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FC Bayern:Der Chef schweigt

Leroy Sané verletzt sich 2019 schwer im Knie

Die Zeit der Leiden ist bald vorbei: Leroy Sané wäre ohne seine Knieverletzung vielleicht schon im Sommer 2019 nach München gewechselt.

(Foto: Sebastian Frej / imago)
  • Ob der FC Bayern im Winter Spieler verpflichten wird, und wenn ja, wie viele, ist knapp zwei Wochen vor dem Ende der Transferperiode offen.
  • Trainer Hansi Flick fordert mindestens zwei, vor allem einen Rechtsverteidiger.
  • Bei Transfers geht es auch um die Harmonie: Werden sich all die Entscheider im Klub einig, oder entstehen lähmende Pattsituationen?

Serge Gnabry ist nicht bekannt für einen besonders grimmigen Blick, aber wer weiß, vielleicht funktioniert es ja dennoch. Am Sonntag startet der FC Bayern bei Hertha BSC in die Rückrunde, zum Kader wird auch Gnabry gehören, trotz seiner Probleme an der Achillessehne. Für Trainer Hansi Flick erhöht das die Anzahl der gestandenen Ergänzungsspieler auf die nach den vergangenen, personell schwierigen Tagen fast schon schwindelerregende Summe von zwei (der andere wird wohl Ivan Perisic sein). Ob es für Gnabry zumindest für eine Einwechslung reicht, ist noch unsicher, aber vielleicht hilft es ja bereits, wenn er sich aufwärmt und dabei grimmig guckt, und schon schlottert das eine oder andere Hertha-Verteidigerbein. Möglich wäre es.

Schon lange nicht hat der FC Bayern ein ähnlich richtungsweisendes Auftaktspiel in der Rückrunde gehabt. Bei vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Leipzig darf sich das Team keine Punktverluste mehr erlauben, um weiter um die Meisterschaft mitspielen zu können. Und so ist schon die eine Hälfte des ursprünglich gefassten Planes bedroht, denn dieser Plan lautete: Meister werden und sich parallel auf die großen Transfers im Sommer vorbereiten. Doch auch die andere Hälfte funktioniert nicht richtig. Da zuletzt sechs von 17 Feldspielern verletzt oder angeschlagen waren, ist der Klub fast zu Transfers im Winter gezwungen, ein Unentschieden oder gar eine Niederlage in Berlin würde den Handlungsdruck erhöhen. Und so klammert sich der Klub an jede Hoffnung, und sei es die, dass draußen Gnabry grimmig gucken könnte.

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Ob der FC Bayern im Winter Spieler verpflichten wird, und wenn ja, wie viele, ist knapp zwei Wochen vor dem Ende der Transferperiode offen; Flick fordert mindestens zwei, vor allem einen Rechtsverteidiger - laut Sport-Bild bemüht sich der Klub um den Belgier Thomas Meunier von Paris Saint-Germain. Ein Spieler wie Meunier, 28, würde Flick kurzfristig ein Problem abnehmen, er hätte dann eine stabilere Abwehr. Doch dass Hasan Salihamidzic, als Sportdirektor zuständig für Transfers, ihm diesen Spieler noch nicht geholt hat, liegt auch daran, dass Salihamidzic lieber langfristig plant und sich diese Überlegungen nicht durch voreilige Kurzschlusstransfers kaputt machen will. Denn jede Million, die der Sportchef im Winter investiert, wird ihm im Sommer fehlen - in einem Sommer, in dem der FC Bayern wohl so stark investieren wird wie nie zuvor.

Im Hintergrund bemühen sich die Bayern dem Vernehmen nach weiter um Leroy Sané, 24, den sie im Sommer als Königstransfer auserkoren hatten - bis er sich am Kreuzband verletzte und bei Manchester City blieb. Der Flügelspieler würde wohl einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kosten, voraussichtlich sogar einen dreistelligen. Er wäre also ähnlich teuer wie Leverkusens Kai Havertz, 20, an dem die Münchner auch interessiert sein sollen. Es geht bei Tranfers in dieser Kategorie auch um die wirtschaftliche Vernunft, so sagt das Salihamidzic. Sollten Sané und Havertz nach München kommen, wird der Klub sicher nicht den Leihspieler Philippe Coutinho fest vom FC Barcelona verpflichten, zumindest nicht für die vereinbarten 120 Millionen Euro.

Doch ob diese Transfers klappen werden, hängt auch davon ab, wessen Wort bei den Bayern gerade wie viel wiegt. Denn wie die Mannschaft steckt auch die Führungsebene weiter mitten in einem Umbruch.

Hält Kahn sich mit seinem Ehrgeiz zurück?

Im vergangenen Sommer waren die Entscheidungswege noch eindeutig. Salihamidzic und Chefscout Marco Neppe suchten nach möglichen Zugängen, sie stimmten sich eng ab mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, auch Uli Hoeneß, damals der Chef des Aufsichtsrates, haben sie regelmäßig informiert. Inzwischen ist Hoeneß nur reguläres Mitglied des Aufsichtsrates, was allerdings nicht heißt, dass er weniger informiert sein möchte. Auch Herbert Hainer, Hoeneß' Nachfolger, gilt als einer, der intern meinungsstark sein kann; bislang soll er sich bei den Bayern zurückgehalten haben.

Und dann kommt Oliver Kahn als neues Vorstandsmitglied hinzu und mit ihm die Ungewissheit, ob er sich mit seinem Ehrgeiz zurückhalten wird oder gleich mitreden will. Dass Rummenigge sich noch nicht zu Wintertransfers geäußert hat, ist daher durchaus als strategisches Schweigen zu verstehen, der erfahrene Taktiker möchte wohl keine Angriffsfläche bieten. Er ahnt, dass die großen Themen in diesem Jahr erst kommen.

Ob der FC Bayern im Sommer die teuren Transfers stemmt, wird also eher keine Frage des Geldes sein, nicht nach dem neuen Audi-Deal, der angeblich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag im Jahr bringen soll. Es ist eher eine Frage der Harmonie: Werden sich all die Entscheider einig, oder entstehen lähmende Pattsituationen?

Sollte Hansi Flick - ob mit oder ohne grimmig guckenden Gnabry - in Berlin gewinnen, würde das seinen Chefs erst einmal Zeit geben. Zeit, die sie zum Beispiel der Frage widmen könnten, für welchen Trainer sie eigentlich diesen teuren Kader bauen wollen, und ob dieser Trainer nicht doch einfach am besten weiter Hansi Flick heißen sollte.

© SZ vom 16.01.2020/ska
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