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FC Bayern:Plötzlich spürt Lewandowski kritische Blicke

Bayern München - Real Madrid

Robert Lewandowski lässt gegen Real Madrid die Torgefahr vermissen.

(Foto: dpa)
  • Robert Lewandowski hat in 191 Pflichtspielen 149 Tore erzielt, kein anderer Bayern-Angreifer in diesem Jahrtausend war so unumstritten.
  • Nun muss er muss auf einmal damit leben, dass die Leute einen kritischen Blick in seine Bilanzen werfen.
  • Hoffnung dürfte dem FC Bayern allerdings seine Torgefahr in Halbfinal-Rückspielen in der Champions League machen.

Von Christof Kneer und Benedikt Warmbrunn

An die Halbfinal-Wochen im Frühling 2001 erinnert sich Giovane Elber noch genau, es waren die vielleicht besten Wochen seiner Karriere. Ende April wurde der Angreifer des FC Bayern am linken Knie operiert, genauso wie sein Mitspieler Jens Jeremies. Eine Woche später, am 1. Mai, spielte das Team im Halbfinale der Champions League bei Real Madrid, Elber musste den Trainer Hitzfeld und den Teamarzt Müller-Wohlfahrt erst zum Einsatz überreden. Der FC Bayern gewann 1:0, das Tor erzielte Elber, mit links. Acht Tage später, beim Rückspiel in München, traf Elber wieder, in der achten Minute, mit dem Kopf. Luís Figo traf zum Ausgleich, den 2:1-Endstand für Bayern erzielte Elbers Kumpel vom OP-Tisch, Jens Jeremies. Weitere zwei Wochen später gewann die Elf die Champions League, aber die Basis des Erfolges, meint Elber, war das Halbfinale.

"Spiele gegen Real Madrid waren immer Spiele, in denen du gemessen wirst wie sonst nie", sagt Elber heute, "dann zeigt sich, ob du nur ein guter Spieler bist oder eben ein Weltklassespieler."

Auf einmal steht er im Verdacht, ein Stürmer zu sein, dem im Frühling der Fuß zittert

Auch dank dieser zwei Tore gegen Real hängt Elbers Porträt prominent in der Ahnengalerie der Bayern-Stürmer. Aber wie so viele Bayern-Stürmer vor und nach ihm wurde auch er intern irgendwann hinterfragt, das können sie in diesem Klub ganz gut. Erst dringt leise Kritik nach draußen, dann wird sie etwas lauter, und am Ende des Prozesses sagt Uli Hoeneß dann zum Beispiel, dass Mario Gomez ein guter Stürmer sei, aber halt kein sehr guter. Auch Elber bekam irgendwann gesagt, dass es vielleicht keine schlechte Idee sei, den Klub zu verlassen, es käme jetzt nämlich Roy Makaay. Auf Makaay folgten Luca Toni und Miroslav Klose, abgelöst wurden sie von Mario Gomez, der durch Mario Mandzukic ersetzt wurde. Mandzukics Nachfolger - Elbers Nachnachnachnachnachfolger - ist seit 2014 Robert Lewandowski.

Der Pole hat in 191 Pflichtspielen 149 Tore erzielt, kein anderer Bayern-Angreifer in diesem Jahrtausend war so unumstritten. Bei ihm lief die Diskussion immer andersrum, niemand fragte, ob er noch gut genug für Bayern sei. Die Frage lautete eher: Kann Bayern diesem Mann noch genügend bieten? Bis zum Mittwoch lief das so. Bis wieder ein Halbfinale anstand, in dem Spieler gemessen werden wie sonst nie. Ein Halbfinale gegen Real Madrid.

Dass es vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt und vor dem Rückspiel am Dienstag in Madrid nun erstmals eine kleine Lewandowski-Debatte gibt, liegt an einem anderen Helden von 2001, an Oliver Kahn. "Ich sehe Lewandowski in diesen Spielen einfach zu wenig", sagte der frühere Torwart im ZDF. Der Angreifer habe genau den Status, den er haben wolle, "aber er wird diesem in solchen Spielen nicht gerecht". Man muss eher keine Verschwörung vermuten in diesem Fall, niemand muss spekulieren, ob es sich bei Kahn womöglich um einen Auftragskritiker handelt; im Gegensatz dazu halten sich ja bis heute Gerüchte, wonach sich der TV-Kritiker Mehmet Scholl bei seiner Gomez-Verunglimpfung ("wund gelegen") von der Säbener Straße ermuntert gefühlt habe.

Nein, niemand möchte Lewandowski weghaben an der Säbener Straße, es ist schon immer noch so, dass sie glücklich und vielleicht sogar stolz sind, den Nachnachnachnachnachfolger von Giovane Elber im Verein zu haben. Und klar: Wenn sie irgendwem zutrauen, die 1:2-Niederlage in Madrid noch umzudrehen, dann Lewandowski, der - natürlich hinter Cristiano Ronaldo und Lionel Messi - unbestritten zu den besten Stürmern der Welt gehört. Das Problem ist eher, dass Lewandowski im stillen Kabinenkämmerlein ein bisschen anders rechnet. Er sieht es so, dass Ronaldo und Messi keine echten Stürmer sind und dass er - Lewandowski - schon ein paar Stollenlängen besser ist alles, was da sonst noch so stürmt. Luis Suárez, Antoine Griezmann, Mo Salah, Harry Kane - gute Leute, logisch. Aber hey: doch nicht so gut wie ich!

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