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FC Bayern nach dem Sieg gegen Real:Therapie für die Bayern-Seele

Europas Fußballbeobachter zollen dem FC Bayern nach dem glanzvollen 2:1 gegen Real Madrid höchsten Respekt. Das wird den gescholtenen Münchnern guttun, so ein Echo hat ja auch einen stark heilsamen Charakter. Jetzt können sie sich wieder mit sich selbst beschäftigen - und müssen nicht wie wütende Hunde gen Dortmund bellen.

Solche Abende sind es, für die der FC Bayern erfunden wurde, für die er Fußball spielt. Abende, für die man den Fernsehkrimi Fersehkrimi sein lässt, weil so ein Thriller im richtigen Leben eben doch die stärkeren Adrenalinschübe freisetzt. Nur keine Sekunde wegschauen, weil die eine, die entscheidende Szene natürlich genau dann passiert, wenn man die SMS ins Handy tippt.

Mag sein, es war nicht der modernste Fußball, der zu bestaunen war, alles eher körnig, verbissen, ein wenig old school, aber was ist einzuwenden gegen die Neuauflage eines grobgestrickten Klassikers? Nichts, nicht aus London, wo der Guardian ein existenzialistisches Duell erlebte, das "eine Rohheit und einen Wettstreit in sich barg, was jeden an die Rivalität zwischen diesen Klubs erinnerte". Auch nichts aus Paris, wo France Football von einem "hochklassigen Spiel" schwärmte, zusammengefasst in der Feststellung: "Das ist Fußball!"

Die europäische Presseschau wird den Münchnern gut tun, so ein Echo hat ja auch einen stark therapeutischen Charakter. Jetzt können sie sich wieder mit sich selbst beschäftigen - und müssen nicht wie wütende Hunde gen Dortmund bellen.

In der ersten Reaktion auf das 0:1 jüngst bei der Borussia und die zweite in Serie an den Revierklub verlorene Meisterschaft, hatte Uli Hoeneß ja angekündigt, man müsse "den Kader vielleicht gnadenlos qualitativ vergrößern". Gar so gnadenlos muss der Bayern-Präsident nicht vorgehen, denn das Schauspiel mit Real hat bestätigt, dass sich in den roten Trikots schon der Kern einer Elf verbirgt, die sich näher herankämpfen kann an das Prädikat "absolute Weltklasse", das derzeit nur dem FC Barcelona zugesprochen wird.

Für die Absicht von Hoeneß, erneut in den Festgeldspeicher zu springen, um den Konkurrenzdruck zu erhöhen, bot der Real-Abend jedoch einige Argumente. Nur einen von drei möglichen Wechseln (Müller für Schweinsteiger) nahm Trainer Heynckes vor - ein Misstrauensvotum gegen die übrige Belegschaft. Zudem birgt der Kader kaum Spielraum für taktische Überraschungen, stark wirkt die Elf nur im 4-2-3-1-System, abhängig ist sie dabei von Tagesform und Gesundheit der Solospitze Mario Gomez.

Als Alternative zu Gomez hat Hoeneß für kommende Saison "eine Bombe" angekündigt. Unter dem Eindruck von Dienstagabend kann er getrost verbal abrüsten. Wenn sich die Münchner jetzt, statt weiter Schaum vorm Mund zu tragen, klug und besonnen auf dem Transfermarkt engagieren, kann das Ding auch mit diesen Roten noch spektakulär zünden.