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FC Bayern: Testspiel:Zeit für die Hobby-Bayernologen

Zum Auftakt des Münchner Testspiel-Reigens spielt der FC Bayern bei Red Bull Salzburg 0:0. Das Spiel stand im Zeichen der Raute.

War das nun lediglich eine Momentaufnahme? Oder ein symptomatisches Bild für die Zukunft? Der FC Bayern München eröffnete mit einem 0:0 bei RB Salzburg seinen neun Teile umfassenden Testspiel-Reigen - und ausgerechnet Franck Ribéry fehlte. Über den Franzosen wird am meisten diskutiert auf dem europäischen Transfermarkt.

Anatolij Timoschtschuk im Zweikampf mit einem Salzburger Spieler.

(Foto: Foto: AP)

Eine Schleimbeutelentzündung im Knie hindert Ribéry derzeit am Fußballspielen, und so hatten die 30.000 Zuschauer in Salzburg einen willkommenen Anlass, zu schauen und zu spekulieren, wie der FC Bayern nun spielen könnte, wenn Ribéry doch noch nach Madrid geht oder wenn Ribéry im Wechsel mit Rechtsverteidiger José Bosingwa zum FC Chelsea wechselt oder wenn Ribéry bleibt und einfach mal so ausfällt.

Die Antwort von Trainer Louis van Gaal auf diese Frage lautete am Freitagabend in Salzburg: mit einem anderen System. Statt des im Vorjahr zumeist praktizierten 4-4-2-Modells mit der "flachen Vier" agierten die Münchner mit einer Raute. Mark van Bommel spielte als Sechser, die Zugänge Anatolij Timoschtschuk (rechts) und Danijel Pranjic (links) übernahmen die Halbpositionen, José Sosa durfte sich als vorderer Rautenpunkt versuchen.

Freilich lässt dies für die folgenden Spiele keine zwingenden Rückschlüsse zu. Aber Hobby-Bayernologen können, in bester Kremlologen-Tradition, in diese Taktik-Entscheidung ebenso etwas hineininterpretieren wie in die Fragen, wer im Torhüter-Zweikampf die Nase vorne hat (in Salzburg spielte zunächst Jörg Butt), wer die Kapitänsbinde übernimmt (in Salzburg trug sie van Bommel) und ob Nachwuchsabwehrspieler Holger Badstuber ernsthaft eine Chance auf einen Platz in der Startformation hat (in Salzburg bildete er beim Anpfiff gemeinsam mit Philipp Lahm, Daniel van Buyten und Edson Braafheid die Viererkette).

Vorne begannen Mario Gomez und Miroslav Klose, was auch niemand anders erwartet hatte, weil Luca Toni noch urlaubt und Ivica Olic eine aus Hamburger Zeiten resultierende Sperre absitzen musste.

In der Halbzeitpause wechselte Louis van Gaal komplett durch und schaffte es so, in seinem ersten Spiel als Bayern-Trainer gleich mal 22 Spieler einzusetzen; wahrscheinlich hätte er es auch geschafft, in den 90 Minuten noch mehr Spieler einzusetzen, aber neben Ribéry und Olic fehlen derzeit auch Bastian Schweinsteiger, Christian Lell (beide verletzt) und Lucio (Urlaub).

Im Tor stand fortan jedenfalls Michael Rensing, die Abwehrreihe bildeten, von rechts nach links, Andreas Görlitz, Martin Demichelis, Breno und Diego Contento, im Mittelfeld spielten Andreas Ottl (vor der Abwehr), Hamit Altintop (halbrechts), Tim Borowski (halblinks) und Alexander Baumjohann (hinter den Spitzen), und vorne stürmten die Nachwuchskräfte Thomas Müller und Saer Sene.

Alles in allem agierte ab Minute 45 also eine Mannschaft, die den ungern gehörten Namen "B-Elf" durchaus verdiente und entsprechend auch schwächer auftrat als das Team der ersten Hälfte. Das wiederum musste in den Augen der Hobby-Bayernologen vor allem Demichelis wurmen, der sich aber immerhin damit trösten durfte, diese B-Elf als Kapitän anzuführen.

Das einzige, was in der zweiten Hälfte gleich war wie in der ersten, war die taktische Formation: Auch Breno, Contentos und Senes spielten im Rauten-System, und diese Auffälligkeit dürfte nicht nur für die Hobby-Bayernologen ein Fingerzeig auf die Vorstellungen des holländischen Trainers sein.

© sueddeutsche.de/vw
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