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FC Bayern München:Bei Bayern arbeitet jeder an seinem Alibi

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Verhandeln die Zukunft: Karl-Heinz Rummenigge (l.), Hasan Salihamidzic (Mitte) und Uli Hoeneß.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Münchner verhalten sich zeitweise wie Praktikanten auf dem Transfermarkt. Bei den Diskussionen um Personalien geht es auch darum, sich für die Zeit nach Hoeneß zu positionieren.

Wer heute schon die großen Gewinner sind? Zum einen ein 18-Jähriger namens Callum Hudson-Odoi. Der Londoner kuriert gerade einen Achillessehnenriss aus, trotzdem soll er in Kürze einen Fünf-Jahres-Vertrag beim FC Chelsea unterschreiben. Zum anderen dessen Kollege Leroy Sané, der ebenfalls Profit aus der Tatsache schlagen dürfte, dass sich der FC Bayern im Transfersommer 2019 rasend für ihn interessiert. Der deutsche Nationalspieler ist längst prominent, sein Kontrakt bei Manchester City ist hoch dotiert, doch jetzt kennen viele halt auch diesen Hudson-Odoi - sogar daheim, auf der Insel.

Der FC Bayern ist derzeit eine Art Hochdruck-Beschleuniger des internationalen Profimarktes. Wer mit diesem Klub in Verbindung gebracht wird, dessen Marktwert explodiert. Und der Name Hudson-Odoi ist nun aus Perspektive der Münchner zum Synonym des Scheiterns geworden - sie wurden zurückgewiesen, trotz ihrer sehr langen, sehr öffentlichen Balz.

Bei keinem hatten sie sich verguckt: Hudson-Odoi gilt als eines der größten englischen, Sané, 23, ist eines der größten deutschen Versprechen. Zudem haben die Chefstrategen, Vorstand Rummenigge und Sportdirektor Salihamidzic, recht, wenn sie behaupten, der Markt sei kompliziert und teuer wie nie. Und dennoch bewegten die Münchner sich dort bisweilen wie Transfermarkt-Praktikanten, was Salihamidzic erneut eingestand: Es sei "künftig wichtig, dass wir nicht mehr über Spieler sprechen, die bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen".

In einer Personalie wurde eine Ausnahme vom Geschäftsprinzip gemacht: im Fall von Mats Hummels

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Konkret gemeint ist die Causa Sané. Es ist ein höchst pikanter Vorgang, dass sich der Bayern-Coach (Niko Kovac) beim ManCity-Coach (Pep Guardiola) via Telefon dafür entschuldigt, seinen wohl auch weiterhin gültigen Wunsch nach dem Flügelflitzer ("Den möchten wir!") allzu offensiv formuliert zu haben. Ausgerechnet beim Katalanen musste Kovac anklingeln, der ja von 2013 bis 2016 selbst schwer mit dem Selbstverständnis des FC Bayern zu kämpfen hatte. Wie einst Guardiola, so hat auch Kovac das bayerische Geschäftsprinzip inzwischen kennengelernt: Der Klub kauft ein, der Trainer trainiert. Kaum anders ist es im Pferderennstall: Der Besitzer stellt ein, der Trainer betreut die teuren Hufe.

In einer prominenten Personalie wurde allerdings eine Ausnahme vom Geschäftsprinzip gemacht: im Fall von Mats Hummels. Die Gründe für dessen Rückkehr zu Borussia Dortmund hat Rummenigge am Dienstag noch einmal messerscharf klargestellt. Niko Kovac habe Hummels im Trennungsgespräch die Stammplatzgarantie verweigert - anschließend erst habe der FC Bayern diesen ziehen lassen und eine respektable Ablöse für den bereits 30-Jährigen erzielt.

Soll heißen: Sollte beim FCB was schiefgehen, sollte der BVB jetzt wegen Hummels doch mal wieder Meister werden, so wäre die Schuldfrage in dieser Personalie bereits dem Kovac-Konto zugeschrieben.

Darum geht es in all diesen Personalfragen beim FC Bayern: Jeder versucht, sich für die Macht- und Verteilungsdebatten, die durch den laufenden Rückzug von Uli Hoeneß aus diversen Schlüsselpositionen täglich an Schärfe zunehmen, besser in Position zu bringen. Deshalb reden sie seit Wochen nahezu nie synchron, sondern verklausuliert in eigener Sache.

Wer tritt im heißen Herbst, der sich andeutet, in die Verantwortung, wenn sportlich mal was missrät? Falls Sané nicht kommt, kann Kovac darauf verweisen, dass er seinen Wunschspieler nicht bekam. Hilft Hummels aber, die Bayern zu stürzen, so war es Kovac, der ihn ausgerechnet zum Rivalen ziehen ließ. Die Positionen werden gerade fest fixiert. Im Bayern-Babylon, in dem kreuz und quer geredet wird, arbeitet jeder an seinem Alibi.

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