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FC Bayern:Robert Lewandowski - Torjäger mit Helfersyndrom

FC Bayern Muenchen v Hannover 96 - Bundesliga

Torschützenkönig mit 30 Treffern: Bayerns Robert Lewandowski.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Dass Robert Lewandowski aufs Detail achtet, konnte man am Samstagabend im Bauch der Fröttmaninger Arena mal wieder gut beobachten. Der Stürmer des FC Bayern stand nach dem 3:1-Sieg gegen Hannover 96 vor den Mikrofonen und Kameras und hielt die Torjägerkanone mit beiden Händen fest. Es ist nicht irgendeine Torjägerkanone, die der beste Schütze der Fußball-Bundesliga am letzten Spieltag überreicht bekommt.

Klar, es gibt das handelsübliche gezogene Rohr. Doch links und rechts sind gleichzeitig noch zwei kleine Bürsten befestigt, um den Lauf auch akkurat reinigen zu können. Eine davon war um einen Millimeter verrutscht, sodass Lewandowski sie wieder gerade rückte. Der Pole tat das so zärtlich wie ein Vater, der die Mütze seines Kindes zurecht zupft.

Für den 27-Jährigen ist diese Kanone am Tag der 26. Meisterschaft etwas ganz Besonderes, "eine große Geschichte", wie er sagt. Er hat in dieser Saison ja schon fast alles erlebt, was vielen herausragenden Fußballern ein ganzes Leben verwehrt bleibt. Fünf Tore in neun Minuten zu schießen zum Beispiel, wie gegen Wolfsburg zu Beginn der Rückrunde. Ein Weltrekord.

Bei seinem 30. Tor war es, als stünden die 96-Spieler Spalier

Auch 30 Treffer binnen einer Spielzeit sind im deutschen Fußball eine Rarität. Man muss in den Geschichtsbüchern weit zurückblättern, bis man eine Saison findet, in der ein Spieler mit so vielen Toren abschließt. Genaugenommen 39 Jahre. In der Saison 1976/1977 kam der Kölner Dieter Müller auf die gleiche Anzahl. "Das ist eine große, große Leistung und ich freue mich sehr darüber", sagte Lewandowski hinterher. Er klang aber ziemlich unaufgeregt.

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Der Mann aus Warschau ist viel zu bescheiden und zu gut erzogen, als dass er in diesem Moment die Haltung verlieren könnte. Er ist sogar ein so edler Sportler, dass er das Wohl der Mitspieler über das eigene Ego stellt. Vor dem 2:0 (28.) hätte er den Lupfer von Mario Götze locker über die Linie drücken können. Es wäre sein zweites Tor an diesem Nachmittag gewesen, sein 31. Treffer im 32. Saisonspiel.

Doch er zog in diesem Moment einen Meter vor der Linie generös seinen Fuß zurück, "weil ich wusste, dass Mario das Tor sehr brauchte", wie es Lewandowski ausdrückte. Er gönnte dem beim FC Bayern oft verschmähten Götze ein persönliches Erfolgserlebnis. Eine große Geste, die zeigt, dass auch ein uneitler Stürmer erfolgreich sein kann.