Die Basketballer des FC Bayern München haben die große Chance auf den vorzeitigen Einzug ins Playoff-Viertelfinale der Euroleague verpasst und das vorletzte Spiel der Hauptrunde bei Maccabi Tel Aviv mit 90:93 Punkten verloren. Die Münchner rutschen auf den sechsten Tabellenrang, der für den direkten Einzug in die Runde der letzten acht reichen würde. Doch der Gegner im letzten Hauptrundenspiel heißt Fenerbahce Istanbul, der türkische Meister ist als Tabellenzweiter bereits für die K.-o.-Runde qualifiziert und zählt zu den Titelanwärtern. Mit einer weiteren Niederlage drohen die Playins, in denen die Teams auf den Plätzen sieben bis zehn die beiden letzten Viertelfinalteilnehmer ausspielen.
Die Partie gegen Maccabi fand in der Nikolic-Arena in Belgrad statt, der israelische Serienmeister ist aufgrund des Krieges in der Heimat in dieser Spielzeit auf die Gastfreundschaft der Serben angewiesen. Allerdings sind bei Heimspielen von Tel Aviv aufgrund der verschärften Sicherheitslage nur etwa 200 Zuschauer in der Halle. Dabei gilt die 8000 Zuschauer fassende Arena in der serbischen Hauptstadt als besonders stimmungsvoll, die Partie am Donnerstagabend allerdings hatte einmal mehr den Charme eines jener Geisterspiele, die die Münchner in der Corona-Pandemie erleben mussten.
Carsen Edwards stellt im dritten Viertel mit 23 Punkten und acht erfolgreichen Dreiern Bestmarken auf – an der Niederlage ändert das nichts
Es ist bemerkenswert, wie Maccabi mit dieser Hypothek umgeht, zumal die Mannschaft im Ringen um die Teilnahme an der K.-o-Runde früh abgeschlagen war. Doch trotz dieser Aussichtslosigkeit steigerte sich der Drittletzte im Saisonendspurt zu herausragenden Leistungen, gewann etwa gegen die Topteams Monaco, Fenerbahce Istanbul – und nun gegen den FC Bayern.
Dabei sah es nach dem dritten Viertel für den Gegner gut aus: Die Münchner kamen zwar zäh in die Partie, rappelten sich vor allem dank des starken Shabazz Napier, der 17 Punkte erzielte, auf und führten zur Pause 48:44. Napier kompensierte auch den äußerst unauffälligen Auftritt von Bayerns Topscorer Carsen Edwards, der nur zwei magere Pünktchen von der Freiwurflinie im ersten Durchgang beisteuerte.
Offenbar fand Trainer Gordon Herbert in der Kabine die richtigen Worte, um seinen besten Punktesammler zu reanimieren: Edwards kam wie aufgedreht aufs Feld, erzielte fantastische 26 Punkte im dritten Viertel, wobei er acht Dreier bei neun Versuchen versenkte – beides hat in der Euroleague kein Spieler vor ihm in einem Viertel geschafft. Entsprechend entspannt ging der Gast in den finalen Durchgang, der 74:61-Vorsprung gaukelte offensichtlich große Sicherheit vor.
Doch Tel Aviv offenbarte erneut großen Kampfgeist und viel Moral: Vor allem im Spiel unter den Körben waren die Gastgeber überlegen, obwohl aufseiten der Bayern Center Devin Booker nach zweimonatiger Verletzungspause sein Comeback gab. Je mehr die Gastgeber trafen, je näher sie kamen, desto weniger gelang den Bayern. Und tatsächlich gingen die Israelis 20 Sekunden vor dem Ende mit 89:87 in Führung, nachdem sie einem Rückstand von bis zu 16 Punkten hinterher gehechelt waren. Auch der letzte Dreier von Edwards, der mit 33 Zählern den Bestwert des Abends bedeutete, kam zu spät.
