FC Bayern München Brazzo heißt jetzt Hasan

Der aktuelle Sportdirektor: Hasan Salihamidzic.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)
  • Statt Karl-Heinz Rummenigge spricht nun Hasan Salihamidzic für den FC Bayern vor Champions-League-Spielen wie jetzt vor dem Match bei Ajax Amsterdam.
  • Nach einem markigen Interview ist es ein weiterer Versuch des FC Bayern, seinem Sportdirektor mehr Profil zu geben.
  • Wie die Zukunft von Salihamidzic, insbesondere aufgrund der Personalie Oliver Kahn aussieht, ist jedoch ungewiss.
Von Christof Kneer, München

In den vergangenen Tagen konnte man Hasan Salihamidzic nicht entkommen. Vor der Abreise des FC Bayern nach Amsterdam meinte Salihamidzic zum Beispiel, dass sie beim FC Bayern "große Stücke" auf den Spieler Coman hielten, der "am Anfang einer langen Karriere" stehe. Coman habe sich nach seiner Verletzung "wieder herangekämpft", sagte Salihamidzic, er habe "hervorragend gearbeitet" und sei überhaupt "ein guter Junge".

Tadellose Sätze waren das, das kann man alles so senden. Dennoch sind diese paar harmlosen Sätze aus aktuellem Anlass mehr als nur ein paar harmlose Sätze. Sie sind Teil einer größeren Debatte, die sich zuletzt unter anderem darum drehte, ob Salihamidzic zum Beispiel überhaupt sprechen kann. Wo denn in der Krise die Stimme des Bayern-Sportdirektors sei und was der den ganzen Tag eigentlich so mache, solche Fragen wurden gestellt, und es spricht zunächst mal überhaupt nicht gegen Salihamidzic, dass solche Fragen zum Beispiel von Stefan Effenberg gestellt wurden, von dem man auch nicht mehr genau weiß, was er so macht, seit er vor Jahren das Mittelfeldzentrum verlassen hat.

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Was schon eher gegen Salihamidzic zu verwenden war: dass ihm Karl-Heinz Rummenigge bei jener legendären Pressekonferenz vor versammelter Presse über den Mund gefahren war. Dass der Chef des Hauses schnurstracks das Wort ergriff, als eine etwas kompliziertere Frage an Salihamidzic erging. Und als Uli Hoeneß kürzlich nach einem Spiel sagte, man habe beschlossen, dass "heute mal der Hasan sprechen" solle, trug das auch nicht zur Profilschärfung des jungen Sportdirektors bei.

Es klang eher wie: Hasan hat sich wieder herangekämpft, er hat hervorragend gearbeitet und ist überhaupt ein guter Junge.

Mit auffällig vielen Salihamidzic-Sätzen sind die Münchner nach Amsterdam gereist, es sind in jedem Fall zu viele Sätze, um das für Zufall zu halten. Am Wochenende hatte der Sportdirektor in einem Interview mit der Welt am Sonntag aufhorchen lassen, etwa mit dem Satz, er habe in seiner "bisherigen Arbeit wahrscheinlich mehr bewegt als meine Vorgänger in ihrer gesamten Amtszeit beim FC Bayern". Und weil er schon mal dabei war, schloss er auch gleich aus, sich einem noch zu findenden Sportvorstand unterzuordnen. "Für mich kommt es überhaupt nicht infrage, unter einem Sportvorstand zu arbeiten", sagte er - aber klar, mit Oliver Kahn könne er sich eine Zusammenarbeit vorstellen.

Salihamidzic, 41, war ein sehr guter Fußballer, und er konnte unermüdlich von hier nach dort rennen. In dieser Fußballerlogik ist Salihamidzic aber eher etwas komisch rum gerannt in den vergangenen Tagen, er hat ein paar Angriffe gestartet und ist dann auf halbem Weg wieder umgedreht und hat den Ball brav nach hinten gespielt.

Ich arbeite unter keinem Sportvorstand (Angriff)! Okay: Unter Kahn vielleicht schon (Umkehr). Ich habe mehr erreicht als meine Vorgänger (Angriff)! Und dann wieder der brave Rückpass: Er habe "auf gar keinen Fall jemanden persönlich angreifen wollen", sagte Salihamidzic vor dem Flug nach Amsterdam, "das ist nicht meine Absicht gewesen, weil ich sie sehr schätze".

Sie, das sind seine Vorgänger Christian Nerlinger und Matthias Sammer, von denen der eine das sog. Finale dahoam erreichte und der andere das sog. Triple.