FC Bayern München Oliver Kahn über Golf

SZ: Wie kam das beim FC Bayern an, als Sie zu spielen begannen?

Kahn: Wenn du zum Golfspielen gegangen bist, musstest du immer aufpassen, auf die Art: Ah, der macht wieder Urlaub. Dabei kann Golf sehr anstrengend sein. Ich habe es aber auch zur Entspannung gebraucht. Man darf es eben nicht übertreiben. 18 Loch zwei Tage vor dem Spiel, das kann ich keinem Fußballer empfehlen. Wenn wir samstags spielen, spiele ich zum letzten Mal am Mittwoch. Und dann auch nur noch neun Loch.

SZ: Das klingt sehr strukturiert. Machen Sie sich auch einen Trainingsplan?

Kahn: Nicht vor normalen Runden. Wenn ich es ernst nehme, vor einem Turnier etwa, dann ja. Ich spiele ungefähr zehn bis zwölf vorgabewirksame Turniere im Jahr. Und wenn ich den Kopf frei habe, um intensiv zu trainieren, dann arbeite ich an gewissen Facetten des Schwungs. Peter Karz vom Golfclub in Straßlach unterstützt mich dabei. Dieser Sport ist ja eine never-ending story.

SZ: So gesehen ist Golf ideal für Sie, den Erfinder des Immer-weiter-Prinzips.

Kahn: Wenn Sie davon ausgehen, dass ich meinen Job immer mit einer unheimlichen Leidenschaft und Trainingsintensität gemacht habe, und dass ich ein Mensch bin, der von der Arbeit herkommt, dann wissen Sie, dass ich das beim Golf genau- so mache. Nur habe ich geglaubt, dass die gleichen Mechanismen, die im Tor funktionieren, beim Golf auch funktionieren. Aber das ist nur bedingt richtig.

SZ: Warum?

Kahn: Beim Golf geht es vor allem darum, das Richtige zu trainieren. Wenn ich nicht qualitativ hochwertig trainiere, verfestige ich nur meine Fehler. Das war bei mir das große Problem, dass ich die ersten Jahre zu viel ohne Trainer gemacht habe. Danach war ich ständig damit beschäftigt, die falschen Bewegungsmuster aus meinem Kopf rauszubekommen.

SZ: Da war er noch, der Torwart in Ihnen. Sie dachten, Sie packen das alleine.

Kahn: Genau. Das war ein fataler Irrglaube.

SZ: Andererseits sind Sie inzwischen ein echt guter Golfer mit Handicap 9. Wie ist der Autodidakt Kahn vorgegangen?

Kahn: Ich habe viel gespielt, ich war viel auf der Driving Range, die zwei Minuten von meinem Haus entfernt ist. Sonst habe ich genau das gemacht, was ich als Kind gemacht habe, um den Torwartjob zu erlernen: Ich beobachte die Profis, jede Woche. Ich schaue viele Turniere auf Premiere. Und wenn ich die Möglichkeit habe, wie beim Profiturnier in Eichenried, gehe ich mit. Bernhard Langer habe ich mir intensiv angesehen. Durch Visualisieren lernt man unheimlich viel. Das habe ich schon früher gemacht, als ich in Karlsruhe den Torhütern beim Training zugeschaut habe.

SZ: Ihr wichtigster Lerneffekt?

Kahn: Im Vorfeld eines Golfschlags sollte ich durch geistiges Visualisieren schon wissen, wie der Ball fliegen wird und wo er landen soll. Das kenne ich vom Fußball. In der Vorbereitung auf gewisse Spiele etwa. Ich kann vorher gewisse Spielsequenzen im Kopf ablaufen lassen.

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