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Bundesliga:Die Bayern wollen Leroy Sané, aber nicht um jeden Preis

Die Bayern können es sich mit ihren sieben Punkten Vorsprung erlauben, heute schon an morgen zu denken. So hat Flick etwa Michael Cuisance eingewechselt, einen jungen, hoch veranlagten Franzosen, der bisher noch nicht viel Spaß hatte in München. Teuer war er, gespielt hat er kaum. Aber nun, da Bayern in der Tabelle kaum mehr einzuholen ist, kann Flick sich noch mehr den innerbetrieblichen Prozessen widmen. Er kann Cuisance zeigen, dass er dazugehört, und er kann den Sportchef Hasan Salihamidzic friedlich stimmen, weil er endlich dessen Cuisance und dessen Lucas Hernandez einsetzt. Flick macht jetzt Dinge, von denen er glaubt, dass sie in Zukunft wichtig werden: So hat er nach dem Spiel Leon Goretzka gelobt, ungefragt, so wie er vor einer Woche David Alaba und Thomas Müller gelobt hatte, auch ungefragt. Flick macht Spieler lieber einen Kopf größer als kleiner, vor allem solche, mit denen er noch etwas vorhat - wie Goretzka.

Keiner weiß, wie wetterfest dieser FC Bayern schon ist, keiner weiß, wie diese begabten Buben und ihr Trainer reagieren, wenn in der Champions League die großen, bösen Jungs wie Sergio Ramos kommen und "hu!" rufen. Aber auch die Bayern sind zurzeit geeignet, der Konkurrenz ein bisschen Angst zu machen. Überall in Europa denken die Spitzenteams mitten in all den coronabedingten Ungewissheiten an ihren Kadern herum, nur die Streber aus München wirken schon gefährlich fertig.

Am Wochenende haben sich Bayerns hohe Herren auf unterschiedlichen Kanälen zu Wort gemeldet, nur ein paar Kilometer voneinander entfernt saßen Vorstandsmitglied Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer in zwei Fernsehstudios. Während Uli Hoeneß im Radio bereits über "eine neue Ära" spekulierte ("ich glaube, dass wir an der Schwelle zu einer neuen, tollen Generation sind") und Leroy Sané als Neuzugang schon mal mitdachte, gaben sich Hainer und Kahn defensiver; ihre angetäuschte Demut dürfte bei der Konkurrenz aber eher als Drohung angekommen sein.

Sané habe "im letzten Jahr ja schon gesagt, dass er sich vorstellen könnte, nach München zu kommen", sagte Hainer, "mal sehen, wie das ausgeht". Und Kahns demonstrative Betonung von Vernunft ("ich wäre ganz vorsichtig, jetzt über irgendwelche Transfers nachzudenken im größeren Millionenbereich") lässt sich auch als Zug in einem Pokerspiel lesen. Er wehre sich dagegen, "dass auch 30 oder 40 Millionen, egal für welchen Spieler, Peanuts wären in der heutigen Zeit". Heißt wohl: So viel, liebes Manchester City, würden wir für Sané bezahlen, mehr nicht. Und es könne ja auch "eine Option sein", ohne Zugänge in die neue Saison zu gehen, sagte Kahn dann noch - für den Fall, dass die Botschaft in Manchester noch nicht angekommen ist.

Nein, Hansi Flick hätte nichts dagegen, wenn seine Buben noch 100 Tore schießen, aber viel wichtiger wäre ihm, nach Müller, Davies und Neuer auch noch die Verträge von Alaba und Thiago zu verlängern. Dann könnten sich die Bayern auch ohne Publikum auf den Marienplatz stellen und "Erster!" rufen.

© SZ vom 02.06.2020/sonn
FC BAYERN MUENCHEN-FORTUNA DUESSELDORF, 30.05.2020 Robert LEWANDOWSKI (M) im Zweikampf gegen Andre HOFFMANN (D) Fussball; Lewandowski

FC Bayern
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Von Martin Schneider

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