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FC Bayern und die Klage gegen Uli Hoeneß:Man weiß nie, was passiert

Denn Hoeneß soll 3,2 Millionen Euro hinterzogen haben, und es gibt die Faustformel des 1. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, dass bei einem Schaden für den Fiskus von mehr als einer Million Euro in aller Regel nur noch eine Haftstrafe ohne Bewährung möglich ist. Natürlich könnte Hoeneß auch freigesprochen werden, wenn das Gericht zu dem Ergebnis käme, dass seine Selbstanzeige, die er im Januar beim Finanzamt Rosenheim abgab, doch noch zieht. Das wäre auch für den FC Bayern ein doppeltes Triple.

Wenn nicht - könnte im Fall einer Haftstrafe Hoeneß aus dem Gefängnis Stadelheim die Geschicke des Vereins mitbestimmen? Nein - so lautet die Antwort des Strafrechtlers Thomas. Das würde nicht gehen. Wenn Hoeneß am Ende ins Gefängnis müsste, könnte er nicht Aufsichtsratschef bleiben. Sicherlich würde das Hoeneß auch nicht wollen, aber Optionen sind Möglichkeiten, sie zeigen manchmal Gefahren, die man nicht für möglich hielt.

Ein Trost für die Bayern-Fans mag sein, dass es im Gerichtssaal so ähnlich zugeht wie auf dem Platz: Man weiß vorher nie genau, was passiert. Thomas, der übrigens Fan des FC Schalke 04 ist, verteidigte als junger Anwalt mal in einem Steuerprozess, der unter anderem den Flick-Konzern und den Freidemokraten Otto Graf Lambsdorff betraf. Ex-Minister Lambsdorff wurde zwar zu einer Geldstrafe verurteilt, blieb aber für seine Leute ein Ehrenmann. Er wurde Vorsitzender, Ehrenvorsitzender und Präsident manchen Vereins.

© SZ vom 06.11.2013
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