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FC Bayern München:Vater Louis

Der FC Bayern gewinnt gegen Dortmund das neunte Bundesliga-Spiel in Serie und sorgt sich mehr um sich als um den Gegner. Obwohl die Abwehr mit Slapstick-Einlagen irritiert.

Weil sich Jürgen Klopp verspätete, saß Louis van Gaal zunächst allein auf dem Podium im Presseraum der Allianz Arena. Er nuckelte an einer Tasse Kaffee und sah sich auf einem Monitor ausgewählte Szenen der gerade beendeten Partie zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund an.

Freunde? Bayern-Trainer van Gaal (l.) und Franck Ribéry bei dessen Auswechslung.

(Foto: Foto: AP)

Er trank und guckte und als die Zusammenfassung beendet war, da lächelte er kurz und lehnte sich zurück. In diesem Moment sah er nicht aus wie der gestrenge Fußballtrainer Louis van Gaal, sondern wie ein liebevoller Vater, der seinen Jungs beim Spielen zusieht und feststellt, dass doch etwas aus ihnen geworden ist.

Es ist wahrlich etwas geworden aus dieser Mannschaft beim FC Bayern, bei der noch vor wenigen Monaten zu befürchten stand, dass sie scheitern könnte und dem Vater das Sorgerecht entzogen wird.

Neun Bundesliga-Partien in Folge konnte sie mittlerweile gewinnen, seit 15 Spielen hat sie nicht mehr verloren - und gegen Dortmund hat sie bei diesem 3:1-Sieg gezeigt, dass sie einen Gegner nicht nur dominieren oder im Notfall auf das vielzitierte Bayern-Dusel verlassen, sondern dass sie sich den Erfolg auch erarbeiten kann. "Wir hatten heute ein bisschen Glück, aber das haben wir uns erarbeitet", sagte van Gaal. "Auch nach dem Rückstand haben wir unsere Linie verfolgt, wir sind nicht geknackt worden."

Es gehört zu den herausragenden Eigenschaften dieses Louis van Gaal, in den durchaus erkennbaren Schwächen seiner Mannschaft eine Stärke zu entdecken. Die Münchner nämlich erwischten einen holprigen Start in dieses Spiel, was vor allem an den Slapstick-Einlagen der beiden Innenverteidiger Martin Demichelis und Daniel van Buyten lag.

Nach einigen Fehlern beim Stellungsspiel und skurrilen Zuspielen, die den Empfänger um Meter verpassten, leistete sich van Buyten in der fünften Minuten einen unbedrängten Ballverlust gegen Mohamed Zidan, der zum 1:0 für Dortmund einschoss. Van Gaals Reaktion: "Die Chancen der Dortmunder resultierten aus individuellen Fehlern von uns. Der Gegner konnte sich keine Chance herausarbeiten, wir haben sie ihm vorgelegt." Heißt übersetzt: Hätten wir uns nicht hin und wieder blöd angestellt, dann hätten die Dortmunder an diesem Abend überhaupt keine Chance gehabt.

Es ist dieses Selbstverständnis, sich einzig und allein selbst besiegen zu können, das Louis van Gaal auf seine Mannschaft übertragen hat. Nach dem Rückstand spielte der FC Bayern so weiter, als wäre nie ein Tor gefallen. Schweinsteiger und van Bommel verteilten die Bälle geschickt und vor allem gerecht auf die Außenspieler Franck Ribéry und Arjen Robben - und hätten beide in der ersten Halbzeit nicht versucht, sich gegenseitig mit Tricks, Dribblings und kleinen Mätzchen zu übertreffen, dann wäre vielleicht mehr herausgekommen als nur der glückliche Ausgleich durch einen abgefälschten Schuss von Mark van Bommel. "Das war Glück, den muss der Torhüter normalerweise haben", sagte der Torschütze nach dem Spiel.

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Klopp kritisiert Schiedsrichter

Als die Einzelkünstler Ribéry und Robben zu Beginn der zweiten Halbzeit erkannten, dass sie im Zusammenspiel noch stärker glänzen können, entstand das, was van Gaal so gerne mit "Chancen kreieren" umschreibt. Ribéry spielte einen feinen Doppelpass mit Thomas Müller und legte dann geschickt auf Robben, der zur 2:1-Führung einschob.

"München ist ein brutal starker Gegner, die individuelle Klasse ist unglaublich hoch", attestierte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach dem Spiel. "Wenn gegen den FC Bayern nicht alles klappt, dann hast du keine Chance."

Neben der mangelhaften Chancenverwertung seiner Mannschaft ("Aus elf großen Chancen haben wir gerade mal ein Tor erzielt") prangerte Klopp auch zwei fragwürdige Entscheidungen von Schiedsrichter Knut Kircher vor den letzten beiden Treffern an, dem 2:1 sei ein Foul vorausgegangen, vor seinem Treffer zum 3:1 sei Mario Gomez im Abseits gestanden. Klopp schränkte jedoch ein: "Das ist nicht als Vorwurf gemeint. Ich will nur verdeutlichen, dass einfach alles passen muss, wenn man in München gewinnen will."

Es passte nicht alles bei Borussia Dortmund, und gegen einen FC Bayern in dieser Verfassung werden sich nicht nur Bundesliga-Vereine schwer tun. Es hat sich eine Mannschaft gefunden in München, die nicht nur durch individuelle Klasse besticht, sondern auch mit durchdachtem Zusammenspiel - und die deshalb auch die grotesken Fehler der beiden Innenverteidiger zu einer Randnotiz machen. "Wer sagt denn, dass Florenz besser ist als Dortmund", fragte Louis van Gaal auf die Frage, ob sich die Mannschaft im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League ähnliche Fehler würde leisten können. "Wir müssen auf uns schauen, dann ist alles in Ordnung."

Das tat er dann auch gleich selbst. Wie schon gegen Fürth holte er auch am Samstag Franck Ribéry vorzeitig vom Feld. "Jeder Spieler will 90 Minuten spielen", sagte van Gaal. "Aber das entscheiden nicht die Spieler. Das entscheide ich." In diesem Moment wirkte er nicht mehr wie der liebevolle Vater, sondern wieder wie der gestrenge Trainer.

© sueddeutsche.de/hum
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