FC Bayern in der Einzelkritik:Seltsamer Fehler vom besten Torwart der Welt

Manuel Neuer patzt sehenswert, Thiago grätscht im eigenen Strafraum, Lewandowski erzwingt sein Glück: Die Bayern in der Einzelkritik.

Aus dem Stadion von Tim Brack

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Manuel Neuer

Bayern München - SC Paderborn 07

Quelle: dpa

Für Bayern-Trainer Hansi Flick der "beste Torwart der Welt". Musste seine Fähigkeiten zuletzt wegen der Schlampigkeiten seiner Vorderleute häufiger unter Beweis stellen. Sollte gegen Paderborn mit seiner Routine auch der experimentellen Abwehr Halt geben, machte das meistens gut, indem er einfach nur da war. Paderborn forderte ihn selten. Vielleicht wurde ihm mit der Zeit langweilig, jedenfalls kam er kurz vor der Pause aus seinem Tor gestürzt, um einen Pass abzufangen. Paderborns Dennis Srbeny gelangte aber vor ihm an den Ball, spitzelte ihn durch Neuers Beine und traf. Neuer ärgerte sich danach immens - über sich selbst. Ein Fehler, den der vermeintlich beste Torwart der Welt nicht begehen sollte. Lenkte vor dem zweiten Gegentor dann auch noch einen harten Schuss zum Gegner. Aber das kann auch dem Besten passieren.

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Joshua Kimmich

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Quelle: AFP

Vor dem Spiel war Hansi Flick nach Pep Guardiola gefragt worden. Vielleicht erinnerte er sich dabei daran, dass Kimmich unter dem Katalanen (und später auch unter Carlo Ancelotti) in der Innenverteidigung auflief. Jedenfalls verschob Flick seinen Mittelfeldchef eine Reihe nach hinten. Im Zentrum der Defensive hatte Kimmich in der Liga zuletzt 2017 gegen Freiburg gespielt, dabei war ihm sogar ein Tor gelungen. Ein gutes Omen also? Kimmich leistete sich jedenfalls keine großen Schnitzer, doch ihm war anzumerken, dass er gerne weiter nach vorne streben würde. Auch Flicks Umstellung von Vierer- auf Dreierkette meisterte er problemlos. Wer von Guardiola dirigiert wurde, für den ist das keine Herausforderung.

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David Alaba

FC Bayern Muenchen v SC Paderborn 07 - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Mimte in der Dreierkette den Fixpunkt in der Mitte, um den sich alles herum sortierte. Musste gegen die konterfreudigen Paderborner in den ein oder anderen Sprint mehr einlegen, als er sich vielleicht vorgestellt hatte. War aber immer schnell genug. Beim Gegentor durch Srbeny unglücklich, weil er sich früh entschied zu grätschen, statt den Paderborner zu stellen. Musste sich als Chef auch ein zweites Gegentor anschauen. Dürfte ihm nicht gefallen haben.

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Lucas Hernández

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Quelle: AFP

Durfte erstmals seit seiner Knöchelverletzung wieder von Beginn an ran. Sortierte sich in der improvisierten Abwehrkette von Flick ganz links ein. Im Spielaufbau solide, lief viele Löcher zu und leistete sich eigentlich keine größeren Aussetzer. Ihn dürften die zwei Gegentore umso mehr ärgern.

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Álvaro Odriozola

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Quelle: AFP

War als sichere Zutat des Abwehr-Experiments von Hansi Flick angekündigt worden. Der Spanier durfte in der Liga noch nie von Beginn an ran, gegen Paderborn war es nun so weit. Spielte dann doch eher im Mittelfeld, machte seine Sache ordentlich, fühlte sich in der gegnerischen Hälfte wohl, flankte hübsch und harmonierte ordentlich mit seinen Mitspielern. An der Rückwärtsbewegung und Körperlichkeit fehlte es aber hin und wieder merklich. Nach 62 Minuten kam für ihn Kingsley Coman.

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Thiago

FC Bayern München - RB Leipzig

Quelle: dpa

Musste ohne seinen neuen Lieblingspartner Joshua Kimmich neben sich im Mittelfeld auskommen. Spielte trotzdem routiniert, hatte in der ersten Hälfte wenig Probleme. Musste dann aber immer wieder seine Sprint- und Abwehrqualitäten demonstrieren. Grätschte wiederholt im eigenen Strafraum in Schüsse von Paderbornern. Eine kämpferische Leistung, und die brauchte seine Mannschaft an diesem Abend auch.

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Alphonso Davies

FC Bayern Muenchen v SC Paderborn 07 - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Ist ja gelernter Flügelstürmer, durfte diesmal auf seiner Stammposition beginnen. Ihm fehlte aber manchmal ein bisschen der Anlauf, den er als Verteidiger nehmen kann. In der Dreierkette dann als Hybrid zwischen Außenstürmer und -verteidiger. Lief wie immer fleißig und fing den ein oder anderen Konter ab. In der Offensive aber ohne die großen Ausrufezeichen und mit so mancher Schlampigkeit.

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Corentin Tolisso

FC Bayern Muenchen v SC Paderborn 07 - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Als er zum FC Bayern kam, brachte er den Spitznamen "Taschenmesser" aus Frankreich mit. Den hatte er sich dort durch seine Vielseitigkeit verdient gehabt. Hat beim FC Bayern unter Flick ein wenig das Problem, dass dieser genügend Werkzeuge für sein Mittelfeld hat. Gab gegen Paderborn seinen ersten Startelf-Einsatz in der Liga unter Flick. Bewarb sich mit guten Aktionen für weitere. Bereitete das Tor von Gnabry vor, war danach fast selbst mit einem Kopfball erfolgreich. Provozierte durch aggressives Anlaufen fast noch ein Eigentor, doch der Ball landete an der Latte. Man freut sich ja immer, ein Taschenmesser in der Hosentasche zu haben, wenn man es mal braucht.

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Serge Gnabry

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Quelle: AFP

Schlägt Haken, bei denen man Angst haben muss, dass der Rasen die schnellen Richtungswechsel nicht aushält - oder auch die Fußgelenke der Gegenspieler. Vielleicht ist so zu erklären, dass die Paderborner Abwehr bei Gnabrys Zucken in der 26. Minute lieber verharrte und dem Flügelspieler so erlaubte, mit einem satten Linksschuss das 1:0 zu erzielen. Gnabry belohnte sich damit in seinem 100. Bundesligaspiel für fleißige und variable Läufe. Verschnaufte nach seinem Treffer ein bisschen. Ausgeruht übersprintete er dann in der zweiten Hälfte mit einem Willenslauf die Paderborner Abwehr und bereitete das 2:1 vor. Und weil es so schön geklappt hatte, wiederholte er das vor dem 3:2.

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Philippe Coutinho

Bundesliga - Bayern Munich v SC Paderborn

Quelle: REUTERS

Hat wie Corentin Tolisso auch einen Spitznamen: kleiner Zauberer. Die Last des Magisch-Sein-Müssens hemmt den Brasilianer offensichtlich, konnte sich auch gegen Paderborn nicht aus seinen Ketten befreien. Schlüpfte dann aber ein bisschen aus dem Korsett heraus: ein Tänzchen hier, ein schöner Pass da, eine schnelle Drehung dort. Doch richtige Durchschlagskraft entwickelte der Zehner nicht. Bestes Beispiel: Übersah den deutlich besser postierten Lewandowski kurz vor der Pause, entschied sich stattdessen für ein Schüsschen in die Arme von Paderborns Torhüter Leopold Zingerle. Auch nach der Pause kein Entfesselungskünstler. Für ihn kam Thomas Müller.

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Robert Lewandowski

FC Bayern Muenchen v SC Paderborn 07 - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Es war eigentlich ein Abend zum Vergessen für den Stürmer. In der ersten Hälfte verhöhnte ihn Fortuna regelmäßig: Pässe kamen in seinen Rücken, er war einen Schritt zu später oder Flanken segelten knapp über seinen Kopf. Ein Stürmer von Weltformat lässt sich von solchen Ärgernissen aber nicht aus der Ruhe bringen. Lewandowski blieb geduldig, näherte sich nach der Halbzeit mit einem Schuss, den Zingerle stark hielt, einem Torerfolg an. In der 71. Minute erlöste sich der Angreifer dann mit seinem 24. Tor. Und weil er sein Glück so schön erzwungen hatte, gelang dem Polen dann sogar noch sein 25. Saisontreffer. Es war das Siegtor zum 3:2. Wer hätte das nach der ersten Hälfte gedacht?

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Einwechselspieler

Bundesliga - Bayern Munich v SC Paderborn

Quelle: REUTERS

Thomas Müller: Kam beim Stand von 1:1 und brachte ordentlich Schwung in den Angriff. Es verwundert nicht, dass Lewandowski erst nach Müllers Einwechslung traf. Die beiden schaukeln sich gegenseitig höher und höher. Selbst traf er zwar nicht, aber als Unruhestifter sehr effektiv.

Kingsley Coman: Startete auch schwungvoll, doch vor lauter Schnelligkeit ging ihm die Präzision abhanden. Bei einem Dribbling weit vor Paderborns Tor kam er nicht am herausgeeilten Schlussmann vorbei, auch mit einem Torschuss aus spitzem Winkel scheiterte er. Mehrere Flanken landeten trotz aussichtsreicher Position in den Armen des Torhüters.

Joshua Zirkzee: Wurde kurz vor Schluss eingewechselt. Traf zwar nicht mehr, obwohl das vor der Winterpause seine Spezialität war. Aber die Münchner hatten ja einen Lewandowski.

© SZ.de/ebc
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