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FC Bayern:Was Hansi Flick von Udo Lattek erzählt

"Es ist und bleibt Thomas' Stärke, dass er einfach nicht greifbar ist", sagt Trainer Hansi Flick, "außerdem ist er gerade topfit, er ist physisch richtig gut drauf." Müller schien irgendwie schon aus der Karriere gefallen zu sein, nun wirkt er plötzlich wieder mitten drin, was er in Berlin mit einem kleinen Jubiläum dokumentierte. Sein Tor zum 1:0 und seine Vorlage zu Perisic' 4:0 bescherten ihm die Scorerpunkte 249 und 250 in seiner Bundesligakarriere, drei Tore und acht Assists gelangen Müller allein in den acht Ligaspielen unter Hansi Flick.

Womöglich lässt sich an Thomas Müller am besten erklären, wie schwer und einfach der Fußball doch manchmal sein kann: Einerseits hat Flick das Spiel im Vergleich zu Vorgänger Kovac taktisch neu definiert, er lässt seine Elf offensiver spielen und denken und weiter vorne verteidigen. Andererseits hat er sie auch nur einer ganz simplen Wärmetherapie unterzogen. Was für die Flügelspieler Kingsley Coman und Serge Gnabry gilt, das gilt auch für Müller: Sie werden unter Flick erst mal an dem gemessen, was sie können und gerne tun und nicht daran, was sie nicht so gut können und deshalb vielleicht unterlassen.

Eine Mannschaft, "die in der Lage ist zu liefern, wenn sie muss"

Hansi Flick erzählt gerne die Geschichte von seinem ehemaligen Trainer Udo Lattek, der ihm mal sagte, man solle "Spieler lieber einen Kopf größer machen, als sie sind". Flick gefällt die Geschichte, er hat sie mit in seinen Traineralltag genommen, er will die Spieler an ihren Höhen messen. "Jeder Spieler braucht erst mal Wertschätzung", sagt er. Flick ist so etwas wie der Anti-Magath. Der ist der Meinung, jeder Spieler brauche erst mal Druck.

Wie weit dieser harmonische Ansatz die Bayern in den Härten des Wettbewerbs tragen wird, kann noch niemand abschätzen, immerhin hat der wiederauferstandene Müller in den Dunkelkammern des Olympiastadions schon mal eine kleine Kampfansage formuliert. Das Spiel habe "gezeigt, dass wir eine sehr wettkampfbezogene Mannschaft sind, die in der Lage ist zu liefern, wenn sie muss". Und das 4:0 sei demnach nicht nur eine gute, sondern "sogar eine bessere Antwort gewesen" auf die Vortagessiege von Leipzig und Dortmund, "weil wir keine Phase im Spiel hatten, wo wir zurücklagen oder zittern mussten".

Hansi Flick ist ein freundlicher Mensch, aber er wird genau darauf achten, dass dieses 4:0 intern nicht missverstanden wird. Die Lesart "Siehst du, dann brauchen wir ja gar keine neuen Spieler" wird er kaum akzeptieren, er hält seinen Kader weiterhin für sehr gut, aber auch sehr, sehr klein. Am Montag wollten sich die Bayern-Entscheider noch mal zu einer konspirativen Transferrunde zusammensetzen, die erste Entscheidung könnte schon in dieser Woche fallen. Am dringendsten wünscht sich Hansi Flick einen flexiblen Defensivspieler, am besten einen, der so kompakt steht wie ein Ordner in den Katakomben des Berliner Olympiastadions.

© SZ vom 21.01.2020/tbr
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