FC Bayern in den Basketball-PlayoffsAckern, bis die Freude kommt

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Andreas Obst war mit 15 Punkten maßgeblich am deutlichen Sieg gegen die Heidelberger beteiligt, sucht dennoch angesichts der immensen Belastungen momentan nach seiner Bestform.
Andreas Obst war mit 15 Punkten maßgeblich am deutlichen Sieg gegen die Heidelberger beteiligt, sucht dennoch angesichts der immensen Belastungen momentan nach seiner Bestform. (Foto: Jenni Maul/Eibner/Imago)
  • Der FC Bayern gewinnt das dritte Halbfinalspiel der Basketball-Playoffs gegen Heidelberg deutlich mit 98:68.
  • Die Münchner können mit einem weiteren Sieg am Dienstag in Heidelberg ins Finale einziehen.
  • Trotz hoher Belastung und Verletzungsausfällen zeigt sich Bayern-Spieler Andreas Obst zuversichtlich für die Titelverteidigung.
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Der FC Bayern setzt mit dem deutlichen Erfolg im dritten Halbfinalspiel gegen Heidelberg ein Ausrufezeichen und kann schon am Dienstag mit einem Auswärtssieg ins Endspiel einziehen.

Von Ralf Tögel

Bei dieser Frage huscht Andreas Obst dann doch ein Lächeln übers Gesicht. Ob er denn schon an die nähere Zukunft denke, sprich die Nationalmannschaft? „Jetzt? Nein, gar nicht“, sagt er. Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich steckt der Basketball-Profi des FC Bayern gerade in einer anstrengenden Halbfinalserie für den deutschen Meistertitel, den es tunlichst zu verteidigen gilt. Daran lässt auch sein Arbeitgeber keinen Zweifel, denn die Münchner haben mit dem Ausscheiden im Pokal und dem Verpassen der Euroleague-Playoffs bereits zwei erklärte Saisonziele verfehlt. „Uns ist allen bewusst, was hier erwartet wird“, sagt Obst, 28, wieder mit ernster Miene, den Druck von außen wüssten er und die Teamkameraden aber von sich zu halten: „Wir haben Spaß und sind ein tolles Team.“

Dieses Team hat angemessen Freude verbreitet, als es am Samstagabend die Academics aus Heidelberg mit 98:68 Punkten vor 11 500 Zuschauern im ausverkauften SAP-Garden auf die Heimreise schickte – ein 30-Punkte-Unterschied in einem Playoff-Halbfinale ist ein Statement.

„Wir haben die Energie ganz gut aufs Feld gebracht und es Heidelberg schwer gemacht zu punkten, sie mussten hart arbeiten“, sagt Obst, und mit Blick auf das Saisonziel: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Das ist natürlich untertrieben, die Münchner haben kaum einen Zweifel daran gelassen, wer in die Finalserie einziehen wird. In diese Richtung ging auch die Aussage des finnischen Heidelberger Trainers Danny Jansson: „Wir werden versuchen, dieser Serie noch einmal 40 gute Minuten zu geben“, sagte Danny Jansson. Bis zu Spiel vier am Dienstag (20 Uhr) ist nicht viel Zeit: „Wir werden uns ausruhen, viel schlafen, gut essen und wieder kämpfen.“

Wenn man sich mit Obst unterhält, fällt regelmäßig das Wort „Energie“, das sei der Schlüssel, um sich in der Endphase der Saison noch zu Höchstleistungen aufzuraffen. Obst hat 76 Partien in den Knochen, ist praktisch seit drei Jahren ohne größere Pause auf dem Parkett. 2022 gewann Deutschland im eigenen Land EM-Bronze, im Jahr darauf den Weltmeistertitel in Manila, im Vorjahr musste der Sommerurlaub den Olympischen Spielen weichen – Obst in prägender Rolle immer mittendrin. Dazu der jährliche nationale und internationale Ligabetrieb mit Meisterschaft, Pokal und Euroleague, eben jene 76 Spiele, die Obst aktuell abgespult hat. „Wir kämpfen“, sagt er, und, ja, „klar merkt man die Belastungen.“ Obst ist einer der besten Distanzschützen Europas, er hält den Euroleague-Rekord mit elf verwandelten Dreiern gegen Barcelona – bei einer Trefferquote von fast 70 Prozent. Unvergessen auch sein entscheidender Dreier zum sensationellen Halbfinalsieg gegen den Favoriten USA beim WM-Sieg 2023.

Es verfestigt sich der Eindruck, dass die Münchner Profis zulegen können, wenn sie müssen

In den Meisterschafts-Playoffs liegt seine Quote aktuell nur bei unter 30 Prozent, kein Wunder bei den brutalen Belastungen: „Das merke ich natürlich, auch weil wir jetzt eine kurze Rotation haben und ich viel in der Abwehr und als Spielmacher ackern muss. Ich spüre, dass meinem Wurf die Stabilität fehlt, ich kann in der Offensive nicht so viel Energie wie gewohnt reinpacken.“ Dies sei auch eine Folge davon, so Obst, dass in Carsen Edwards, Oscar da Silva und Elias Harris drei wichtige Bayern verletzt fehlen. Gerade Topscorer Edwards bringe ihm Entlastung: „Klar fehlt er, er bringt viel Gefahr von außen, ohne ihn kann sich die gegnerische Defensive mehr auf mich konzentrieren.“

Mitleid darf der Titelverteidiger aber kaum erwarten, Bayern-Trainer Gordon Herbert hat im Ligavergleich trotz aller Ausfälle immer noch paradiesische Alternativen. Mit den Weltmeistern Johannes Voigtmann, Justus Hollatz und Niels Giffey sowie dem NBA-erfahrenen Shabazz Napier kommen erstklassige Kräfte von der Bank. Ein Scheitern gegen Heidelberg, das zwar eine starke erste Fünf aufs Feld bringt, aber nicht ansatzweise die Kaderqualität der Münchner hat, wäre für die Vereinsführung inakzeptabel. Es war Obst, der nach einem Hänger im zweiten Viertel, der den Vorsprung zur Pause auf 45:40 schrumpfen ließ, mit zwei verwandelten Dreiern die Vorentscheidung zum 69:56 vor dem letzten Viertel einleitete.  Die finalen zehn Minuten waren dann die erwartete Machtdemonstration des Titelfavoriten (29:12).

„Wir haben unsere Lehren aus dem ersten Spiel gezogen“, sagt Obst; das war überraschend zu Hause 90:95 verloren gegangen, weil die Münchner schlampig und kraftlos agierten. Auch in Spiel drei hatten die Bayern eine solche Phase, als sie vor der Pause einen zweistelligen Vorsprung leichtfertig mit unnötigen Ballverlusten und schlechten Würfen vergaben, sich aber zu steigern wussten.

Und das ist der Eindruck, der bleibt: dass der Favorit, wenn nötig, zulegen kann. Am Dienstag kann München die Serie vorzeitig beenden, auch wenn Heidelberg daheim „noch einmal alles reinwerfen wird“, wie Obst überzeugt ist. Vieles deutet auf das erwartete Finale der Bayern gegen Ulm hin, auch die Schwaben führen nach einem ebenfalls klaren 99:86-Heimsieg gegen Würzburg in der Best-of-five-Serie 2:1.

Und wie ist das mentale Befinden? „Das Körperliche macht mir mehr zu schaffen“, sagt Obst, er werde daher alles dafür tun, dass die Serie am Dienstag ein vorzeitiges Ende finde, das Finale beginnt schon am kommenden Sonntag. „Dann haben wir ein paar Tage Zeit“, sagt Obst, und jetzt lächelt er noch einmal.

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