FC Bayern München Fünf für zwei

Flink auf den Beinen: Bayerns neuer Flügelstürmer Alphonso Davies.

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Bayerns neuer Flügelstürmer Alphonso Davies bemüht sich um spielerische Harmonie. Bald wird die Konkurrenz um seine Position wieder größer.

Von Ulrich Hartmann

Alle Nörgler, die behaupteten, das Publikum beim Telekom-Cup sei am Sonntag in Düsseldorf erst aufgewacht, als um 17.35 Uhr mit lautem Knall die Glitterkanone zum Siegerfoto des FC Bayern München explodierte, waren bestimmt Rheinländer. Natürlich haben mal wieder die Bayern gewonnen - zum fünften Mal in den vergangenen sechs Turnieren. Dabei haben sie in den jeweils 45 Minuten erst gegen Fortuna Düsseldorf und dann gegen Borussia Mönchengladbach kein einziges Tor aus dem Spiel heraus erzielt, sondern nach den beiden torlosen Kurzpartien schlicht zwei Mal das anschließende Elfmeterschießen gewonnen. Dem Veranstalter war's trotzdem Recht, so prangte sein Label nicht nur auf dem Rahmen des Siegerbilds, sondern auch noch auf den Trikots der ein bisschen angestrengt jubelnden Fußballer. "Ich hab' ein gutes Gefühl", sagte der Mittelfeldspieler Joshua Kimmich mit Blick auf den Rückrundenauftakt am Freitag bei der TSG Hoffenheim. Bewusst machen müssen sich die Münchner jetzt bloß noch einmal, dass es dort nach torlosem Spiel kein sofortiges Elfmeterschießen gäbe.

Über die Chancen der Bayern, in der Rückrunde den Tabellenführer Borussia Dortmund zu überholen, verrieten die 90 Minuten Fußball und die 14 Münchner Elfmeter am Sonntag nicht sehr viel. Der Trainer Niko Kovac setzte 23 Spieler ein, darunter den Innenverteidiger Lars Lukas Mai, 18, den südkoreanischen Flügelstürmer Woo-Yeong Jeong, 19, den niederländischen Flügelstürmer Joshua Zirkzee, 17, sowie den kanadischen Flügelstürmer Alphonso Davies, 18. Letzterer war anders als die anderen drei aber nicht aus der zweiten Mannschaft befördert worden, sondern von den Vancouver Whitecaps eigens verpflichtet, um in der Bundesliga-Mannschaft mittelfristig gegen Kingsley Coman und Serge Gnabry um einen Platz auf den Flügeln zu kämpfen. Am Sonntag im Turnierfinale gegen Gladbach mühte sich Davies 45 Minuten lang um spielerische Harmonie mit den Nebenleuten.

Als er nach einer halben Stunde seinen Gegenspieler Andreas Poulsen mit einem feinen Trick tunnelte und umlief, flippten auf der Tribüne die Social-Media-Mitarbeiter des FC Bayern lautstark aus. Den Davies-Move kann man sich bei Twitter in der Endlosschlaufe anschauen.

"Er ist ein super Junge", lobte David Alaba den jungen Kanadier. Kimmich schwärmte: "Er ist schnell, selbstbewusst, locker, dynamisch und auch gegen den Ball aggressiv." Für Alaba sticht noch eine andere Eigenschaft von Davies hervor: "Man merkt in jeder Trainingseinheit, wie ehrgeizig er ist." Diese Schlüssel-Qualifikation wird er aber auch benötigen, um an Coman oder Gnabry sowie nach deren Genesung an Arjen Robben oder Franck Ribery vorbeizukommen. Auf den Flügeln, auf denen am Sonntag in Düsseldorf noch Münchner Mangel herrschte, werden sich demnächst wieder fünf exzellente Fußballer um zwei Startplätze streiten.