Süddeutsche Zeitung

Ticketpreise bei Bayern II:Unglaublicher Affront für viele Bayern-Fans

  • Der FC Bayern will den Jahreskartenbesitzern der Allianz Arena keinen freien Eintritt mehr für die Heimspiele der U23 gewähren.
  • Als Begründung führt der Klub die gestiegenen Kosten in der 3. Liga an und dass die Tickets versteuert werden müssen.
  • Die Fans protestieren mit Pyrotechnik - um herbeizuführen, dass ihr eigener Verein zur Kasse gebeten wird.

Kurz zog roter Rauch am vergangenen Samstag aus dem Gästeblock durch die Würzburger Arena. Womöglich wollten einige pyrotechnik-verliebte Fans des FC Bayern München II damit einfach die Rückkehr in die dritte Liga nach acht Jahren Abwesenheit feiern. Bei einigen Spielen, die man als ganz besonders erachtet, ist dies in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen. Doch ein Spruchband, das vorher im Gästeblock zu sehen war, legte nahe, dass es sich nicht um reine Feierlaune handelte: "Wenn wir zahlen, zahlt ihr auch!", war darauf zu lesen. Und das bedeutete: Es handelte sich bei dem Einsatz von Pytrotechnik und Feuerwerkskörpern - mit Letzterem wurde laut Polizeibericht auch ein Beamter beworfen - sowie beim Herausreißen einer Sitzschale zumindest teilweise um Maßnahmen, um herbeizuführen, dass der eigene Verein vom Deutschen Fußball-Bund zur Kasse gebeten wird.

Am 26. Mai war die heile Welt perfekt gewesen: Die Fans auf der Gegengeraden des Grünwalder Stadions feierten nach einem fulminanten 4:1 über den VfL Wolfsburg den Aufstieg. Außerdem hatte die Mannschaft das Nachwuchs-Turnier Premier League International Cup gewonnen. Die kleine, aber sehr treue Fangemeinde kam aus dem Feiern nicht mehr raus, der damalige Trainer Holger Seitz bedankte sich damals mehrfach für deren Einsatz und Unterstützung.

Mit einer Randnotiz brachte der Verein dann aber diese homogene Fangruppe gegen sich auf: "Bitte beachten Sie, dass wir in der 3. Liga unseren Bundesliga-Jahreskartenbesitzern der Allianz Arena keinen freien Eintritt mehr gewähren können", hieß es Ende Juni auf der Vereins-Homepage. Für viele Fans war das ein unglaublicher Affront. Denn seit Jahrzehnten gelten die Jahreskarten auch als Eintrittskarte zu den Spielen der U23 - das war auch schon so, als die jungen Bayern Anfang des Jahrzehnts in der dritten Liga spielten.

Auch wenn es sich um eine kleine Gruppe im Vergleich zur Anhängerschaft der Profis handelt: Der Aufschrei war nicht zu überhören und zu übersehen gewesen. Die Fans des FC Bayern sind seit jeher dafür bekannt, sich für aus ihrer Sicht angemessene Eintrittspreise einzusetzen. Sie tun das, indem sie bei Auswärtsspielen in der Champions League Falschgeld aufs Spielfeld werfen, um die Gier der Uefa anzuprangern. Sie taten das aber vergangenes Jahr auch beim VfB Eichstätt, zum ersten Spieltag der Regionalliga: Da warfen sie Kartoffeln aufs Feld, weil sie nicht einsehen wollten, auf dem Land so viel für Eintrittskarten zu zahlen.

Es entsteht der Eindruck, dass die Fans sich schon seit längerer Zeit nicht ernst genommen fühlen

Jetzt ist also der eigene Klub in die Kritik geraten. Schon seit Ende Juni halten sie bei Testspielen der U23 Transparente hoch, auf dem heimischen Campus gegen Dukla Prag hieß es: "Jahreskarten-Regel abgeschafft! Dreesen und Messthaler machen ihre eigene Rechnung!?" Gemeint sind Bayerns Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen und der Ticketing-Direktor Oliver Meßthaler. Daneben war Uli Hoeneß zwischen fliegenden Geldscheinen zu sehen, über sich einen Fußball mit zwei Eutern, an denen er gerade zieht - eine Anspielung auf ein altes Hoeneß-Zitat, wonach er "die Fans nicht als Melkkuh" verstehe. Für einige jüngere Anhänger mag der vergleichsweise geringe Jahreskarten-Beitrag tatsächlich auch ein finanzieller Faktor sein - die Dauerkarte für die Gegengerade im Grünwalder Stadion kostet nun 70 Euro, auf der Haupttribüne 170. Doch vielen geht es dabei auch ums Prinzip. Und darum, dass man sich vom eigenen Klub hintergangen fühlt.

Fast genauso sehr wie die neue Zahlungspflicht ärgerte die Fans allerdings, wie die Entscheidung kommuniziert wurde: beiläufig, quasi als Fußnote einer banalen Vereinsmitteilung. Die Gründe, sagen viele Fans, seien ihnen bis heute nicht genannt worden. Aus dem Campus heißt es dazu, es gebe vor allem zwei Gründe: erstens der gewachsene Personal- und Kostenaufwand in der dritten Liga im Vergleich zur Regionalliga. Und zweitens müsste der Verein die kostenlosen Tickets versteuern, weil es sich um einen geldwerten Vorteil handele. Ein Gespräch zwischen Fans und Verein zu diesem Thema habe es aber bisher nicht gegeben. Am kommenden Freitag findet das erste Heimspiel gegen den KFC Uerdingen statt (19 Uhr). Von einer Änderung der neuen Jahreskarten-Preise gehen deshalb die Fans nun auch nicht mehr aus. Ein organisierter Boykott für dieses Spiel scheint aber nicht geplant zu sein.

In längeren Gesprächen mit verschiedenen Fans, die allesamt nicht namentlich genannt werden wollen, entsteht der Eindruck, dass man sich vom Verein schon seit längerer Zeit nicht ausreichend ernst genommen fühlt. Dass die Einführung der kostenpflichtigen Jahreskarte nur der berühmte Tropfen war. Dass sie mit dem Aufstieg zu tun habe, will man deshalb auch nicht so richtig glauben: "Die Idee hatten sie doch vor ein, zwei Jahren auch schon", sagt einer. Nun würde man also doch zur Melkkuh gemacht. Allerdings könnte es sich beim Zünden von Pytrotechnik als Protest gegen die eigene Vereinsspitze um eine Eskalationsstufe handeln, die auch der Verein nicht unbeantwortet lässt.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4535347
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 23.07.2019/tbr
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.