Bayern-Basketballer im Finale:Duo im Wandschrankformat

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Gib mir fünf: Vladimir Lucic (links) und Serge Ibaka sind Spieler von solcher Qualität, wie es sie in der BBL selten gibt. (Foto: Marcel Engelbrecht/Imago)

In Vladimir Lucic und Serge Ibaka hat Bayern zwei Anführer im Team, die in der Bundesliga ihresgleichen suchen. Gepaart mit einem hochkarätig besetzten Kader macht das die Münchner zum Titelfavoriten im Playoff-Finale.

Von Ralf Tögel

Vladimir Lucic kann sehr ernst schauen. Und er setzte seine finsterste Miene auf, als er über den Favoritenstatus des FC Bayern im Kampf um die deutsche Meisterschaft reden sollte. Wer bitteschön soll diese hochkarätig besetzte Mannschaft denn stoppen? Diesen Kader, in dem sich Weltmeister, gestandene Euroleague-Spieler und als i-Tüpfelchen ein NBA-Champion tummeln? Und der von einem Trainer angeleitet wird, der mit Real Madrid zweimal die Euroleague und sechsmal die spanische Meisterschaft gewonnen hat? Lucic, der diese Ansammlung namhafter Profis als Kapitän anführt, entgegnete also: „Unsere letzte Meisterschaft ist fünf Jahre her, wie kann man darauf kommen, dass wir Favorit sind?“

In der Tat, Jahr für Jahr geht der FC Bayern als Topfavorit ins Titelrennen, doch nach der Meistersause 2019 gab es lediglich drei Pokalsiege (2021, 2023, 2024) zu feiern – nach dem Selbstverständnis des Vereins sind das Trostpflaster. Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, haben sich die Bayern immer im höchsten europäischen Wettbewerb aufgerieben, weshalb im Meisterschaftsendspurt stets wichtige Spieler verletzt fehlten. Wie der Kapitän höchstselbst; in der vergangenen Saison verpasste Lucic die Playoffs wegen einer Handverletzung. In dieser Saison sind die Münchner früh aus der europäischen Königsklasse ausgeschieden, beklagen aber kaum Verletzte. Mit seiner Einschätzung will der 34-Jährige also zweifellos Druck von den Kollegen nehmen, alles andere als das Double wäre eine riesige Enttäuschung. Das haben die Verantwortlichen um Präsident Herbert Hainer klar formuliert.

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Die Aussage von Lucic ist zugleich Ausdruck eines tadellosen Berufsethos. Niemals würde er einen Gegner unterschätzen, einem Teamkollegen eine laxe Einstellung erlauben. Der serbische Nationalspieler steht wie kein Zweiter für höchsten Einsatz, das ist in jedem Spiel zu sehen. Am Sonntag etwa im dritten Halbfinalspiel in Würzburg, als sich Lucic nach einem ins Aus trudelnden Ball warf und dabei der Länge nach auf den Hallenboden knallte. Es war die Phase, als die Münchner nach schwachem erstem Viertel und deutlichem Rückstand das Spiel drehten, und natürlich stand Lucic dabei auf dem Feld.

Schon unter Andrea Trinchieri war er der erste Ansprechpartner des Trainers, sein Fixpunkt in wichtigen Momenten. Das hat sich unter Nachfolger Laso nicht geändert, und so bekommt Lucic trotz fortgeschrittenen Alters mit die höchsten Einsatzzeiten. Nicht, dass er sich körperlich nicht auf der Höhe befinden würde. Als er gefragt wurde, ob das Double nicht ein idealer Zeitpunkt wäre, um abzudanken, lächelte der 2,04 Meter große Flügelspieler kurz: „Das Rentensystem in Deutschland ist gut, aber ich bin in einer physisch besseren Form als in den vergangenen Jahren.“

Das Geld war für Serge Ibaka kein Argument für die Bayern, er hat in der NBA allein 150 Millionen Dollar verdient

Und Lucic hat in dieser Saison einen Gesinnungsgenossen, gleich alt und ebenfalls extrem ehrgeizig, der das Spiel der Mannschaft prägt und die Kollegen mitreißt: Serge Ibaka kam als NBA-Champion zu den Bayern. Wobei die Trainerpersonalie das entscheidende Detail für seine Zusage war, wie der 2,13-Meter-Center erklärte. Geld hat der Kongolese, der auch die spanische Staatsbürgerschaft hat, allein in seinen 14 Jahren in der NBA, wo er 2019 mit den Toronto Raptors den Titel gewann, genug verdient – es ist die Rede von 150 Millionen Dollar. Trotzdem ist er ein detailbesessener Vorzeigeprofi, der dem Erfolg alles unterordnet.

Nach Spielen etwa, wenn die Kollegen längst nach Hause aufgebrochen sind, kann es sein, dass Ibaka mit seinem Rollköfferchen vorbeischlendert und sich spätnachts verabschiedet – nach einer Zusatzschicht im Kraftraum. Nicht umsonst sind seine Arme, die eine Spannweite von mehr als 2,20 Metern haben, so muskelbepackt. Ibaka flößt den Gegnern Respekt ein, wenn er unter dem Korb mit seiner athletischen Präsenz Rebounds fischt, Würfe blockt oder die Bälle in die Körbe stopft.

In Ibaka und Lucic haben die Bayern also zwei Anführer, die ihresgleichen in der Bundesliga suchen, und im dritten und letzten Spiel gegen die Baskets in der Würzburger Halle, die für ihre teuflische Stimmung berüchtigt ist, war das gut zu beobachten. Laso setzt auf die beiden in der Startformation, beide hatten viel Einsatzzeit, beide punkteten zweistellig (Ibaka 19 Punkte, Lucic 12). Natürlich kann das Duo im Wandschrankformat keine Spiele im Alleingang gewinnen, dafür hat Trainer Laso aber eine illustre Auswahl an zusätzlichen Spitzenspielern. Carsen Edwards etwa, bester Punktesammler, oder aber drei Weltmeister.

Als sich die großen Muskelpakete, zu denen neben Ibaka und Lucic auch Euroleague-erprobte Devin Booker zählt, mit den flinken Guards der Unterfranken bisweilen schwertaten, schickte Laso einfach Andreas Obst, Isaac Bonga und Niels Giffey aufs Parkett – die zusammen mit Elias Harris das Spiel innerhalb eines Viertels drehten. So viel Qualität hat kein Gegner im Kader – und es könnte noch schlimmer für die Konkurrenz kommen: In Sylvain Francisco, dem zweitbesten Schützen im Team, und Nick Weiler-Babb, bester Münchner Abwehrspieler, kündigt sich die Rückkehr zweier bis dato verletzter Schlüsselspieler für die Finalserie an.

Ob der Gegner Berlin oder Chemnitz heißt, muss sich noch weisen, gleichwohl haben die Bayern in den ersten beiden Partien am Samstag und Montag (jeweils 20.30 Uhr) Heimrecht. Was gar nichts zu bedeuten habe, wie Lucic erinnert: „Wir haben noch nichts gewonnen, diese Gegner haben viel Qualität.“ Er sagt das mit wirklich sehr ernster Miene.

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