Spielbericht Es bleibt unermessliche Unfassbarkeit

Wann würden die Bayern anfangen zu hadern? Mit dieser Frage begann Halbzeit zwei, in der das inoffizielle Heimteam jedoch weiterhin den Rasen bis in den Londoner Strafraum mit großer Präsenz beherrschte, direkt vor dem Tor jedoch an fehlender Präzision oder der Abseitsregel scheiterte (Ribéry, 54.).

Aus, vorbei. Tränen.

mehr...

Chelsea hatte kein Problem damit, eine für ein Finale unwürdige Leistung anzubieten, die Bayern hingegen ein großes, dieses Angebot wirklich anzunehmen. Die Münchner waren so überlegen wie in Zeiten von Basel, Berlin und Hoffenheim, in denen die Chronisten mit dem Notieren von Treffern nicht nachkamen. Nun blieben sie lange arbeitslos. Die Videoleinwand vermeldete: 0:0.

Es war ein kleines Wunder: Chelseas Notabwehr war weit davon entfernt, zu funktionieren. Doch selbst im größten Bayern-Sturm hielt sie dennoch einigermaßen dicht. Neben dem Fußballgott verbündete sich auch die Zeit mit dem FC Chelsea - nach 77 Minuten legte Müller den Ball freistehend am Tor vorbei.

Doch er lernte. Fünf Minuten später traf er per Kopf, wurde von den Mitspielern in einer rot-goldenen Traube versenkt, das Spiel schien endlich seinen vorgesehenen Verlauf zu nehmen. Doch natürlich musste Didier Drogba in seinem letzten Spiel für Chelsea noch eine Rolle spielen. Die 90. Minute war fast angebrochen, da schlugen die Engländer ihre erste Ecke (Bayern zu diesem Zeitpunkt 16), Drogba enteilte Boateng - und traf zum 1:1. Die Videoleinwand vermeldete: Verlängerung. Das Wunder wurde größer.

Drei Minuten nach Wiederanpfiff foulte Drogba Ribéry. Robben, der Mann für die wichtigen Elfmeter, lief an - und scheiterte wie schon in Dortmund am Torhüter. Ribéry scheiterte an seinem Körper, Ivica Olic sprintete aufs Feld. Er war nun einer der wenigen, die dazu noch in der Lage zu sein schienen.

In der 108. Minute tauchte der Kroate frei vor Cech auf, wollte auf den eingewechselten Daniel van Buyten legen, schob ihn aber am Tor vorbei. Bei den Bayern paarten sich nun Erschöpfung und Verzweiflung - die historische Überlegenheit blieb. Sie kämpften, schossen und wurden immer wieder geblockt. Runde 20 Beine im Londoner Strafraum waren immer wieder zu viel.

Ein Spiel, das mindestens 4:1 hätte ausgehen müssen, ging ins Elfmeterschießen. Lahm traf, Neuer hielt. Gomez traf, Neuer traf, Olic scheiterte, Schweinsteiger scheiterte - der Rest war unermessliche Unfassbarkeit. Ein Wunder, wie es niemand erleben will. Ein blaues Wunder.

"Unsere Stadt, unser Stadion - unser Pokal" hatten die Bayern-Fans vor dem Spiel in ihrer Choreographie gefordert. Nach diesem Spiel gibt es wohl nicht wenige, die den Pokal trotz Niederlage sehr gerne in Münchner Besitz übergeben würden. Die Videoleinwand zeigte jedoch jubelnde Spieler in blauen Trikots. Sie hielten den Pokal in den Himmel.