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FC Bayern München II:Kürzere Wege

Bayern Muenchen II v VfL Wolfsburg II - Third League Playoff Second Leg

Marktwert am Sonntag noch einmal erhöht: Seinen Torjäger Kwasi Wriedt (links), hier beim Feiern mit Franck Ribéry, wird der FC Bayern II wohl nur bei einem wirklich lukrativen Angebot ziehen lassen.

(Foto: Sebastian Widmann/Getty Images)

"Das gibt jetzt die Möglichkeit, auch bessere Spieler zu kriegen": Die Bayern erhoffen sich vom Drittliga-Aufstieg große Impulse.

Von Christoph Leischwitz

Er müsse jetzt schon sagen, und Holger Seitz legt dazu eine gespielt ernste Miene auf, dass das alles "schon ziemlich geil ist", so kurz nach dem Abpfiff und dem Aufstieg seiner Mannschaft. Zu diesem Zeitpunkt, knapp eine Stunde nach dem 4:1 gegen den VfL Wolfsburg II, war er eindeutig mehr mit Bier begossen worden, als dass er es konsumieren konnte. Aber der Niederbayer Seitz trinkt nach getaner Arbeit schon gerne auch eins. Es kommt noch wilder: Seitz benutzt ab und zu ein Wort, das mit "Sch" anfängt. Sollte das jemals irgendjemanden beim Weltklub FC Bayern München gestört haben, wird darüber hinweggesehen. Wichtiger ist offenbar, dass Seitz nur dann abhebt, wenn er sich mal auf einen Zaun begibt, um mit den Fans zu feiern. So wie am Sonntag nach dem Aufstieg.

Trainer und Spieler hatten dem Verein einen großen Gefallen getan. Selbst Franck Ribéry oder auch David Alaba, derzeit der letzte Profi aus der eigenen Jugend, beteiligten sich an den vereinsüblichen Feierlichkeiten. Präsident Uli Hoeneß auf der Haupttribüne ballte zum Schlusspfiff die Fäuste vor Freude. Später im Kabinengang sagte er neben den feiernden Spielern über den Trainer: "Sehr gut, sehr unaufgeregt, sehr sachlich, sehr guter Mann."

Linksverteidiger Jonathan Meier wechselt zum FSV Mainz 05

Der Aufstieg bedeutete schon am Sonntag mehr nur ein i-Tüpfelchen auf das Double der Profis. Das kann man schon an der Liste jener Trainer ablesen, die seit dem Abstieg 2011 an dieser Aufgabe gescheitert waren: Andries Jonker, Mehmet Scholl, Erik ten Hag, Heiko Vogel, Tim Walter (Letzterer war am Sonntagnachmittag auch im Stadion). Dass die U23 künftig wieder gegen Profis spielt, wird zu einem gewissen Grad sogar die gesamte konzeptionelle Ausrichtung des Vereins beeinflussen. "Wenn man Nachwuchsarbeit gut machen will, sollte die zweite Mannschaft in der dritten Liga spielen", sagte Hoeneß, "weil dann der Sprung nicht so groß ist. Und das gibt jetzt die Möglichkeit, auch bessere Spieler zu kriegen." Damit meinte er, die Spieler im Zuge der Nachwuchsarbeit besser zu machen.

Nachwuchsleiter Jochen Sauer merkte zugleich an, dass der Kader für die kommende Saison auf einzelnen Positionen zugleich verstärkt werden könnte - "wenn es den einen oder anderen 20- oder 21-Jährigen gibt", der weiterhelfen könne. Der Anreiz für ein Talent, jetzt nach München zu wechseln, ist größer geworden, zumal die Mannschaft die einzige U23 in der dritten Liga stellt. Damit ist nicht nur der Weg in den Profikader der Bayern kürzer, sondern auch zu allen anderen Profiteams.

Es wird natürlich auch Weggänge geben. Schon vor dem Spiel am Sonntag wurden in Maurice König, Mathis Lange und Michael Strein drei Spieler verabschiedet, die sich nicht durchsetzen konnten; gerade im Falle von Strein allerdings wegen erheblicher Verletzungsprobleme. Am Montag folgte dann die Meldung, dass Jonathan Meier zu Mainz 05 wechselt, der Linksverteidiger war eher ein Stammspieler.

Einige sollen nach Möglichkeit gehalten werden. "Ich gehe schwer davon aus, dass er bleibt", sagte Sauer etwa über Kwasi Wriedt, der 24 Liga- und zwei Aufstiegstore beigesteuert hat. Auch Torwart Michael Netolitzky, der zurzeit verletzte Maximilian Welzmüller und Kapitän Nicolas Feldhahn, der am Sonntag nach dem frühen 0:1 für Wolfsburg die Mannschaft in einen Kreis beorderte und noch einmal eine Rede hielt, sollen wegen ihrer Drittliga-Erfahrung gehalten werden. Angebote für einige Spieler gibt es bekanntermaßen, etwa für den Südkoreaner Wooyeng Jeong. Im Falle des Mittelstürmers Wriedt war stets kolportiert worden, dass man ihn nur bei einem wirklich lukrativen Angebot ziehen lasse. Und sein Marktwert dürfte sich am Sonntag noch einmal erhöht haben. Er selbst sagte nach dem Spiel: "Ich habe noch ein Jahr Vertrag, ich will jetzt gerade nicht über andere Vereine nachdenken."

Der Erfolgstrainer Seitz wird sich künftig bodenständig im Hintergrund halten, er wechselt in die Leitung des Nachwuchszentrums. Die Arbeit, die auf ihn wartet, dürfte höchst vielfältig werden. Zu einem großen Teil wird er die Aufgaben von Timon Pauls übernehmen, der zum FC Augsburg wechselte; er soll die Arbeit von Jochen Sauer und dem organisatorischen Leiter Hermann Gerland verzahnen; er soll als Bindeglied fungieren zwischen dem Campus an der Ingolstädter und dem Zentrum an der Säbener Straße. Seitz könnte, nur als Beispiel, an der Säbener Straße Bescheid geben, dass Wriedt bereit ist, auch mal bei den Profis zu spielen. Und auch, wenn sein Trainer-Nachfolger Sebastian Hoeneß heißt, könnte er in der dritten Liga noch oft zu sehen sein, als eine Art Sportlicher Leiter.

Noch nicht alle Personalien, die das nach sich zieht, sind geklärt, etwa jene, was Miroslav Klose kommende Saison macht. Das liegt unter anderem daran, dass auch er noch ganz aktuell für einen Titel sorgen kann: Die U17 bestreitet am 5. Juni das Halbfinal-Hinspiel um die deutsche Meisterschaft.

© SZ vom 28.05.2019
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