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FC Bayern auf Schalke:Die Neuen fallen noch mit Seltsamkeiten auf

Anweisungen aus dem Schnellhefter: Niko Kovac und sein Bruder Robert (re.) instruieren Ivan Perisic (li.) und Philippe Coutinho.

(Foto: Martin Meissner/AP)
  • Beim 3:0 des FC Bayern auf Schalke standen immerhin vier Zugänge der Bayern auf dem Platz.
  • Noch sorgen die Neuen jedoch für etwas Verwirrung im Münchner Spiel.
  • Schalke kam nach der Einwechslung von Philippe Coutinho und Ivan Perisic zu einem halben Dutzend mehr oder weniger brauchbarer Torchancen.

Philippe Coutinho hatte auf dem Spielfeld noch keinen Ball bewegt, da gab er den Zuschauern schon Rätsel auf: Er betrat den Rasen, indem er mehrmals und offensichtlich vorsätzlich auf dem rechten Fuß vorwärts hüpfte, als ob er den linken Fuß nicht benutzen dürfte. So was hat wohl auch der weise Friedhelm Funkel, der in der Bundesliga schon alles gesehen hat, noch nicht erlebt: Ein Fußballer, der einbeinig aufs Spielfeld springt. Zumal ein Fußballer, von dem es überall heißt, dass er ein wahrer Weltstar sei, wie sie Deutschland nur alle paar Jahre mal aufsuchten, und dass sein Gastspiel dieser kleinen, beschaulichen Liga sicher zu ganz neuem Ansehen verhelfen werde. Und dann hüpft dieser Coutinho auf den Rasen wie ein Kind beim Himmel-und-Hölle-Spiel.

Als der 27 Jahre alte Brasilianer später seiner Freude über den ersten Einsatz bei Bayern München Ausdruck gab, hat er nicht verraten, was es mit dem Hüpfen auf sich hatte. Ob es ein neues Ritual ist, eine Referenz an Bajuwaren und Schuhplattler? Bisher genügte es ihm, jedes Spiel mit einem Gebet zu beginnen.

Jedenfalls kam Coutinho beim Spielstand von 2:0 nach einer guten Stunde an der Seite von Ivan Perisic auf den Platz, für die beiden Neulinge gingen zwei Spieler, die an der Partie allenfalls peripher teilgenommen hatten. Serge Gnabry entwickelte auf dem linken Flügel nur geringfügige Wirkung, während Thomas Müller im Zentrum erfolgreich eine britische Fernsehserie aus dem Jahr 1958 nachstellte. Diese Serie hieß "The invisible man" - der Unsichtbare. Dass ein Spieler einen schlechten Tag hat, das kommt vor, Müller muss aber befürchten, dass dieser misslungene Auftritt gegen ihn verwendet wird.

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Coutinho ist sein logischer Konkurrent um den Platz in der ersten Bayern-Elf, Argumente für die Ablösung hat Müller nun selbst geliefert. Lediglich der Trainingsrückstand des Brasilianers verschafft ihm eine gewisse Frist. Man könne "nicht erwarten, dass Coutinho schon high level spielt", sagte Trainer Niko Kovac. Dennoch stellte er heraus, er sei "außerordentlich zufrieden" mit seinem Weltstar - gerade auch deshalb, weil er sich nicht wie ein Weltstar benimmt. Auf Schalke hatte er ein paar gute Momente, die seine enge Verbindung zum Ball bezeugten. Am meisten aufgefallen ist er allerdings mit dem Versuch einer Annäherung an die Sitten einiger Mitspieler, die jenseits der Bayern-Gemeinde nicht gern gesehen werden: Coutinho ließ sich fallen, um einen Freistoß zu erwirken. Klappte nicht. Am Sonntag beim Testspiel in Vilshofen durfte er dann zumindest zum ersten Mal über ein Tor im Bayern-Trikot jubeln.

Vier Münchner Zugänge standen auf Schalke auf dem Platz

Freunde des Alt-Bayern Müller könnten zudem behaupten, dass am Samstag mit der Ankunft der in Mailand und Barcelona geliehenen Neu-Bayern die Partie drehte. Schalke kam zu einem halben Dutzend mehr oder weniger brauchbarer Torchancen. Eine gewisse Urheberschaft der Neuen ließ sich nicht leugnen, Coutinho war davon weniger betroffen, dafür war Innenverteidiger Lucas Hernández verwickelt. Zum ersten Mal von Anfang an dabei, bewährte sich der Franzose neben Niklas Süle mit einem unauffälligen Einsatz, einmal aber griff er beinahe folgenschwer ein: Er verursachte - nachdem ihn Daniel Caligiuri ausgespielt hatte - den Freistoß, der Schalke einen Elfmeter hätte einbringen müssen. Der Sünder und Handspieler: Ivan Perisic.

Benjamin Pavard wiederum, noch ein Zögling der Erneuerung, fiel als rechter Verteidiger (anstelle des kurzfristig ins Mittelfeld transferierten Joshua Kimmich) durch einige Seltsamkeiten und Unsicherheiten auf. Einmal ließ er den Ball zu einer Kerze aufsteigen, als ob er seinen Bayern-Vorfahren Katsche Schwarzenbeck ehren wollte (der, so die Legende, für Kerzen am eigenen Strafraum berühmt war). Manuel Neuer regelte das Problem, indem er den Irrläufer mit dem Kopf ins Aus beförderte.

Vier Münchner Zugänge standen also zwischenzeitlich in Gelsenkirchen auf dem Platz, Nummer fünf, Michael Cuisance, verblieb auf der Ersatzbank. Trainer Kovac bekam einen Eindruck davon, wie er seine Reihen künftig besetzen könnte, doch bis er seine Wunschelf aus Alt & Neu zusammen hat, wird es noch einige Spiele brauchen. Bis ins Frühjahr, wenn in der Champions League die Spiele gegen die Teams mit den Weltstars anstehen, werden sich Coutinho & Co. eingewöhnt haben. Ihre Rituale werden dann auch allgemein bekannt sein.

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