Transfers beim FC Bayern:Wie die Bayern sich verjüngen wollen

  • Das Dreigespann aus Michael Gerlinger, Marco Neppe und Hasan Salihamidzic ist momentan für die Zukunft des FC Bayern zuständig.
  • Dafür ist die "Reisegruppe Brazzo" auf der ganzen Welt unterwegs und versucht neue Spieler zu finden.
  • Bei der WM in Russland haben sich die Verantwortlichen mit Benjamin Pavard getroffen, nun sind sie in Kanada, um den Transfer des 17-jährigen Talents Alphonso Davies festzumachen.

Von Christof Kneer

Mit dem Gesicht von Dr. Michael Gerlinger kann man auf den Tribünen der Welt gefahrlos auftauchen, auch mit dem Gesicht von Marco Neppe erregt man keinerlei Aufsehen. Mit dem Gesicht von Hasan Salihamidzic ist das schon etwas schwieriger, der Mann sieht ja immer noch so aus wie als Spieler, und als Spieler war er ja schon ein bisschen bekannt. Schau mal, der Brazzo ist da: Könnte schon sein, dass ein paar Leute das sagen, wenn sie den Sportdirektor des FC Bayern auf einem der teureren Plätze sitzen sehen.

Aber so laut werden sie das auch wieder nicht sagen, jedenfalls nicht so laut, als wenn sie dort das Gesicht von Karl-Heinz Rummenigge oder den Bauch von Uli Hoeneß entdecken würden. Der FC Bayern ist weltbekannt, aber zugleich sehr verdeckt unterwegs. Der Sportdirektor Salihamidzic, der Chefscout Neppe und der intern sehr geschätzte Klubjustiziar Gerlinger bilden zurzeit jene konspirative Reisegruppe, die immer da ist, wo die Zukunft der Bayern zu finden sein könnte: in Moskau zum Beispiel oder, ganz aktuell, in Kanada.

Weg vom Wir-kriegen-sowieso-jeden-Gebrüll

Nach SZ-Informationen ist das magische Dreieck des FC Bayern gerade dabei, den Transfer des 17 Jahre alten Kanadiers Alphonso Davies festzumachen. Der junge Flügelspieler gilt als eine der heißeren Aktien auf dem schwer umkämpften Nachwuchsmarkt, und zu hören ist, dass sich der FC Bayern offenbar gegen hochkarätige internationale Konkurrenz durchgesetzt habe. Gut zehn Millionen Euro würden die Bayern wohl in diesen Spieler investieren, zum 1. Januar 2019 könnte er nach München überlaufen. Er käme dann als Spieler, der nicht mehr Franck Ribéry, 35, und Arjen Robben, 34, Druck machen soll - sondern eher Kingsley Coman, 22, und Serge Gnabry, 23. Er wäre einer aus der übernächsten Generation.

Die Bayern sind entschlossen, ihren Transferstil weiter an die neuen Zeiten anzupassen. Sie wissen, dass es in diesem globalen Wettstreit nicht mehr reicht, einfach nur den nächsten Nationalspieler aus Dortmund zu kaufen. Die Bayern wollen noch schneller, noch findiger und noch effektiver sein, und so versuchen sie sich jetzt auch ohne das klubspezifische Wir-kriegen-sowieso-jeden-Gebrüll geräuschlos an jenem Umbruch, den diese Robben-Ribéry-und-Vidal-Elf dringend nötig hat.

Auch Arturo Vidal, 31, würden die Münchner gerne meistbietend veräußern, offenbar hat Inter Mailand bereits Interesse an dem wilden Mann aus Chile bekundet. Um die Verjüngung weiter voranzutreiben, fehlt den Bayern aber auch noch ein weiterer Verteidiger, der gemeinsam mit Niklas Süle, 22, irgendwann mal die Amtsgeschäfte von Jérôme Boateng und Mats Hummels übernehmen könnte. Diesen Verteidiger hat das verschwiegene Tribünentrio aber offenbar auch schon organisiert.

Nach SZ-Informationen hat sich die Reisegruppe Salihamidzic/Neppe/Gerlinger am 26. Juni in Moskau mit dem Stuttgarter Benjamin Pavard und dessen Berater Joseph Mohan getroffen, im Rahmen des französischen WM-Spiels gegen Dänemark (0:0). Praktischerweise haben die Franzosen in diesem dritten Gruppenspiel ihre B-Elf rangelassen, weshalb der Stammspieler Pavard etwas Zeit für ein nettes Gespräch hatte. Bei dieser Gelegenheit haben die Bayern offenbar die mündliche Zusage des Spielers empfangen: Pavard hat sich den Münchnern ab 1. Juli 2019 versprochen, wenn in Stuttgart seine 35-Millionen-Euro-Ausstiegsklausel greift.

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