bedeckt München 23°

Niko Kovac beim FC Bayern:Ein unwürdiges Schauspiel

Niko Kovac beim FC Bayern.

(Foto: AFP)

Die Führungsetage des FC Bayern lässt ihren Trainer in der Luft hängen. Doch weil der sich gegen alle Widerstände treu bleibt, könnte er am Ende der große Gewinner sein.

Um es direkt zu sagen: Natürlich darf sich der FC Bayern von seinem Trainer trennen, wenn er das für richtig hält. Es wäre sogar auf gewisse Art und Weise sehr zeitgemäß, eine Entscheidung für oder gegen einen Coach nicht von nackten Ergebnissen abhängig zu machen, sondern von seiner Arbeitsweise. Leverkusen hat es in diesem Jahr mit dem Wechsel von Heiko Herrlich auf Peter Bosz vorgemacht, Borussia Mönchengladbach nun ebenso. Bei Schalke flog Trainer Tedesco dagegen wegen der nackten Ergebnisse, obwohl man mit seiner Arbeit offenkundig zufrieden war. Mit dem Resultat, dass es unter Huub Stevens nicht besser wurde.

Der FC Bayern könnte sich hinstellen und sagen: Wir sind mit der Arbeit von Trainer Niko Kovac nicht zufrieden. Wir haben den Eindruck, dass es zu nationalen Titel reicht, wir sind aber nicht davon überzeugt, den Anschluss an die internationale Spitze mit ihm halten zu können. Das wäre eine sehr harte Entscheidung, natürlich. Aber das gute Recht eines Klubs, der den Anspruch und die Möglichkeiten hat, um den Gewinn der Champions League mitzuspielen.

Bundesliga Der Einzelkämpfer
Niko Kovac beim FC Bayern

Der Einzelkämpfer

Auch nach dem Gewinn der Meisterschaft lassen die Bayern-Bosse die Zukunft von Trainer Niko Kovac offen. Doch der gewinnt mit seiner klaren Haltung immer mehr Sympathien.   Von Benedikt Warmbrunn

Das Problem ist aber gerade, dass der FC Bayern gar keine Entscheidung trifft. Nicht gegen den Trainer, aber auch nicht für den Trainer. Stattdessen streuen sie vor allem in Person von Karl-Heinz Rummenigge elementare Zweifel und lassen diese stehen. Zur Erinnerung: Rummenigge sagte nach dem 5:0 (!) gegen Dortmund, dass ihm das Rückspiel gegen Liverpool überhaupt nicht gefallen habe, dass die Chefetage Kovac die Rotation ausgeredet habe und dass der Trainer keine Job-Garantie habe. Und überhaupt müsse man beim FC Bayern mit Druck eben umgehen können.

Spätestens seit diesen Aussagen spielt sich um Niko Kovac ein unwürdiges Schauspiel ab. Uli Hoeneß, der zunächst noch als Gegengewicht zu Rummenigge auftrat, wird zunehmend leiser, Hasan Salihamidzic eiert rum oder muss rumeiern, je nachdem, wie man das sehen will. Niko Kovac sagt, er interpretiere die Gespräche mit seinen Chefs so, dass er weitermachen dürfe und auch, wenn man ihm das glauben mag, fragt man sich, wieso er bei einem Dreijahresvertrag eigentlich interpretieren muss.

Das Spiel gegen Liverpool hatte den maximalen Schwierigkeitsgrad

Der FC Bayern lässt seinen Trainer gerade sehr allein. Was umso schwerer wiegt, weil sie ihn ja in dem Wissen geholt haben, dass er noch nie auf diesem Niveau gearbeitet hat. Zwei ganze Saisons in Frankfurt, ein paar Spiele bei der kroatischen Nationalmannschaft - das wars. Sein erstes Europapokal-K.-o.-Spiel war an der Anfield Road, mit einer Mannschaft, die erst im kommenden Jahr mit teuren Neuzugängen verstärkt wird. Das ist der maximale Schwierigkeitsgrad.

Es heißt, Kovac habe die Unterstützung der Spieler nicht mehr. Es heißt, sie monierten seinen Defensiv-Spielstil, er hätte kein Angriffskonzept. Der FC Bayern spielt definitiv anders als unter Pep Guardiola oder auch unter Jupp Heynckes - aber welchen Fußball Kovac bevorzugt, das war schon bei seiner Verpflichtung wirklich kein Geheimnis.

Dass die Bayern-Anhänger Niko Kovac nun mit Sprechchören feiern - daran haben die Bosse einen gehörigen Anteil. Kovac sagte, die Fans hätten ein gutes Gespür. Das stimmt. Sie haben ein gutes Gespür dafür, wenn jemand allein gegen Widerstände kämpfen muss und sich dabei trotzdem treu bleibt. Denn das tut Niko Kovac. Es kann sehr gut sein, dass er aus dieser ganzen Geschichte als großer Gewinner hervorgeht. Und nicht, weil er Meisterschaft und vielleicht den Pokal geholt hat.

Bundesliga Der einsamste Bayern-Spieler

Jérôme Boateng

Der einsamste Bayern-Spieler

Während Rafinha, Robben und Ribéry jede Ehre bekommen, steht Jérôme Boateng unbeteiligt daneben. Nach 286 Pflichtspielen wird er als ein Spieler gehen, der sich vom FC Bayern entfremdet hat.   Von Martin Schneider