FC Bayern nach Schweinsteiger:Sammer: "Leider keine berechenbare Größe"

"Dieser Transfer hat eben zwei Seiten, eine emotionale und eine rationale", sagt der Sportchef Sammer, "emotional wird unser Respekt für Bastian immer riesengroß sein, aber rational ist es eben auch so, dass er zuletzt oft verletzt war und deshalb in den vergangenen zwei Jahren leider keine berechenbare Größe sein konnte."

Und es ist auch so, dass sie für einen Sportler, der bald 31 wird und dessen Vertrag nur noch ein Jahr läuft, etwa 15 Millionen Euro überwiesen bekommen. Das ist einerseits ein berechtigtes Schmerzensgeld, weil es wehtut, einen Stadtheiligen zu verlieren. Andererseits bekommen die Bayern aber sogar Geld dafür, dass sich nun vielleicht ein Problem von selbst gelöst hat. Ein Problem, das sich in voller Schärfe offenbart hätte, wenn nach einer langen Sommerpause plötzlich alle Spieler mit gesunden Knochen und gesunden Egos in die Startelf gedrängt hätten.

Die Karriere von Bastian Schweinsteiger

Nationalmannschaft

Weltmeister 2014 - WM-Dritter 2006, 2010.

EM-Zweiter 2008.

111 Länderspiele / 23 Tore

FC Bayern München

Champions-League-Sieger 2013.

Fifa-Klub-Weltmeister 2013.

Deutscher Meister (8): 2003, 2005, 2006, 2008, 2010, 2013, 2014, 2015.

DFB-Pokalsieger (7): 2003, 2005, 2006, 2008, 2010, 2013, 2014.

342 Bundesliga-Spiele / 45 Tore

Deutschlands Fußballer des Jahres 2013

Wen hätte Pep Guardiola dann ins Mittelfeldzentrum stellen sollen, Xabi Alonso, Schweinsteiger, Lahm, Martinez, Alaba oder gar einen der Jungen, Hojbjerg oder Kimmich? Und was hätten die Leute gesagt und hätte Schweinsteiger gesagt, wenn die Wahl nicht auf den Fußballgott gefallen wäre? Bekannt sei ja, dass Schweinsteiger "am liebsten auf der Sechs spielt", sagt Sammer, und in Manchester, bei van Gaal, da dürfe er das auch. "Das ist sicher eines der Argumente, die Bastian angesprochen haben." Guardiola sieht Schweinsteiger nicht in dieser Rolle, er sieht ihn weiter vorne, wo sich wiederum Schweinsteiger nicht so gerne sieht. "Natürlich konnte Pep ihm keine Garantie für seine Lieblingsposition geben", sagt Sammer, "aber das kann Pep bei Philipp Lahm ja auch nicht."

Am Ende hat Schweinsteiger gespürt, dass sie dem Sportler in ihm nicht mehr vollständig vertrauen. Zuletzt hat er ein paar mal demonstrativ die Jahreszahl "2018" in den öffentlichen Raum hineingerufen, so lange wolle er noch "auf Top-Niveau spielen", was im Subtext nichts anderes war als der Wunsch nach einer entsprechenden Verlängerung seines Vertrages. Und natürlich hat Schweinsteiger das Echo des FC Bayern auf seinen kleinen Ausruf genau registriert: Es kam keines. Sammer sagt, auch wegen der körperlicher Vorgeschichten sei es dem Verein "schwer gefallen, über 2016 hinaus zu denken".

So schwer den Münchnern der Abschied grundsätzlich fällt, so sehr wissen sie doch auch, dass anderes dafür nun leichter fällt. Das Mittelfeld auszubalancieren, dürfte für den Trainer nun einfacher werden, sportlich und atmosphärisch. Von den zwei konkurrierenden zentralen Lenkern Alonso und Schweinsteiger, die nur schwer in eine gemeinsame Aufstellung passen, ist jetzt nur noch einer übrig. Der 33-jährige Spanier soll in seinem letzten Vertragsjahr noch mal der defensive Fixpunkt werden, und um ihn herum wird Guardiola situations- und gegnerbedingt seine anderen Mittelfeldasse gruppieren.

Auf dem Transfermarkt sei man "im Moment eher in der Beobachtungsphase", sagt Sammer, durch Schweinsteigers Abschied fühle man sich "nicht unter Druck gesetzt". Der Stau am Mittleren Ring hat sich ja immer noch nicht aufgelöst, im Spielfeldzentrum herrscht weiterhin hohes Verkehrsaufkommen. Im Moment suchen die Bayern nicht zwingend positionsbezogen, sie sind bereit zu investieren, warten aber noch ab, wie sich der Markt entwickelt. Auch die Personalie des in der Öffentlichkeit dauerdiskutierten argentinischen Promis Angel Di Maria verfolgen die Bayern laut Sammer zurzeit "eher passiv".

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