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FC Bayern München:Torjägerin aus Bordeaux

Der FC Bayern verpflichtet die französische Nationalspielerin Viviane Asseyi. Die 26-Jährige reiht sich ein in die bereits hochkarätigen Transfers für die kommende Saison.

Von Anna Dreher

Gegen Südkorea konnte sie noch alles auf sich wirken lassen. Viviane Asseyi saß auf der Bank, und vielleicht war das auch ganz gut so, die Kulisse an diesem 7. Juni 2019 im Parc des Princes von Paris war ja durchaus beeindruckend. 45 261 Zuschauer trieben die französische Fußballnationalmannschaft der Frauen bei der Heim-WM unaufhörlich zum 4:0-Auftaktsieg gegen Südkorea an. Asseyi sah danach noch ein 2:1 ihres Teams gegen Norwegen, dann wechselte sie die Perspektive. Gegen Nigeria stand die Stürmerin 90 Minuten auf dem Platz und schoss zwei Mal aufs Tor. Beim späten 2:1 gegen Brasilien wurde sie erst spät ausgewechselt und im Viertelfinale gegen die USA zu spät eingewechselt, um noch einen Unterschied zu machen: Frankreich schied aus.

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Doch so bitter dieses Aus gegen den späteren Weltmeister auch gewesen ist - für Asseyi war dieses Turnier ein Erfolg, ihr erster richtiger großer Auftritt, obwohl sie seit 2013 zum Kreis der Auswahl zählt. 2015 bei der WM in Kanada war sie quasi nur dabei. Seit dem ist Asseyi als Spielerin gereift. In 21 Partien für Girondins Bordeaux, der frühere Klub ihres Vorbilds Zinédine Zidane, traf sie vor der WM zwölf Mal - inklusive akrobatischem Tor des Jahres - und präsentierte ihre Schnelligkeit und Abschlussstärke. Nationaltrainerin Corinne Diacre konnte in einem offensiv mit Spielerinnen wie Wendy Renard oder Eugénie Le Sommer ohnehin stark besetzten Team nicht anders, als sie in den Kader aufzunehmen. Und dazu hat sich nun auch der FC Bayern entschieden.

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Drittbeste Torschützin Frankreichs erster Liga: Nationalspielerin Viviane Asseyi erzielte ein Drittel aller Saisontore für Bordeaux. Ab nächster Saison soll sie ihre Schnelligkeit und Abschlussstärke beim FC Bayern zeigen.

(Foto: Anthony Bibard/imago)

Nachdem Girondins Bordeaux den Wechsel seiner Kapitänin bereits am Montag mitgeteilt hatte, zog der FC Bayern am Dienstag mit der Bekanntgabe nach. Die 26-Jährige aus der Normandie hat in München einen Zweijahresvertrag bis 2022 unterschrieben und reiht sich ein in die mit Spielerinnen wie Hanna Glas oder Klara Bühl bereits hochkarätigen Transfers für die kommende Saison. "Viviane beobachten wir schon lange und es freut mich sehr, dass es zur kommenden Saison geklappt hat, sie von uns zu überzeugen", sagte Trainer Jens Scheuer. "Sie bringt viel internationale Erfahrung mit."

Bordeaux machte keinen Hehl daraus, wie gerne der Klub diesen Wechsel verhindert oder zumindest hinausgezögert hätte. Vor zwei Wochen gab der Verein den Abschied Asseyis bekannt: "Nachdem sie lange gezögert hat, hat Viviane Asseyi die Verlängerung ihres Vertrags abgelehnt", hieß es bei Twitter. Asseyi hatte 2008 mit 14 Jahren in der zweiten Liga beim FC Rouen debütiert, wechselte im Januar 2010 in die erste Liga zu Montpellier HSC und spielte anschließend bis 2018 zwei Jahre bei Olympique Marseille, bevor sie sich Bordeaux anschloss. In der diesjährigen, aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgebrochenen Erstligasaison traf sie in 16 Partien zwölf Mal für den Drittplatzierten, was einem Drittel aller Tore ihres Teams entspricht. Damit ist sie hinter Marie-Antoinette Katoto (Paris Saint Germain, 16 Tore) und der Ballon-d'Or-Gewinnerin Ada Hegerberg (Lyon, 14) drittbeste Torschützin der Division 1 Féminine.

Die bisher bekannten Wechsel des FC Bayern

Abgänge

Melanie Leupolz - Chelsea LFC,

Mandy Islacker - 1. FC Köln,

Nicole Rolser - Karriereende

Zugänge

Viviane Asseyi - FC Girondins Bordeaux,

Hanna Glas - Paris Saint Germain,

Sarah Zadrazil - 1. FFC Turbine Potsdam,

Klara Bühl - SC Freiburg,

Marina Hegering - SGS Essen,

Lea Schüller - SGS Essen,

Julia Pollak - FC Bayern München II,

Maria Luisa Grohs - FC Bayern München II

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Nun aber wollte Viviane Asseyi unbedingt ins Ausland zu einem großen Verein. "Was mich überzeugt hat, nach München zu kommen, war die langfristige Strategie des Klubs und das aufrichtige Interesse der Sportlichen Verantwortlichen an mir", wird die Französin vom FC Bayern zitiert. "Mein Ziel ist es, mit der Mannschaft so viele Titel wie möglich zu gewinnen und in der Champions League zu spielen." Ob sie das dann auch kann, wird sich dieses Wochenende entscheiden. Ihr künftiger Klub muss am Sonntag bei der SGS Essen gewinnen, um seinen Tabellenplatz hinter Meister VfL Wolfsburg nicht noch an die TSG Hoffenheim zu verlieren.

© SZ vom 24.06.2020

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