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FC Bayern:Müller macht Wind

Bayern München - 1. FC Köln

Sieht nach Ärger aus, ist aber energischer Jubel: Thomas Müller (Mitte) nach dem von ihm vorbereiteten 3:1 mit Robert Lewandowski (l.), Joshua Kimmich (hinten) und Alphonso Davies (r.).

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Beim 5:1 gegen den 1. FC Köln leistet sich der FC Bayern skurrile Abwehrfehler. Doch auf die Vorstellung der Offensive samt zweier energischer Rückkehrer ist beim Tabellenführer Verlass.

Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

Es dauerte nur ein paar Sekunden, da zeigte Thomas Müller schon, was sein Trainer gemeint hatte. In der 64. Minute wurde er eingewechselt, lief auf den Platz, gab kurz ein paar Anweisungen für die Verteidiger, dann orientierte er sich schnell nach vorne. In der 65. Minute bot er sich an, bekam den Ball zugespielt und leitete ihn zu Robert Lewandowski weiter, der zum 3:1 für den FC Bayern traf. Es war der vorentscheidende Moment beim 5:1 (2:0) gegen den 1. FC Köln.

Die blitzartige Rückkehr des obersten Mentalitätsmünchners in den Kader, nur zwei Trainingseinheiten nach seiner Corona-Infektion und offenbar effektivem Heimtraining in häuslicher Isolation, das war vor dem Spiel ja die frohe Kunde beim Rekordmeister gewesen. "Er verkörpert viele Dinge, die man in der Mannschaft einfach braucht", hatte Flick gesagt. Etwas überraschend war es dann schon, dass Müller das beim ersten Sieg nach nur einem Punktgewinn aus den zwei vorangegangenen Partien in der Liga gleich wieder zeigen musste, um den Erfolg nicht ernsthaft in Gefahr geraten zu lassen.

"Das eine oder andere" habe ihm nicht gefallen, sagte Flick in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Er wolle da aber erst mal drüber schlafen, bevor er darauf eingehe. Erst mal nur so viel: "Wir schauen mit Sicherheit nicht darüber hinweg, was in gewissen Phasen des Spiels passiert ist." Außerdem lobte er zwei Einwechselspieler: Serge Gnabry, der nach auskuriertem Muskelfaserriss die Tore zum 4:1 und 5:1 schoss. Und Müller. Der, sagte Flick, habe Ruhe reingebracht.

Zunächst sah es am Samstag gar nicht danach aus, als würde das nötig sein. Müller saß zwischen den Ersatzspielern auf der Tribüne und schien seine Nachbarn gut zu unterhalten. Seine Kollegen auf dem Platz spielten gegen den so gut wie chancenlosen Tabellen-14. zunächst souverän. Zum 1:0 traf Eric Maxim Choupo-Moting, der als Linksaußen Kingsley Coman vertrat, mit seinem ersten Liga-Tor für die Bayern. Zum 2:0 traf Lewandowski. Zweimal kam die Vorlage von Leon Goretzka. Als "Spieler des Tages", hob Flick den Mittelfeldspieler hervor, der später auch noch das 5:1 mit einer bravourösen Flanke vorbereitete.

Bayerns Abwehr wirkt zeitweise auch gegen den harmlosen FC beeindruckend konfus

Goretzka, 26, war Ende Januar positiv auf Corona getestet worden. Er hatte ganz ähnlich wie nun Müller gleich bei seiner Rückkehr überzeugt. An der 1:2-Niederlage in Frankfurt am vergangenen Wochenende konnte er nach seiner Einwechslung zur Halbzeit dann aber auch nichts mehr ändern. Umso mehr prägte er mit seiner herausragenden Physis und wichtigen Pässen das 4:1 der Bayern in der Champions League unter der Woche bei Lazio Rom. Und zunächst schienen sich die Eindrücke der überzeugenden Vorstellung in Rom fortzusetzen.

"Et kütt wie et kütt", sagte der Stadionsprecher Stephan Lehmann nach dem 2:0 in der 34. Minute - die Gäste aus Köln, sie schienen nur da zu sein, um veralbert zu werden. Und dass der Zweitplatzierte Leipzig bis auf zwei Punkte herangerückt war, das wirkte nun auch erst mal nicht mehr so richtig bedrohlich.

Doch es gibt in dieser Saison eben auch andere Eindrücke vom FC Bayern, die sich beständig fortsetzen: Jene von einer Abwehr, die nun schon 32 Gegentore hinnehmen musste - und zeitweise auch gegen den eigentlich so harmlosen FC beeindruckend konfus wirkte. Kölns Ellyes Skhiri traf in der 49. Minute nur deshalb zum 1:2, weil sich in der Innenverteidigung David Alaba und Jérôme Boateng nicht einig waren, wer zum Ball gehen sollte - es ging dann niemand hin. Später, nach 70 Minuten, war sich Boateng auch mit Alphonso Davies uneins und schrie den Linksverteidiger an, der zuvor allzu leichtfertig verteidigt hatte. Und eine Viertelstunde vor Schluss unterlief sogar Torwart Manuel Neuer ein seltener Fehler: An der Seitenlinie verlor er den Ball gegen Kölns Dominick Drexler, der schräg vor dem leeren Tor nur den Innenpfosten traf.

Auf Bayerns Sturm ist Verlass

Da allerdings war Müller wieder auf dem Feld, eingewechselt für den am Freitag 18 Jahre alt gewordenen Jamal Musiala - und hatte Lewandowski dessen bereits 28. Saisontor aufgelegt. "Als Thomas und ich reinkamen, war es noch brenzlig für uns. Da haben wir versucht, ein bisschen Wind zu machen", sagte Gnabry im Sky-Interview.

Ohne Wind von vorne, das war die Erkenntnis des Tages, geht es bei den Bayern in dieser Saison eben so gut wie nie. Andererseits ist auf den Sturm aber nun mal auch Verlass. Und Müller ist ja nicht nur dafür zuständig. Kurz vor Schluss, es war eine exemplarische Szene, hatten die Kölner in ihrer Hälfte einen Freistoß, scheinbar harmlos. Doch Müller rief voller Aufregung zunächst Abwehrchef Alaba zu, auf einen langen Pass aufzupassen. Dann rannte er los, um die Kölner anzugreifen. Und als er einen Rückpass erzwungen hatte, trieb er vor sich auch noch Lewandowski an, den Druck zu erhöhen. Es fehlte eigentlich nur noch, dass er zwischendurch dem Mannschaftskoch Bescheid sagte, das Nudelwasser aufzusetzen.

"Das war von Thomas und Serge ein sehr guter Anfang", sagte Flick später. Er weiß natürlich, dass die Spiele, in denen wieder wirklich entscheidend etwas anbrennen kann, in dieser Saison erst noch kommen.

© SZ/tbr/ska
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