FC Bayern Krücken statt Orden für Neuer

Manuel Neuer war gegen Düsseldorf selten beschäftigt - und verletzte sich dann an der Wade.

(Foto: REUTERS)
Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen hätte Manuel Neuer am Sonntag verliehen bekommen sollen. Stattdessen verlieh man ihm Krücken. Die Staatskanzlei im Süden Düsseldorfs erreichte er damit nicht. Im Norden der Stadt humpelte Neuer aus dem Stadion, als das Spiel seines FC Bayern gegen Fortuna Düsseldorf noch nicht mal zu Ende war. Sorgen ums Ergebnis musste sich der Torwart wenigstens keine machen. München führte uneinholbar und gewann am Ende 4:1.

Neuer sorgte sich um seine Wade. Es hat einen Stich darin getan in der 53. Minute, als er einen Ausfallschritt gemacht hatte, um den Ball zu kontrollieren. Dass er den Ball überhaupt mal hatte, war ein Wunder. Düsseldorf war harmlos. Neuer hatte überhaupt nichts zu halten. Vielleicht war seine Wade deshalb anfällig für diesen Muskelfaserriss. Neuer muss laut Klubangaben jetzt rund zwei Wochen pausieren. Er dürfte die beiden Spiele gegen Werder Bremen verpassen: nächsten Samstag das Ligaspiel in München und am Mittwoch darauf das Pokal-Halbfinale in Bremen. Entwarnung gab es dagegen bei Mats Hummels. Der Innenverteidiger hatte den Platz nach Abpfiff humpelnd verlassen, muss aufgrund einer Oberschenkelzerrung aber nur eine kurze Trainingspause einlegen. Wenn es im Titelkampf ultimativ um die Meisterschaft geht, dann müsste Neuer eigentlich wieder fit sein. Dann soll irgendwann auch die Verleihung des Verdienstordens nachgeholt werden: für sein soziales Engagement für benachteiligte Kinder.

FC Bayern in der Einzelkritik

Wirklich ganz ausgezeichnet

Seltsam souverän spielt dieser FC Bayern zurzeit trotz mancher Baustelle. Im Training prügeln sich Robert Lewandowski und Kingsley Coman, der Torwart verletzt sich schon wieder und die Mannschaft steht kurz vor einem massiven Umbruch - aber ihre Spiele gewinnt sie momentan sehr cool, während die Titel-Duellanten aus Dortmund vor Nervosität ins Wanken geraten. In dieser Situation macht sich die Erfahrung des Bayern-Kaders bemerkbar. Zoff-Stimmung war am Sonntag keine zu spüren. Kurz vor dem Anpfiff umarmten sich alle Spieler. 55 Umarmungen waren das, und eine davon lautete: Lewandowski und Coman. Es hat schon liebevollere Umarmungen gegeben in der Geschichte der Menschheit, aber angeblich ist der Streit zwischen den beiden erledigt.

Bei Coman schien auch nichts hängen geblieben zu sein. Er schoss die ersten beiden Tore für die Bayern, eines bereitete ihm Serge Gnabry vor, das zweite Joshua Kimmich. Lewandowski bereitete ihm keines vor, aber das musste nichts Schlechtes heißen. Der Pole legte am Sonntag keinen der vier Treffer auf und erzielte auch selbst keinen. Düsseldorf ist der momentan einzige Bundesligist, gegen den Lewandowski (201 Bundesligatreffer) überhaupt noch nie getroffen hat. Natürlich hat er in den vergangenen sieben Jahren auch nur vier Mal gegen Düsseldorf gespielt: in der Saison 2012/13 insgesamt 110 Minuten mit Borussia Dortmund und in dieser Saison 180 Minuten mit den Bayern, aber von den zehn Toren, die seine Mannschaften in diesen vier Fortuna-Duellen geschossen haben, war halt kein einziges von ihm.

Eine lebhafte Truppe

Sollte dieser statistische Makel an ihm nagen, dann wäre das für den 30-Jährigen sicher ein Hauptgrund, den FC Bayern im kommenden Sommer nicht zu verlassen, um in der nächsten Saison zwei neue Spiele gegen Düsseldorf bestreiten zu können, denn der einstige Abstiegskandidat Nummer eins aus dem Rheinland weiß ja seit Samstag sicher, dass er in der Bundesliga bleibt. Es ist für den Verein der erste Bundesliga-Klassenverbleib seit 23 Jahren. Damals spielten für Fortuna Spieler wie Frank Mill, Markus Anfang und Georg Koch. Trainer war Aleksandar Ristic. Robert Lewandowski war damals sieben Jahre alt.

23 Jahre später sagte Lewandowski am Sonntag nach einem Spiel in Düsseldorf, dass er sich gefreut habe, obwohl er ja kein einziges Tor geschossen hat: "Ich habe mich für Kingsley gefreut", behauptete er. Die Rauferei im Training war auch nach Auskunft des versuchten Streitschlichters Niklas Süle kein großes Ding. "Wir sind eine lebhafte Truppe", sagte der Innenverteidiger. Die Truppe dürfte in der nächsten Saison aber ein bisschen weniger lebhaft werden, wenn besonders lebhafte Mitglieder sie verlassen. Franck Ribérys Weggang gilt ja als beschlossen, jetzt berichtet der Kicker, der Franzose wechsle wohl nach Katar und nicht nach Australien, wo in Sydney der Trainer Markus Babbel um Ribéry werbe.

Zum Abschluss will der Franzose mit den Bayern aber erst noch seine neunte Meisterschaft feiern. Und es sieht gut aus. "Den ersten Platz wollen wir jetzt nicht mehr hergeben", sagt der Trainer Niko Kovac. Sportdirektor Hasan Salihamidzic findet: "Wir haben alles in den eigenen Händen." Und wirklich hat man momentan eher nicht das Gefühl, dass die Münchner doch noch einmal straucheln könnten. Nicht einmal ohne Manuel Neuer.

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