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Bundesliga:6:0 - Bayern stürmt zur Tabellenführung

Bayern München - VfL Wolfsburg

Kollektiver Bayern-Jubel: der FC Bayern besiegt mühelos Wolfsburg.

(Foto: dpa)

Thomas Müller rieb sich genüsslich die Hände, eigentlich sein gesamter Körper bebte, zuckte und ruckelte irgendwie, die Zunge, die Gesichtsmuskeln formten sich zu einem Lächeln. Der Müllerthomas war gut drauf, dabei war am Samstagnachmittag in der Partie gegen den VfL Wolfsburg noch gar keine Sekunde gespielt.

Eigentlich hatten alle erwartet, dass das erste Bundesligaspiel als Nationalspieler a.D. eine undankbare Aufgabe für ihn bereitstellen würde, irgendwo auf der Ersatzbank zwischen Mats Hummels und Jérôme Boateng, den anderen Nationalspielern außer Dienst. Sie hatten sich ja nach Löws Entscheidung mit persönlichen Worten an die Öffentlichkeit gewandt. Boateng war "traurig", Hummels fühlte sich "nicht gerecht" behandelt und Müller war "einfach sauer". Doch dann standen plötzlich alle drei von Bundestrainer Joachim Löw Aussortierten auf dem Rasen, als es losging.

Vielleicht dachte sich der Bayern-Trainer Niko Kovac, dass er ein paar Prozent Extramotivation der Verschmähten gut gebrauchen könnte. Aber nur Müller strahlte schon vorher. Vielleicht ahnte er früher als alle anderen, welch wunderbare Fußballnachmittag auf ihn (samt Treffer und Vorlage) und die Bayern warten würde, mit dem 6:0-Sieg über harmlose Wolfsburger übernahmen sie die Tabellenführung vor Borussia Dortmund, die gegen den VfB Stuttgart 3:1 gewannen.

Wegen des besseren Torverhältnisses stehen die Münchner nun erstmals seit dem fünften Spieltag ganz oben. Serge Gnabry, Robert Lewandowski (2), James Rodriguez, Thomas Müller und Joshua Kimmich erzielten die Tore, der eingewechselte Franck Ribéry bereitete drei Treffer vor.

"Meine Mannschaft hat heute einen sehr guten Tag erwischt und Wolfsburg einen weniger guten. Der Sieg ist auch in der Höhe verdient. Wir sind jetzt da, wo wir hinwollen, da wollen wir auch bleiben", sagte Kovac nach dem Spiel. Sein Gegenüber Bruno Labbadia sah eine "sehr, sehr starke" Bayern-Mannschaft und ein "sehr, sehr schwaches" Wolfsburg. "Wir müssen den Mund abputzen und dem Gegner gratulieren", sagte Labbadia.

Vor der Begegnung hatte Kovac im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verraten, wie er seine Profis im tristen Alltag zwischen den Champions-League-Festtagen bei Laune hält. "Zum Beispiel auch mal absichtlich falsch pfeifen im Trainingsspiel, um Aggressionen zu schüren. Wenn alles ein Trott ist, entsteht Lethargie, Trägheit. Deshalb greife ich manchmal manipulativ ein", erklärte Kovac.

Gegen Wolfsburg traten seine Spieler weder gehemmt noch übermäßig aggressiv auf. Von Anfang an ergriffen sie die Initiative, vielleicht spielte Müller einen Tick zu aufgedreht. Einmal sprintete er in der Anfangsphase über das ganze Feld, um sich dann kurz vor dem Strafraum den Ball leicht vom Fuß spitzeln zu lassen. Aber immer dann, wenn es zu schnell, zu raffiniert für Wolfsburg wurde, war Müller beteiligt. Schon nach eineinhalb Minuten, als er Robert Lewandowski den Ball mit einem feinen Lupfer auflegte. Den Bayern fehlte danach zunächst allerdings die Geschwindigkeit, auch die Einfälle, um die Wolfsburger in Verlegenheit bringen zu können, mit zwei Viererketten schützte VfL-Trainer Bruno Labbadia den eigenen Strafraum, das sah nicht immer schön aus, aber es war zunächst recht effektiv, weil Yannick Gerhardt fast per Kopf der Führungstreffer gelungen wäre (27.).

Zum Führungstreffer kamen dann aber die Bayern (34.), und es war Müller, der im rechten Strafraum nach innen flankte, wo Serge Gnabry nur noch seinen Fuß hinhalten musste. Und Boateng und Hummels? Waren nicht wirklich gefordert, sie mussten sich nur ein-, zweimal kurz abstimmen, ansonsten konnten sie locker passen oder gemächlich joggen. Sie sahen dann drei Minuten nach dem Führungstreffer auch die schönste Kombination des Tages, die mit dem 2:0 durch Lewandowski endete. Es war eine Ballstafette der besonderen Art, zwei schnelle Kontakte reichten, um den Polen so freizuspielen, dass er mit dem rechten Innenrist den Ball nur noch über die Linie drücken musste. James spielte links Gnabry frei, der weiter auf Lewandowski passte. Tor. So einfach, so hinreißend leicht kann Fußball aussehen.

Lewandowski überholt Pizarro in der ewigen Bestenliste

Und für Lewandowski war es ein Treffer, der ihn an die Spitze der besten ausländischen Spieler katapultierte, mit 196 Toren in der Bundesliga hat er die bisherige Bestmarke von Claudio Pizarro überboten und später mit seinem zweiten Treffer sogar noch auf 197 angehoben.

Nach der Pause nahm Kovac dann das 3:0 von James (51.) zum Anlass, um früh zu wechseln und seine Protagonisten für das Champions-Legue-Rückspiel am Mittwoch gegen Liverpool entsprechend zu schonen. Er holte Javi Martinez und Gnabry runter und schickte Leon Goretzka und Franck Ribéry auf den Rasen. Wolfsburg verweigerte sich weiter an dem Spiel, was die Bayern natürlich gerne annahmen und durch Müller und Kimmich auf 5:0 erhöhten. Es fehlte eigentlich nur noch, dass auch Boateng oder Hummels trafen. Das sah der Skript aber nicht vor, vielleicht wäre es auch zu kitschig gewesen. Stattdessen erzielte Lewandowski den 6:0-Endstand.

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