FC Bayern gegen PSGSeelenruhig kündigt Kompany die Attacke an

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„Ist es das wichtigste Spiel meiner Trainerkarriere? Ja, wahrscheinlich. Wir stehen im Halbfinale. Aber das ändert nichts an meiner Herangehensweise.“ - Vincent Kompany bei der Pressekonferenz am Dienstag.
„Ist es das wichtigste Spiel meiner Trainerkarriere? Ja, wahrscheinlich. Wir stehen im Halbfinale. Aber das ändert nichts an meiner Herangehensweise.“ - Vincent Kompany bei der Pressekonferenz am Dienstag. Matthias Schrader/AP

Der Trainer des FC Bayern dimmt vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Paris die Aufregung herunter, verteidigt Pep Guardiola – und interessiert sich nicht wirklich für das Heimtrikot mit Kakadu-Aufnäher.

Von Philipp Schneider

Am wichtigsten, sagt Vincent Kompany, ist Ruhe. Innere Ruhe. Totale Ruhe. Emotionen dürfen nie zu früh eine Rolle spielen. Es geht um Vorbereitung. Darum, die richtigen Worte zu ersinnen. Den einen Satz zu erdenken, der vor dem Anpfiff auszusprechen ist, um vielleicht das eine Prozent noch herauszuholen aus seinen Spielern. Um seiner sanften Sprechweise Nachdruck zu verleihen, auch den bewusst gesetzten Pausen zwischen den Gedanken, schaut der Trainer des FC Bayern nun aus seinen großen Augen so hypnotisierend in die Runde, dass sie auf den Betrachter eine Wirkung entfalten wie jene Gletscherlagunen in Island, auf denen weiß-blaue Eisberge friedlich und still im Wasser gleiten.

Ein Reporter hält es nicht aus, er lässt nicht locker. Ob der Coach denn, will er von Kompany wissen, am Abend vor dem großen Spiel gut werde einschlafen können? Oh, aber sicher, sagt Kompany. Er werde sogar ganz sanft in die Träume gleiten. Ab dem Zeitpunkt, an dem er denke, dass seine Arbeit erledigt sei, habe er keinerlei Problem damit einzuschlafen. Man ahnt: Kompany hat seine Arbeit erledigt.

Dann, plötzlich: eine Frage seinerseits, so überfallartig wie einer dieser Chipbälle von Joshua Kimmich: „Ist es das wichtigste Spiel meiner Trainerkarriere?“, fragt Kompany – und gibt sich selbst die Antwort: „Ja, wahrscheinlich. Wir stehen im Halbfinale. Aber das ändert nichts an meiner Herangehensweise.“

Bis auf Serge Gnabry sind alle Spieler aus dem Kader fit

Sieben Tage, nachdem der FC Bayern beim 4:5 im Hinspiel bei Paris Saint-Germain aus Sicht mancher Betrachter das größte Spektakel in der Geschichte der Champions League aufgeführt hat, spricht Kompany über die Möglichkeit einer Fortsetzung des Torrauschs. Und zwar so unaufgeregt, als habe er die vergangene Woche mit Meditation und Waldeinsamkeit verbracht. Ob es auch am Mittwochabend wieder ein Spiel ohne Mittelfeld geben könne, eine Partie wie ein Kampf zweier Boxer ohne Deckung, das sei abhängig von beiden Mannschaften. „Wenn sich eine Mannschaft entscheidet, einen Schritt zurück zu machen, dann kann das passieren“, sagt er. Wenn nicht, dann nicht. Dann wird es halt wieder so wild wie im Prinzenpark.

Kleiner Spaß beim Training: Jonathan Tah schubst Harry Kane.
Kleiner Spaß beim Training: Jonathan Tah schubst Harry Kane. Matthias Schrader/AP

Es klingt durch: Kompanys Mannschaft wird garantiert nicht jene sein, die einen Schritt zurückgeht. Die Spieler dürften Entscheidungen treffen, ob sie passen oder schießen, sagt Kompany. „Sie werden nicht entscheiden, ob wir ins Pressing gehen oder nicht. Denn das ist unsere DNA.“ Eine Erbinformation, die am Abend vor dem großen Spiel höchstgradig sinnvoll erscheint, schließlich müssen die Münchner daheim in der Arena ein Tor aufholen.

Die gute Nachricht: Außer dem verletzten Serge Gnabry sind diesmal alle Spieler dabei. Auch Lennart Karl und Tom Bischof, die vor einer Woche nicht zur Einwechslung zur Verfügung standen, als die Beine der ersten Elf zu erlahmen drohten. Die Nachricht, die offenbar völlig egal ist: Die Münchner werden gegen Paris in den neuen Heimtrikots auflaufen. Darauf in der kommenden Saison zu sehen: Ein Kakadu-Aufnäher – in Erinnerung an den etwa 1000 Euro teuren Kakadu, den die Mannschaft bei ihrer Meister-Party im vergangenen Mai aus dem Münchner Nobelrestaurant „Käfer“ stibitzt hatte. Später gab es den Kakadu vom ursprünglichen Besitzer, Michael Käfer, als Geschenk. Seither ist der Vogel ein Kakadukottchen. „Wenn Oktoberfest ist, haben wir auch jedes Jahr ein neues Trikot“, brummt Kompany. „Wir müssen genau wissen, was unsere Rollen sind, wenn das Spiel losgeht. Das Trikot habe ich nicht besprochen, es ist kein Thema für mich.“

Was offenbar auch kein Thema ist: Die Partie zu vercoachen, wie es sein Lehrmeister, der Trainer Pep Guardiola, mitunter tat, um großen Spielen mit vermeintlich pfiffigen Ideen eine besondere Note zu verleihen. 2014 gingen Guardiolas Bayern mit 0:4 gegen Real Madrid unter, weil der Trainer versuchte, eine Doppelsechs aus Schweinsteiger und Kroos zu formieren. „Die größte Scheiße, die ich jemals als Trainer gemacht habe“, gab Guardiola danach zu. Auch dieses Geständnis räumt Kompany am Dienstag souverän ab. Bringt ja nur Unruhe. „Ich habe auch unter Pep gespielt – das stimmt nicht, dass er alles ändert in den wichtigen Spielen, das ist nur Medien-Quatsch.“

Wer die flirrende Aufregung spüren will, die dem Spiel angemessen ist, der muss 48 Stunden zuvor dem Innenverteidiger Jonathan Tah lauschen. Wenn er in diesen Tagen mit seinem Hund spazieren gehe, verrät Tah, spreche ihn jeder an: Jonathan, am Mittwoch Vollgas geben! „Das habe ich so auf diese Weise noch nie gespürt.“ Die Stadt München kann gerade nicht gut einschlafen. Aber pssst …! Nicht dem Coach verraten.

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