Abschied vom FC Bayern Das Vermächtnis von Ribéry und Robben

2015 überspannte eine "Badman&Robben"-Choreographie die Südtribüne in der Münchner Arena. Das Bild zeigt die obere Hälfte der vom Münchner Künstler Sikander Goldau gestalteten Plakatwand.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Arjen Robben und Franck Ribéry verlassen den FC Bayern im Sommer.
  • Nach dem letzten Heimspiel gegen Frankfurt (15.30 Uhr, Liveticker auf SZ.de) wollen sie noch einmal gemeinsam den Meistertitel feiern.
  • Sie haben über Jahre hinweg den Münchner Spielstil geprägt.
Von Christof Kneer

Wenn man "FC Bayern" und "Flügelflitzer" in die Suchmaschinen eingibt, erfährt man ein paar wirklich interessante Sachen. So bringt der tadellose Artikel "Das ist die Krankenakte von Kingsley Coman" der Leserschaft zum Beispiel den Syndesmosebandanriss näher, und man lernt in diesem Internet auch, dass der FC Bayern angeblich am "Ajax-Flügelflitzer Hakim Ziyech" interessiert sei. Zum Bayern-Fanklub Flügelflitzer Irnsing sind es nur wenige Klicks. Und natürlich findet sich massenhaft Material zu Franck Ribéry und Arjen Robben, ausgedruckt würde es vom linken bis zum rechten Flügel reichen.

Dass man unter diesem Suchbegriff so wenig über frühere Bayern-Mannschaften und -spieler erfährt, könnte unter anderem daran liegen, dass es früher anscheinend weniger Internet gab. Allerdings wäre es auch dem Internet schwergefallen, in den Siebziger-, Achtziger- oder auch Neunzigerjahren einen bayerischen Flügelflitzer aufzutreiben. Es gab da draußen zwar immer mal Jungs wie Michael Sternkopf, vorüberflitzende Phänomene, die schnell waren, aber auch wieder schnell weg. Und es gab große Bayern-Spieler wie Mehmet Scholl oder Mario Basler, die immer wieder auf dem Flügel vorbeigeschaut haben, um von da mal eine Flanke zu versenden, ein Dribbling zu starten (wie Scholl) oder wie Basler eine zu rauchen (Wahrheitsgehalt bitte im Netz überprüfen). Aber sonst?

Ja guat, den Wiggerl gab's halt, jenen kleinen großen Mann, der in hohem Tempo Haken und Flanken geschlagen hat. Wiggerl Kögl war Bayerns einziger klassischer Flügelflitzer in jener Zeit, er war jahrzehntelang der Einzige, der es von der Seitenlinie aus zumindest in die erweiterte bayerische Hall of Fame geschafft hat.

(Übrigens: Das Internet behauptet allen Ernstes, dass Wiggerl Kögl eigentlich Ludwig heiße. Da sieht man mal wieder, dass man dem Netz nicht alles glauben darf.)

Zwei Genies entwickeln eine Geheimsprache

Mit sehr großer Berechtigung dürfen alle Bayern und sogar Nicht-Bayern melancholisch werden, wenn Franck Ribéry, 36, und Arjen Robben, 35, an diesem Wochenende gegen Eintracht Frankfurt ihr letztes Heimspiel für den FC Bayern bestreiten. Melancholie reicht in diesem Fall aber keinesfalls aus, wie der Exkurs ins Fach Alte Geschichte zeigt. Man darf nun, da die beiden gehen, ruhig auch ein bisschen historisch werden. Franck Ribéry und Arjen Robben - Flügelflitzer, jeder auf seine Art - haben den FC Bayern in ihrem gemeinsamen Jahrzehnt verändert. Sie haben jenem Verein, der jahrzehntelang nur über den Mittleren Ring gefahren ist, eine Umfahrung über die Außenbezirke gebaut.

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Im Herbst sah der BVB noch wie der kommende Meister aus - am letzten Spieltag sind die Bayern Favorit. Ein Rückblick, wie es dazu kommen konnte.

Gerd Müller hat in einem großen SZ- Interview mal die Geschichte erzählt: wie die Bayern den Flügelstürmer Klaus Wunder aus Duisburg gekauft haben und wie dieser Wunder dann bei Bayern kaum eine Rolle spielte. Der damalige Bayern-Manager Schwan habe Wunder "nur geholt, um uns zu ärgern", erzählte Müller damals mit enormem Amüsement, Schwan wollte "absichtlich Konkurrenz, weil wir uns in unserer Spielweise so sicher gefühlt haben".

Tatsächlich hatte der FC Bayern jahrzehntelang nie etwas anderes nötig, als seinen Fußball durch die Mitte zu spielen. Es war jener Fußball, den Gerd Müller gemeinsam mit Franz Beckenbauer erschaffen hatte, und es ist maximal Geschmackssache, welche dieser beiden historischen Bayern-Figuren man für wichtiger hält.

Ohne Beckenbauer hätte Müller weniger Bälle bekommen? Ja, das ist wahr. Und ohne Müller hätten viele dieser Bälle aber gar nix gebracht, weil sie niemals im Tor gelandet wären? Ja, das stimmt auch.

In jenen Jahren entwickelte sich zwischen zwei Genies jene Geheimsprache, die den Klub auch in den nächsten Jahrzehnten prägen sollte. Wenn Beckenbauer von hinten angelaufen kam, erzählte Müller, wollte er Doppelpass spielen, und nur Müller wusste: Spielt der Franz mich schwach an, soll ich den Ball zurückspielen. Spielt er mich scharf an, soll ich selber mit dem Ball was machen. Was bedeutete, dass Müller sich rechtsrum oder linksrum drehte und den Gegenspieler mit dem Hinterteil sanft aus dem Bild schubste.

Ja gut, und dann machte es halt bumm.