FC Bayern: Streit um Manuel Neuer Splittergruppe verletzt den Artenschutz

"Wir werden dich nie akzeptieren": Einige Fans demonstrieren im Trainingslager des FC Bayern erneut gegen den Ex-Schalker und Neu-Münchner Manuel Neuer - obwohl Diplomatie angesagt war. Der Verein reagiert scharf. Die Aktion der Schickeria-Splittergruppe trifft ihn an einer empfindlichen Stelle.

Von Moritz Kielbassa, Arco

Gewitter am Lago di Garda nach vier Tagen Hochsommer - da verließen die Spieler des FC Bayern München am Donnerstag fluchtartig den Platz in Arco. Die Fans der Schickeria blieben eisern auf ihrem Stammplatz, der nicht überdachten Gegentribüne. Als Blitz und Donner vorbei waren und alle zur Arbeit zurückkehrten, klatschten die Zuschauer.

Manuel Neuer bei einem Freundschaftsspiel im Trikot des FC Bayern: In den Köpfen einiger Fans ist sein Wechsel vom FC Schalke noch immer nicht vollzogen.

(Foto: dpa)

Torwart Manuel Neuer beschäftigte sich mit neumodischen Gymnastikbändern und war von Kopf bis Fuß rot bekleidet - ein banales, wichtiges Detail. Denn in den Köpfen und der ultraorthodoxen Farbenlehre einiger Anhänger ist sein Wechsel, vom Schalker Königsblau zu Bayerns Rot, noch immer nicht vollzogen.

"Du kannst noch so viele Bälle parieren, wir werden dich nie in unserem Trikot akzeptieren!" Dieses Transparent war vor dem lockeren Test gegen eine Trentino-Auswahl (15:0) im Stadion von Arco enthüllt und Minuten später wieder eingerollt worden - von Mitgliedern der Gruppe "Inferno Bavaria 01", wie bald ermittelt wurde. Das Wort "Du" war blau gefärbt. Blau wie Schalke. "Unserem" stand da in roten Buchstaben. Rot wie Bayern München. Rot wie Manuel Neuer seit 1.Juli. Nur dass das einige partout nicht wahrhaben wollen und weiter gegen den Nationalkeeper provozieren.

"Ab sofort Persona non grata"

Die Reaktion des Vereins folgte schriftlich: "Der FC Bayern distanziert sich von dem Plakat und den Akteuren", bei denen es sich "um eine sehr kleine, nicht registrierte Gruppierung handelt", wurde betont. Die Mitglieder von Inferno Bavaria, angeblich zwischen 50 und 100, seien "ab sofort Persona non grata", hieß es scharf, aber vorerst vage. Ob über weitere Schritte nachgedacht wird, blieb unklar. Spieler äußerten sich nicht, im Klub hofft man, dass die letzten verbohrten, unverbesserlichen Neuer-Gegner sich selbst in die Isolation bringen.

Der Vorfall, im Kern eine Petitesse, trifft die Bayern an einer empfindlichen Stelle. Das Thema schien schon beigelegt, nun kam noch ein Aufreger hinzu, in einem bisher reibungslosen Trainingslager. Vorigen Samstag, bei der Saisoneröffnung mit den Fans in der Arena, gab es zur Causa einen Runden Tisch. Die Schlichtung endete mit der, laut Verein, "Übereinkunft, dass Neuer von allen Fanklubs und auch den anwesenden Vertretern der Ultras (...) in Zukunft mit Respekt behandelt wird und Schmähungen gegen ihn unterlassen werden." Das Inferno brach die Vereinbarung, während andere die diplomatischen Beziehungen nicht wieder gefährden wollen.

Die Fangruppierung Schickeria, zunächst in Verdacht geraten, hat mit der Aktion nichts zu tun. Das versicherten ihre Leute am Ort Reportern und Sportdirektor Nerlinger, mit dem man vorigen Montag ein weiteres Gespräch hatte. Die Schickeria will sich an die Abmachung halten und sich neutral gegenüber Neuer verhalten, der ja jetzt das Bayern-Trikot trage, das Stichwort "Artenschutz" fiel. Von heißer Liebe kann noch keine Rede sein, aber Ruhe wird gelobt.

Lustige Liegestütz-Einlagen

In Arco fiel die Schickeria durch lustige Liegestütz-Einlagen und Zählappelle auf der Tribüne auf. "Das sah super aus", lobte Arjen Robben, sogar Präsident Uli Hoeneß applaudierte den Fans amüsiert. Die Entwicklung innerhalb der Ultra-Szene bleibt abzuwarten. "Inferno Bavaria", gegründet 2001, splitterte sich 2010 von der Schickeria ab. Die Gruppe war auch für manche der Protestplakate verantwortlich, die im Frühjahr für Aufsehen sorgten und in der Wahrnehmung vieler der Schickeria zugeordnet wurden, auch fürs Banner "Hoeneß, du Lügner", das den Präsidenten erschüttert hatte.

Neuer? Hat als früherer Schalke-Fan einen geschulten Blick für böse Kundgebungen. "Ich sehe alles", verriet er kürzlich. Am Mittwoch lief er kurz lächelnd an den Reportern vorbei. Er wollte nichts sagen, er will "alle Fans überzeugen, und das geht nur mit Leistung."

Das, was ihm die Radikalen übelnehmen, hatte er in Riva erneut zu erklären und zu relativieren versucht: seinen Eckfahnen-Jubel in der Arena einst ("das war ein Blackout, aber keine Aktion gegen jemanden"); und dass die Buerschenschaft, der er angehörte, ein Freundeskreis war, keine Ultragruppe. Mehr kann er nicht tun, mehr muss er nicht tun, findet Kollege Thomas Müller: "99 Prozent der Fans stehen hinter ihm, wir sowieso."

"Ein schönes Gefühl"

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