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FC Bayern:Sonntag ins Hotel

im Hintergrund bejubeln die Wolfsburger Spielerinnen das Tor zum 1.2, vorn Lina Maria Magull (FC Bayern München, FCB, 1

Für eine Weile nicht mehr zwei Jobs: Die frühere Nationalspielerin Simone Laudehr (re.) ist eine der wenigen Bundesliga-Fußballerinnen des FC Bayern München, die nebenher noch arbeiten. Zum Neustart der Liga wird die Mannschaft in Quarantäne gehen.

(Foto: Sven Leifer/imago)

Für die Fußballerinnen des FC Bayern geht es beim Neustart der Bundesliga direkt um eine Vorentscheidung: Gegen Hoffenheim soll die Champions-League-Qualifikation behauptet werden.

Entscheidend sind natürlich die Testergebnisse gewesen. Zwei Mal wurden Spielerinnen, Trainer und Betreuer auf eine Infektion mit dem Coronavirus zuvor untersucht. Alle sind gesund gewesen. Und so hat sich vergangenes Wochenende erstmals nach langer Zeit wieder eine gewisse Normalität eingestellt für die Bundesliga-Fußballerinnen des FC Bayern München. Die nächste Stufe auf dem Weg zur Vollnormalität quasi. Denn nach Wochen des Einzeltrainings zu Hause und den Wiedersehen des Teams nur am Bildschirm, war ab Ostern zumindest in Kleingruppen trainiert worden. Aber alle wieder zusammen auf dem Platz - diese Art von Normalität erleben die Spielerinnen erst seit wenigen Tagen und nach zweieinhalb Monaten wieder.

Und während bisher noch ein festes Ziel fehlte, ist diese Motivationslücke seit Mittwoch auch geschlossen: Als europaweit erste Frauenliga mit professionellen Strukturen will die Bundesliga ab 29. Mai ihre wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochene Saison fortsetzen und die sechs verbleibenden Spieltage bis 28. Juni beenden.

"Es geht jetzt darum, mannschaftstaktische Abläufe schnellstmöglich wieder aufzurufen und diese dann auch wieder zu festigen", wird Trainer Jens Scheuer auf der Vereinswebsite zitiert. Das allerwichtigste werde sein, "die Situation mit all ihren Umständen anzunehmen, positiv nach vorne zu blicken und den Fokus auf die eigene Stärke zu legen." Eine Aufwärmphase gibt es nicht, für den FC Bayern steht mit dem Neustart gleich eine Vorentscheidung an. Denn jenes Spiel, das vor der Zwangspause eingebettet in die Viertelfinalpartien der Champions League gegen Titelverteidiger Olympique Lyon zu den Höhepunkten der Saison gezählt hätte, markiert nun den Auftakt der Coronazeitrechnung. Am 30. Mai wird die TSG 1899 Hoffenheim anreisen, die mit nur einem Punkt weniger Dritter hinter den Münchnerinnen ist. Und nachdem der FC Bayern im Pokal bereits ausgeschieden ist und der VfL Wolfsburg in der Meisterschaft mit acht Zählern Vorsprung schwer einzuholen sein dürfte, soll zumindest als Ligazweiter die erneute Qualifikation zur Champions League gelingen.

Auch für die Frauenbundesliga gelten die strengen Hygienevorgaben des Konzeptes der Deutschen Fußball Liga, die nur in manchen Organisationsfragen von den Richtlinien der beiden Männerprofiligen abweichen. Ab diesem Sonntag wird die Mannschaft also in ein Münchner Hotel ziehen und sich zur Vorbereitung auf das Spiel gegen Hoffenheim isolieren. Der Wechsel in die Quarantäne wird dem Team des FC Bayern bisweilen leichter fallen. Nicole Rolser bei der SpVgg Unterhaching und Simone Laudehr im FC Bayern Museum arbeiten nebenher, per se gehört München neben Wolfsburg aber zu den Klubs mit den professionellsten Bedingungen - auch finanziell. Die meisten sind tatsächlich Profis im Gegensatz zu vielen Spielerinnen der insgesamt zwölf Bundesligisten. Und: Die Verletztenliste ist nicht länger geworden. Der gesamte Kader steht zur Verfügung. Das hat es hier schon sehr lange nicht mehr gegeben.

© SZ vom 22.05.2020

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