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Bundesliga:Der FC Bayern denkt schon an morgen

Alphonso Davies und Benjamin Pavard (rechts) im Spiel gegen Düsseldorf

(Foto: AFP)

Die Meisterschaft ist nahezu sicher, da nutzen die Münchner die Zeit, das Team der Zukunft zu bauen. Und wirken dabei schon gefährlich fertig.

Von Christof Kneer

Uli Hoeneß, wer kennt ihn nicht, gehört ganz bestimmt zu den Menschen, die wichtige Dinge am liebsten selbst erledigen. Die entscheidenden Verhandlungen hat immer er geführt, die entscheidenden Interviews hat immer er gegeben, auch die entscheidenden Beschimpfungen kamen stets von ihm. Selbst das Verschießen hoch wichtiger Elfmeter hat Uli Hoeneß lieber selber übernommen. Warum also hätte er das 100. Saisontor damals anderen überlassen sollen?

3:1 führte der FC Bayern am 28. Juni 1972 gegen Schalke, es war der letzte Spieltag der Saison 1971/1972 und das erste Spiel im neuen Olympiastadion. Den Bayern hätte ein Punkt zum Titel genügt, aber darum ging es Ende der zweiten Halbzeit schon nicht mehr. Es ging nun vor allem darum, dass die Bayern bis dahin 99 Saisontore geschossen hatten und dass noch nie ein Team die Hundert geschafft hatte. Dann kam die 80. Minute, das hundertste Tor schoss Uli Hoeneß, das hundertunderste überließ er dann Franz Beckenbauer.

Gerd Müller übrigens, Funfact am Rande, stellte in dieser Saison seinen bis heute gültigen 40-Tore-Rekord auf, aber bei diesem 5:1 traf er exakt nullmal.

Das klingt sehr pragmatisch, aber so ist Hansi Flick nun mal

Hansi Flick war damals sieben Jahre alt, ein Jugendkicker beim BSC Mückenloch. Später, als er ein erwachsener Fußballer beim FC Bayern geworden war, stand er dem Konzept des Torerfolgs eher misstrauisch gegenüber, er hat Tore lieber verhindert als geschossen. Aber es hilft ja nix: Zurzeit fragen ihn alle nach der Hundert.

Nach dem 5:0 gegen Fortuna Düsseldorf haben Flicks Bayern nun 86 Tore erzielt, das gab es nach 29 Spieltagen noch nie. Ja, er würde sich über 100 Tore auch freuen, gibt Flick auf entsprechende Fragen gerade standardmäßig zur Antwort, aber er sei "nicht auf Statistiken aus". Es sei viel wichtiger, die Saison erfolgreich zu beenden.

Das klingt wirklich sehr pragmatisch, aber so ist Hansi Flick nun mal. Er findet nicht, dass er den Reportern Spaß an saftigen Schlagzeilen liefern muss, er findet es cooler, wenn seine Spieler Spaß haben - wenn sie etwa nach einem Tor zum 3:0 gegen Düsseldorf so jubeln, als hätten sie gerade mindestens den Weltpokal gewonnen. Wer Thomas Müller beim Jubel ins Gesicht schaute, entdeckte Verzückung und Ekstase, obwohl er dieses Tor nicht selbst geschossen, sondern nur vorbereitet hatte.

Den Bayern geht es gerade so gut, dass sie selbst beim Stand von 4:0 gegen Düsseldorf noch Gegenpressing am gegnerischen Strafraum spielen. Für so eine Aktion hat sich Alphonso Davies dann praktischerweise mit dem 5:0 belohnt, und wäre Publikum auf der Tribüne gewesen, dann hätte es sich vielleicht überlegt, ob die Bayern die fehlenden 14 Tore bis zur Hundert vielleicht noch im Spiel gegen Düsseldorf schaffen. Es war ja erst die 52. Minute.

Aber ums Ergebnis ging es Hansi Flick da schon kaum mehr. Er begann in diesem Moment, in die Zukunft zu investieren.

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