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FC Bayern München:Späte Erlösung in der Südsee

Sonntag der Entscheidungen beim FC Bayern: Michael Rensing ist Nummer 1, Mark van Bommel Kapitän - und der Sechstligist Neckarelz wird 3:1 besiegt.

Bauch und Vollbart haben bei Thomas Ulmer beachtliche Ausmaße, und auch beruflich hat der Mann Gewicht. Ulmer, 53, ist Europa-Parlamentarier der CDU für den Wahlkreis Nordbaden, er hat eine Praxis für Sport- und Allgemeinmedizin, und weil er früher auch einmal in München lebte und liebte ("Ich hatte da ein Gspusi"), ist er Fan des FCBayern. Zudem ist Ulmer Präsident der SpVgg Neckarelz, jenes Verbandsligisten aus einem Stadtteil von Mosbach im Neckar-Odenwald-Kreis, der am Sonntag "einen Tag Urlaub in der Südsee" machen durfte. So blumig beschrieb Ulmer das Erlebnis, als einziger Sechstligist im DFB-Pokal antreten und gleich auf die berühmtesten Berufsfußballspieler der Republik treffen zu dürfen.

Bayerns neue Nummer eins mit kleinen Fehlern: Michael Rensing

(Foto: Foto: AP)

Patzer vom Torwart

Dieser Südsee-Aufenthalt bereitete dem Außenseiter Freude. Erst in der zweiten Halbzeit sicherte sich der FCBayern ein nie gefährdetes, aber glanzarmes 3:1 durch Tore von Mario Gomez (51./57., Elfmeter) und Hamit Altintop (82.). Stimmungsvoller Höhepunkt des Abends war jedoch das 1:2 für Neckarelz durch Heiko Throm (80.) - erzielt, man staune, in Unterzahl. Zudem in einer Situation, die Debatten nach sich ziehen wird, denn Michael Rensing, der im Tor der Bayern den Vorzug vor Jörg Butt erhielt, war in dieser Szene der nasse Ball entglitten.

Dabei hatte Trainer Louis van Gaal Ruhe haben wollen vor seinem ersten Pflichtspiel mit den Münchnern und zwei Schlüsselpersonalien besiegelt: a) Rensing kommt ins Tor, und b) bleibt Mark van Bommel Kapitän. Daran wird sich auch nach dieser Pokalpartie nichts ändern, auch wenn die Schuldfrage zwischen Torwart ("Ich würde das nicht als Fehler bezeichnen") und Trainer ("Das ist ein Fehler von Rensing") unterschiedlich bewertet wurde. Für van Gaal steht fest, dass Rensing unabhängig vom Wackler auch am Samstag - erneut in Sinsheim, dann aber zum Ligastart gegen Hoffenheim - im Tor stehen wird. Neckarelz war für die große Fete umgezogen, und alles hatte wie erwartet begonnen: Lahm (8.) und Klose (18./Pfosten) boten sich früh Chancen, in der Folge aber fehlte Bayern Präzision. Der Halbzeitstand (0:0) wurde von 30100 bejubelt wie sonst nur die schönsten Tore.

"Das war unser zehntes Spiel in viereinhalb Wochen, das ist zu viel, deshalb waren wir nicht gut", klagte van Gaal. Die Planung der Vorbereitung stand noch nicht unter seinem Befehl. Erst ein Gassenpass von Bastian Schweinsteiger auf Gomez, der zum 1:0(51.) führte, ließ den Niederländer aufatmen. Der aus Stuttgart abgelöste Gomez traf bei seinem Pflichtspieldebüt doppelt, seinem Elfmeter zum 2:0(57.) ging ein törichtes Vergehen von Christian Fickert voraus. Handballer Fickert erhielt später nach einer Grätsche gegen den eingewechselten Baumjohann die gelb-rote Karte (73.).

Trotz zu erwartender Dominanz war der FC Bayern gewissenhaft vorbereitet. Egon Coordes, der neue Gegnerbeobachter von van Gaal, besuchte Neckarelz sogar beim badischen "Hoepfner-Cup" gegen den VfB Allfeld. Vor 19 Jahren waren die Bayern im Pokal schon einmal im Rhein-Neckar-Dreieck kollabiert, mit 0:1 beim FV Weinheim. Peter Hogen, 48, der glatzköpfige Trainer von Neckarelz, spielte früher für Weinheim. Diesmal gab er seinen Sechstklässlern einen Schnellkurs über die neue Münchner Fußballgeometrie: "Die bauen aus ihrer Raute Dreiecke auf und spielen mit schnellen Pässen nach vorn", hatte Hogen erkannt. Seine Spieler unterbanden dieses Vorhaben anfangs sehr gut.

Einige Überraschungen bot die Aufstellung van Gaals, die als erstes Sommerzeugnis zu werten ist. Im Tor stand nicht Butt, sondern Rensing, der zuletzt im Audi-Cup ein kleiner Elfmeterheld gegen Manchester United gewesen war. Und vor Rensing verteidigte nicht etwa das gelobte Talent Holger Badstuber, sondern eine Kombination, die man bei Bayern schon länger kennt: Martin Demichelis mit Daniel van Buyten. Zwei Rechtsfüßler, was der van Gaal'schen Fußball-Biologie widersprach. Er wolle innen mit Rechtsfuß (rechts) und Linksfuß (links) verteidigen, hatte er anfangs erklärt.

Timoschtschuk auf der Bank

Nun gut, Tests sind etwas anderes als der Pflichtspiel-Ernstfall, in einem aber blieb van Gaal stur. Nicht dabei war auch gegen Neckarelz der teure Einkauf Anatoli Timoschtschuk. Der Ukrainer wurde auch nicht eingewechselt, als das Spiel entschieden war. Bei ihm kennt der General aus Holland keine Gnade. "Ich habe gewählt!", sagte van Gaal zu seinen Schlüsselpersonalien, und da sein Landsmann van Bommel der Kapitän bleibt, kann sich Timoschtschuk die Perspektive ausrechnen. Beide streiten um die Zentralposition vor der Abwehr. Dort soll es nur einen geben. Und ein Kapitän wird zuletzt gewechselt.

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