Max Eberl wirkte gut gelaunt damals im Januar, es war die erste Pressekonferenz des neuen Jahres, es gab viel zu besprechen. Am Ende ging es schließlich um ein Thema, das keineswegs drängend erschien: die Zukunft von Thomas Müller über die Saison hinaus. Eberl schien die Frage überhaupt nicht zu stören, im Gegenteil, er beantwortete sie ausführlich, unter anderem mit diesem inzwischen berühmten Satz: „Wenn er sagt, er hat Lust weiterzumachen, dann werden wir uns tief in die Augen schauen, schauen uns den Kader an, und dann wird es weitergehen.“
Knapp vier Monate später saß der soeben von einer Bronchitis genesene Sportvorstand des FC Bayern am Donnerstagvormittag wieder für eine Spieltagspressekonferenz neben Trainer Vincent Kompany, wieder wurde er nach Müller gefragt, aber diesmal störte ihn das sehr wohl. „Wie viele Fragen muss ich noch beantworten dazu?“, entgegnete Eberl irgendwann genervt. Das zu Jahresbeginn suggerierte Szenario, wonach Thomas Müller mutmaßlich selbst über seine Zukunft entscheiden dürfe, ist nun auch nicht mehr aktuell. Eberl erzählte vielmehr, dass er in seiner Karriere als Manager schon viele Spieler erlebt habe, „die eine große Ära geprägt haben, wo man irgendwann gemeinschaftlich sagen muss, okay, vielleicht ist es irgendwann vorbei. Aber das tun wir dann, wenn es wirklich so weit ist“.
Ein paar Minuten zuvor hatte Dieter Nickles, der Sprecher des Klubs, die Pressekonferenz mit einem Vorschlag eröffnet. „Beginnen wir sportlich“, sagte er, „und wenn es dann noch andere Themen geben sollte, können wir die danach dranhängen.“ Es ist ja nicht so, als gäbe es unter sportlichen Aspekten vor der Partie in Augsburg an diesem Freitag nicht genug zu diskutieren. Die Abwehrspieler Alphonso Davies, Dayot Upamecano und Hiroki Ito sind verletzt, vor allem für die Linksverteidigerposition wird eine geeignete Besetzung gesucht, bevor am kommenden Dienstag Inter Mailand zum Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale zu Gast sein wird.
Kompany verriet wenig überraschend wenig Substanzielles darüber, wie er aufzustellen gedenkt. Raphaël Guerreiro und Josip Stanisic gelten als Kandidaten für links hinten, der Trainer zählte auch Konrad Laimer auf und fügte hinzu: „Wenn man kreativ ist, kann man vielleicht einen der anderen Spieler da einsetzen.“ Flügelangreifer Serge Gnabry, zum Beispiel, habe in dieser Saison auch schon als Außenverteidiger gespielt.
Spannend, klar. Aber dann kamen trotzdem bald die „anderen Themen“ zur Sprache, deren Bearbeitung in Eberls Ressort fällt. Der Kicker hatte jüngst berichtet, Müller, 35, werde nach 17 Jahren als Bayern-Profi keinen neuen Vertrag erhalten. Dass es so kommen soll, deckt sich mit SZ-Informationen.
„Ich werde hier nicht über Thomas sprechen, wir reden mit Thomas.“
Eberls Kernbotschaft in der Sache war nun, dass es noch keine Botschaft zu überbringen gebe. „Ich werde hier nicht über Thomas sprechen, wir reden mit Thomas. Wenn wir eine Entscheidung getroffen haben, dann geht es nach draußen – und dann wird man es erklären.“ Mehrmals betonte er, dass eine Entscheidung gemeinschaftlich und intern getroffen werde – ohne dabei auszuführen, wer genau an diesem internen Entscheidungsfindungsprozess beteiligt ist. Uli Hoeneß, Ehrenpräsident und Aufsichtsratsmitglied, hatte Müller bekanntlich empfohlen, seine Karriere zu beenden, da er nur noch ein Dasein als Ergänzungsspieler friste. Und der andere mächtige Aufsichtsrat, Karl-Heinz Rummenigge, sagte zuletzt, es sei „bekannt, dass die letzten Vertragsverlängerungen alle recht ordentlich waren“, womit er finanziell üppig meinte.
Eberl, seit etwas mehr als einem Jahr Sportvorstand des FC Bayern, wurde am Donnerstag auch noch gefragt, wie es ihm mit der medialen Kritik an seiner Arbeit gehe. „Kritik habe ich viel bekommen, seitdem ich beim FC Bayern bin“, sagte er. Er kriege sie „aber gar nicht so mit“.

