FC Bayern München IISie nennen ihn Regionalliga-Ronaldo

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„Dass Bayern mich gescoutet hat, ist schon echt cool, das hat mir imponiert“: Anton Heinz, hier gegen Andreas Hirtlreiter vom TSV Buchbach, entschied sich für die vierte statt für die dritte Liga.
„Dass Bayern mich gescoutet hat, ist schon echt cool, das hat mir imponiert“: Anton Heinz, hier gegen Andreas Hirtlreiter vom TSV Buchbach, entschied sich für die vierte statt für die dritte Liga.
Sven Leifer/Foto2press/Imago
  • Anton Heinz führt nach sechs Spielen die Torschützenliste der Regionalliga Bayern mit acht Treffern an, vier davon erzielte er vergangenen Freitag beim 4:1-Sieg in Memmingen.
  • Der 27-jährige Stürmer wechselte von Alemannia Aachen zum FC Bayern München II und soll als erfahrener Ankerspieler den jüngeren Mitspielern Sicherheit geben.
  • Heinz ging nicht den üblichen Weg über Leistungszentren, sondern musste sich alles erkämpfen und arbeitete während seiner Karriere nebenbei als Getränkelieferant.
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Anton Heinz schießt für die U23 des FC Bayern München ein Tor nach dem anderen. Am vergangenen Freitag waren es sogar vier in einem Spiel. Von seinen Mitspielern unterscheidet ihn nicht nur sein Alter.

Von Otis Schaffeld

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Er habe sich gut in München eingelebt, sagt Anton Heinz am Telefon. Der 27-jährige Stürmer wohnt seit der Saisonvorbereitung in der Landeshauptstadt, er ist aus Aachen hergezogen. Nun spielt er beim FC Bayern München II in der Regionalliga Bayern. Spaziergänge an der Isar, die Größe der Stadt, das alles gefalle ihm, sagt er. Zuvor hätten Freunde ihm bereits vorgeschwärmt, wie schön München sei.

Hätten sie besser die Klappe gehalten, dürften sich die Abwehrreihen und Torhüter der übrigen Regionalligisten in Bayern denken. Denn was ebenfalls zur schnellen Eingewöhnung beitrug, sind die vielen Tore, die Heinz bereits geschossen hat. Nach sechs Spielen führt der Angreifer die Torschützenliste mit acht Treffern an. Vier davon erzielte er vergangenen Freitag beim 4:1-Sieg in Memmingen. Mit dem Kopf, vom Punkt, nach einem Konter: Heinz dominiert zurzeit die Liga.

Schon in der Regionalliga West bei Alemannia Aachen hatte er als Torschützenkönig mit 20 Treffern einen großen Anteil am Aufstieg in die dritte Liga. In derselben Saison gelang ihm gegen den Wuppertaler SV ein Hattrick – ausschließlich aus direkten Freistoßtoren. Seitdem ist er durch Boulevard-Medien auch unter dem Namen „Regionalliga-Ronaldo“ bekannt.

Nach dem Aufstieg lief es für Heinz nicht mehr so rund. In der abgelaufenen Spielzeit konnte er nur sechs Tore beisteuern, kam immer öfter von der Bank. „Für mich war klar, dass ich wechseln muss, wenn ich mehr spielen möchte“, sagt Heinz. Praktisch, dass ihn zu diesem Zeitpunkt die Scouts des FC Bayern schon als geeigneten Kandidaten für die zweite Mannschaft auserkoren hatten. Die Gespräche mit dem Verein seien gut gelaufen, sagt Heinz, und auch der Name machte Eindruck: „Dass Bayern mich gescoutet hat, ist schon echt cool, das hat mir imponiert.“

Zu Beginn seiner Karriere lieferte er nebenbei Getränkekisten aus

Statt zu einem anderen Klub in der dritten Liga ging es für ihn deshalb zurück in die Regionalliga. Bayern-Trainer Holger Seitz hat für den erfahrenen Spieler eine klare Rolle in der Mannschaft: „Anton soll den Jüngeren als Ankerspieler Sicherheit geben, sich zu entfalten, und durch seine Tore den Druck herausnehmen.“ Auch abseits des Platzes ist Heinz' klar vorgegebene Aufgabe, seine Mitspieler zu fördern und ihnen mit Tipps weiterzuhelfen. „Das macht er prima“, zeigt sich Seitz zufrieden. „Er ist ein sachlicher Typ, der nicht laut werden muss, sondern inhaltlich überzeugt.“

Für Heinz ist es eine ungewohnte Situation, mit seinen 27 Jahren der drittälteste Spieler im Kader zu sein. Die meisten seiner Mitspieler sind sieben oder acht Jahre jünger als er. Der Altersunterschied sei jedoch kein Hindernis, sagt Heinz: „Ich komme mit allen gut klar und wir harmonieren auf dem Spielfeld.“ Er hat einen wohlwollenden Blick auf seine heranwachsenden Kollegen: „Ich bin niemand, der sagt, früher war alles besser, oder sich darüber wundert, wie die Jugend heute spricht“, sagt er.

Der größere Unterschied zwischen Heinz und seinen Mitspielern liegt darin, wie sie es bis in die zweite Mannschaft des FC Bayern geschafft haben. „Ich bin nicht den üblichen Weg über die Leistungszentren gegangen, sondern musste mir alles erkämpfen“, sagt Heinz. Er habe zu Beginn seiner Karriere neben dem Fußball gearbeitet. Während er in der Saison 20/21 für den SV Lippstadt 08 spielte, lieferte er Getränke aus, erzählt er. Anders habe er seinen Lebensunterhalt nicht stemmen können.

Den Spielball von Memmingen hat Heinz mit nach Hause genommen

Im Leistungszentrum des FC Bayern hat das Trainerteam der zweiten Mannschaft ein übergeordnetes Ziel: „Wir versuchen, die Spieler hier so auszubilden, dass sie die Möglichkeit bekommen, bei unserem Profi-Team mittrainieren zu dürfen“, sagt Trainer Seitz. Heinz sieht sich als erfahrenen Spieler im Team, der den Jüngeren neben dem Platz zur Seite stehen kann, wenn dieser Traum nicht näherzukommen scheint: „Wenn ein junger Mitspieler von mir zu verkopft ist, dann kann ich ihn daran erinnern, dass er erst 18 oder 19 Jahre alt ist.“ Meist bräuchte es eine, manchmal sogar nur eine halbe Saison für den Durchbruch. Dann sei es egal, ob der Spieler 2o oder schon 21 sei, so Heinz.

Auf dem Platz helfen der Mannschaft vor allem Tore, auch dafür ist Heinz nach München gewechselt. Auf ihm lastet zwar nicht der Druck des Talents, dafür aber der des Vorbilds. Davon lässt sich Heinz bisher in der Saison wenig anmerken. „Ich arbeite mit einem Mentaltrainer zusammen, der hat mir damit sehr geholfen“, sagt er. Früher sei Heinz schlechter mit den Erwartungen an seine Person umgegangen. Heute vertraut er auf seine Fähigkeiten. Wenn ihm partout kein Tor gelingen will, konzentriere er sich auf die vermeintlich einfachen Dinge: viel laufen, Zweikämpfe gewinnen. So versuche er ins Spiel zu finden, die Tore würden dann von ganz allein fallen.

Neben seiner Rolle als Entwicklungshelfer möchte sich Heinz auch selbst fußballerisch weiterentwickeln. „In München sind die Gegebenheiten dafür sehr gut, vielleicht die besten in Deutschland“, lobt er seinen neuen Verein. Laut Trainer Seitz sei es ein klares Ziel, dass Heinz noch einen Schritt in seiner Karriere gehen könne. „Anton hat hier auf jeden Fall die Perspektive, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen, unter anderem für unsere Partnervereine oder unser Netzwerk“, sagt Seitz.

Vier Tore in einer Partie sind dafür sicher förderlich. Den Spielball hat Heinz mit nach Hause genommen. Dort liegt er jetzt neben dem Ball seines Freistoß-Hattricks. Zusammen mit seinem Spitznamen sind sie die Andenken an die bisherigen Höhepunkte seiner Karriere.

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