FC Bayern München Der Gefühls-Präsident ist zurück

Die Bayern-Fans haben Uli Hoeneß nicht nur verziehen, sie haben ihn vermisst. Bei seiner Rückkehr tritt er selbstbewusst auf - und zeigt, wie gut er die Anhänger versteht.

Von Martin Schneider, München

Uli Hoeneß begann seine Rückkehr beim FC Bayern mit einem "So!" - und die Halle rastete aus. Gerade hatte ihn die Menge zum Präsidenten gewählt. Hoeneß ging auf die Tribüne zum Präsidentenstuhl, zog ihn zurück, setzte sich drauf und sagte halb zu sich selbst und halb zu den Mitgliedern: "So!". Es war ein "So!", wie es Menschen sagen, die gerade die Wohnung renovieren, das Laminat fertig verlegt haben und als nächstes den Schrank aufbauen wollen. Ein "So, Freunde, das wär geschafft, jetzt geht es weiter", ein "So, Freunde, jetzt geht es hier richtig los", aber auch ein "So, Freunde, jetzt ist die Welt wieder in Ordnung".

Für nichts an diesem Abend bekam Uli Hoeneß mehr Applaus und mehr Jubel und mehr "Uli Hoeneß, du bist der beste Mann"-Gesänge als für dieses zupackende "So!", mit dem er nun wieder an der Spitze des FC Bayern München steht.

Die Erkenntnis dieser Jahreshauptversammlung am Freitagabend: Die Mitglieder des FC Bayern haben Uli Hoeneß in überwältigender Mehrheit nicht nur verziehen, sie haben ihn vermisst. Vor zweieinhalb Jahren verabschiedete er sich mit den Worten "Das war's noch nicht" in die Haft, verurteilt wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu drei Jahren und sechs Monaten. Er musste wegen guter Führung nur die Hälfte der Strafe absitzen, und nun stand er da, vor den Menschen, die er Bayern-Familie nennt, und bat die Mitglieder um eine "zweite Chance". Er sagte, er respektiere jeden, der ihm seine Stimme wegen seines Fehlverhaltens nicht geben wird. Ganze 108 Mitglieder taten das, es gab 58 Enthaltungen. Und 6986 Ja-Stimmen.

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Keiner steht so sehr für Mia-san-Mia wie Hoeneß

Hoeneß füllt eine Lücke in diesem Klub, die er selbst hinterlassen hatte. Karl Hopfner, der während seines Gefängnis-Aufenthaltes Präsident war, wird als der stille Arbeiter wahrgenommen und Karl-Heinz Rummenigge als Stratege, der die Interessen des FC Bayern resolut, aber auch durchaus erfolgreich vertritt. Aber nur Hoeneß ist in der Lage, den Mitgliedern ein Gefühl zu geben.

Dieses vielzitierte Mia-san-Mia, die bajuwarisierte Form des unerschütterlichen Vertrauens in die eigene Stärke, dieses Selbstvertrauen ist gerade ein bisschen erschüttert, RB Leipzig liegt in der Bundesliga zwischenzeitlich sechs Punkte vor dem FC Bayern, was im Kosmos dieses Klubs ja eigentlich nicht vorkommen darf. Hoeneß war ziemlich genau 29 Minuten lang wieder Präsident, als er sagte: "Eins freut mich: Leipzig hat 4:1 gewonnen. Wir haben neben Dortmund endlich wieder einen zweiten Feind, den wir attackieren können." Jubel im Saal. "Denn wenn man ehrlich ist, mussten wir unsere Motivation die letzten Jahre immer aus uns selbst holen, weil uns niemand gereizt hat. Weil uns keiner geärgert hat. Es ist höchste Zeit, dass wir sie wieder richtig bekämpfen." Weiterer Jubel im Saal. Diese rhetorische Fähigkeit, die DNA des FC Bayern in Worte zu bündeln und wenn nötig auch mit Kriegsmetaphern in die Halle zu schleudern, hat nur Uli Hoeneß. Was natürlich auch daran liegt, dass er die DNA des Klubs in großen Teilen selbst geschaffen hat. (Am Samstag ruderte er dann zurück, entschuldigte sich für das Wort "Feind" und sprach davon, dass es einen neuen "Rivalen" gäbe.)