ersten Hälfte sah es über weite Strecken so aus, als ob sich der Niederländer im Münchner Nebel wieder auf die Trainerbank geschlichen hätte. "Wenn man gegen Borussia Dortmund spielt, muss man viel mehr Druck aufbauen, als wir es heute gemacht haben. Wir haben es nicht verstanden, das Tempo anzuziehen und Torchancen zu kreieren", zeigte sich Heynckes enttäuscht über die Leistung seiner Mannschaft.

Bis zur ersten Bayern-Chance dauerte es 29 Minuten. Franck Ribéry kam, nach schöner Vorarbeit von ihm selbst, im Sechzehn-Meter-Raum frei zum Schuss, schickte den Ball aber hoch in Richtung Dortmunder Fans, die im Oberrang die Münchner Zuschauer mit Gesängen unterhielten.

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