FC Bayern: Uli Hoeneß im Gespräch:"Der Präsident ist nur Beobachter"

Lesezeit: 12 min

SZ: Kann Dortmund mit Jürgen Klopp nachhaltig Erfolg haben?

Champions League - CFR Cluj - FC Bayern München

"Van Gaal ist Teil eines Vereins mit sehr starken Strukturen": Uli Hoeneß (rechts) über seinen Trainer.

(Foto: dpa)

Hoeneß: Das kommt darauf an, ob sie die Mannschaft zusammenhalten können, ob sie mit internationalen Wettbewerben zurechtkommen - und möglicherweise mit der Herausforderung, als Meister in die neue Saison zu gehen.

SZ: Haben Sie Ihre 5000 Dortmund-Aktien noch im Depot?

Hoeneß. Ja, klar. Ich bin wie Warren Buffett: Habe ich einmal etwas gekauft, behalte ich es lange. Eine Aktie hat mit wirtschaftlichem Erfolg zu tun, also steigt sie erst richtig, wenn Dortmund in der Champions League spielt. Eine Bayern-Aktie würde dieses Jahr am Höchstpunkt stehen, auch wenn wir nicht deutscher Meister werden. Denn unsere wirtschaftliche Situation war nie besser.

SZ: Für den Fan ist allerdings die Tabelle entscheidend.

Hoeneß: Da kennen wir leider den Status quo. Warum das so ist? Mit einem der besten Kader, den wir hier je hatten? Das diskutieren wir intern ständig, aber wir finden zurzeit keine rechte Erklärung dafür, was wir da auf dem Platz sehen.

SZ: Welche Vorwürfe müssen denn an den Trainerstab gehen, dem es momentan nicht gelingt, die Ressourcen des besten Kaders der Liga auszureizen?

Hoeneß: Wir reden doch über eine Momentaufnahme. Und die ist für mich nicht entscheidend, ich bewerte Zeiträume. Wenn wir zwei, drei Jahre hinter Dortmund chancenlos herlaufen würden, wäre ich richtig nervös. Dass nach einem Superjahr von uns mal ein anderer Meister wird, kennen wir doch.

SZ: Noch einmal: Was analysiert der Fachmann Uli Hoeneß auf der Tribüne?

Hoeneß: Dass wir in Wolfsburg mal wieder aus einer Vielzahl von Chancen nicht das zweite, dritte Tor machen. Und dass wir an einem schlechten Tag kein 1:0 mehr nach Hause bringen. Das hat den FCBayern früher ausgezeichnet. Zu einem schmutzigen 1:0 sind wir derzeit nicht in der Lage.

SZ: Auch nicht zum einst so unwiderstehlichen 2:1 in der letzten Sekunde.

Hoeneß: In der Vorrunde hatten wir viel Verletzungspech, aber dieses Argument fällt nun weg. Jetzt haben wir fast unsere Top-Elf, und es gibt keine WM mehr als Ausrede. Eines muss allen klar sein: Am 1. Januar hat beim FC Bayern die Wahrheit dieser Saison begonnen.

SZ: Fürchten Sie nicht, dass der FCBayern seinen Mythos verliert?

Hoeneß: Nein, ein Mythos wird doch über viele Jahre auf- und dann vielleicht abgebaut. Unsere Zeit ist zwar schnelllebig, aber ein Mythos geht nicht in einer Saison kaputt, ein Jahr bedeutet wenig. Dazu ist die Gesamtsituation unseres Vereins viel zu positiv.

SZ: Ihre Gegner werden jedoch schneller frech als früher: Oft reicht eine Schlüsselszene, danach entgleitet das Spiel.

Hoeneß: Ja, aber das sind alles Fragen für den Trainer. Der Präsident ist nur Beobachter. Ich stelle nur Fakten fest.

SZ: Wann kommt der Punkt, an dem Sie energisch eingreifen?

Hoeneß: Wenn ich spüre, dass die Champions-League-Qualifikation in Gefahr ist. Dann werde ich unruhig, das war ja auch bei Klinsmann so.

SZ: Zumal das Finale 2012 in München stattfindet. Wenn Bayern just in jener Saison nicht ...

Hoeneß. ... nein, das kann nicht sein, das darf nicht passieren.

SZ: Es sieht so aus, als würde die Struktur im Team nicht stimmen: Als Leitfigur galt lange Mark van Bommel, aber dessen Verbleib ist ungewiss, er hält sich bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar einen Wechsel offen. Es muss eine Mannschaft doch irritieren, wenn der Kapitän wankt und schwankt.

Hoeneß: Es wäre ja möglich, in dieser Sache ein Machtwort zu sprechen.

SZ: Welches? Der Verein wird van Bommel ja nicht aufhalten, spätestens im Sommer läuft sein Vertrag aus.

Hoeneß: Dann herrscht doch am 31. Januar Klarheit. Wegen der paar Tage brauchen wir jetzt kein Theater machen.

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