Für ein paar Minuten sah es nach einer Auftakt-Niederlage aus, doch dann klappte es doch noch mit dem Toreschießen. „Die Chancenverwertung hat uns auch schon in der Vorbereitung verfolgt“, erzählt Trainer Peter Gaydarov, „umso schöner, nach Rückstand das Spiel zu drehen“. So gewann die U19 des FC Bayern am ersten Spieltag der Junioren-Bundesliga beim SSV Ulm 2:1 (0:0). Dank zweier Standards, wie Gaydarov etwas kritisch anmerkt. Aus dem Spiel heraus hatten sie sich zwar viele Chancen erspielt, waren aber regelmäßig an Latte, Torwart und vor allem wohl an ihren Nerven gescheitert.
Doch die Entstehung des zweiten Treffers in der 72. Spielminute erzählt einiges über die Talente, die am Bayern-Campus, nun ja, eben nicht schlummern, sondern an einer womöglich großen Karriere arbeiten. Allen voran ein Torwart, der qua seines Alters bisher noch nicht vielen bekannt ist.

Die Millionen-Deals der MLS:Thomas Müller und Vancouver – so wird ein Schuh draus
Wenn Fußballpromis nach Amerika wechseln, hat häufig ein deutscher Konzern seine Finger im Spiel: Adidas. Nun wieder im Fall von Thomas Müller. Dass der Bayer demnächst in Kanada spielt, hat aber auch mit einer anderen prominenten Spielerrochade zu tun.
Leonard Prescott ist bis Ende September noch 15 Jahre alt, aber in der höchsten Nicht-Erwachsenen-Spielstufe erst einmal als Stammkeeper gesetzt. Vor zwei Jahren war der in New York geborene Deutsch-Amerikaner von Union Berlin zu den Bayern gewechselt, in der vergangenen Saison hatte er wegen einer langwierigen Meniskus-Verletzung viel wertvolle Einsatzzeit verpasst. Im Herbst lief er noch dreimal für die U16-Nationalmannschaft auf, dann fiel er ein halbes Jahr aus. Trotzdem gehört er jetzt zu den im Wortsinn herausragenden Figuren, nicht nur, weil er laut Gaydarov mittlerweile auf 1,95 Meter Größe hochgeschossen ist. „Er ist technisch überragend, er könnte gefühlt im Feld mitspielen“, schwärmt der Cheftrainer.
Prescott ist also groß und beweglich, und in der Szene, die zum Siegtor führte, bewies er zudem Gedankenschnelligkeit: Er fing eine Flanke ab, überlief mit dem Ball in der Hand einen Gegenspieler und drosch seinen Abschlag perfekt in den Lauf des Angreifers Sadiki Chemwor, der alleine auf den gegnerischen Torwart zulief und einen Elfmeter herausholte. Diesen verwandelte Roy Snip.
„Sie haben gegen Bayern immer eine besondere Motivation“: Am Sonntag gastiert die U19 aus Unterhaching
Ende Mai war Prescott auch schon einmal zu einem Training mit den Profi-Torwarttrainern an der Säbener Straße eingeladen gewesen. „Er ist sehr mutig in seinen Aktionen“, sagt Gaydarov, und zugleich „für sein Alter auf jeden Fall sehr weit“. Und ja, auch weit von der Heimat. Schon als 15-Jähriger im Internat zu leben, ist ebenfalls ein mutiger Schritt. „Wir sind da sehr gut aufgestellt und wissen um die Verantwortung“, betont Gaydarov.
Am Campus verweisen sie gerne darauf, dass man als FC Bayern immer gewinnen möchte, ob die diesjährige U19, bei der mehrere Spieler Hoffnungen auf Großes wecken, um den Titel mitspielen kann, wollen sie nicht sagen. Einer aus dem erweiterten Kader ist aber schon so weit, dass Gaydarov in möglicherweise gar nicht mehr oft wird begrüßen können: Flügelspieler Lennart Karl war einer von vier Junioren, die vor einer Woche beim Testspiel gegen Olympique Lyon dabei waren, im Gegensatz zu Felipe Chavez, David Daiber und Magnus Dalpiaz stand er sogar in der Startelf. Und am Donnerstag, gegen Tottenham, gelang ihm sogar ein sehenswertes Tor, das ihn nun mitten ins Rampenlicht stellte. Nach seinem Schlenzer zum 3:0 setzte er sich auf die Bande vor der Südkurve, wartete dort aber vergeblich auf herbeilaufende Mitspieler, aber das kann sich ja noch ändern. Als Dankeschön ist gerade sein Vertrag beim FC Bayern verlängert worden.
„Er macht das sehr gut“, sagt Gaydarov über Karl, und hatte sogar schon vor dem Tottenham-Spiel angemerkt: „Kann sein, dass er nicht mehr zu uns kommt. Das wäre mir am liebsten, auch wenn er dann nicht in meiner Mannschaft spielt.“ Als weitere große Talente gelten unter anderem noch Moritz Göttlicher, Raphael Pavlic und Wisdom Mike, der ebenfalls wie Karl am Freitag seinen Vertrag verlängerte. Abgesehen von den vier Akteuren, die mit den Profis unterwegs waren, habe es sich vergangene Woche beim Auftakt in Ulm um einen harten Kern gehandelt, so Gaydarov, zwölf seiner U19-Akteure seien aber auch noch für die U23 spielberechtigt.
Am Sonntagvormittag (11 Uhr, Campus-Stadion) wartet das erste Heimspiel auf seine Mannschaft, ein Derby gegen die SpVgg Unterhaching. „Ein unangenehmer Gegner. Sie haben gegen Bayern immer eine besondere Motivation“, sagt der Trainer. Die Bayern gelten trotzdem als Favoriten. Selbst dann, wenn die besten U19-Spieler gar nicht dabei sein sollten.

