FC Bayern München:"Was ich gesagt habe, ist eindeutig"

Doch das Verhältnis Präsident zu Trainer scheint erkaltet. Auf die Frage, ob Hoeneß glaube, dass van Gaal seine Kritik annehmen werde, winkte er ab: "Nein, die wird er nicht annehmen. Er wird sie aufnehmen, und wird damit leben müssen." Hier findet offenbar einer keinen Zugang zum Charakter des selbstsicheren Trainers und geht nun auf Konfrontationskurs.

Der Klub war ziemlich überrascht und irritiert von den explosiven Worten seines Präsidenten. Mit so einem Angriff hat nun keiner gerechnet. Nach dem sehr mäßigen Saisonstart in der Bundesliga blieb es fast verwunderlich ruhig rund um die Säbener Straße in München, Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge verlängerte zuletzt demonstrativ den Vertrag mit van Gaal bis 2012. Hoeneß' Auftritt bei Sky scheint ein Alleingang zu sein.

Am späteren Montagnachmittag teilte der Verein in einer Pressemitteilung mit, dass Rummenigge nun Hoeneß und van Gaal zur Versöhnung an einen Tisch bringen will. Der Vorstandschef lotete in Gesprächen die Lage aus - "zeitnah" soll die gemeinsame Aussprache folgen. Rummenigge übernimmt die Vermittlerrolle, "um über die derzeitigen Unstimmigkeiten zu sprechen und sie aus der Welt zu schaffen", wie es der FC Bayern München formulierte.

Dass der stolze Niederländer und der stolze Schwabe nicht das allerbeste Verhältnis pflegen, klang zwar mitunter durch. So wehrte sich van Gaal gegen die Einmischung des Präsidenten, weil er dessen Fußball-Sachverstand bei weitem nicht so hoch einschätzt wie dieser selbst. Das ärgert Hoeneß offenbar mehr als bislang vermutet. Der FC Bayern München ist das Lebenswerk des ehemaligen Managers. Dass nun der niederländische Trainer die Entscheidungsmacht an sich zieht, passt dem alten Patriarchen nicht. Der ist zwar nun Präsident und hat damit eigentlich das operative Geschäft verlassen, möchte aber weiterhin gefragt, nicht aus dem Fokus gedrängt werden. "Was ich gesagt habe, das ist eindeutig, und es man muss lernen, damit zu leben", sagte er.

Kommt es nun zum Machtkampf in München? Hoeneß dürfte van Gaal richtig einschätzen, dieser dürfte mit einer derart harschen Kritik nicht einverstanden sein. Doch Hoeneß läuft Gefahr, sich zu isolieren: Weite Teile der Mannschaft stehen zum Niederländer, selbst die Aussortierten wie Timoschtschuk, Gomez oder Demichelis haben bislang noch kein schlechtes Wort über den Trainer verloren und schätzen seine zwar bisweilen harte aber ehrliche Art. Sportdirektor Christian Nerlinger, Nachfolger von Hoeneß, gilt ebenfalls als Van-Gaal-Befürworter.

Und so bleibt von dieser Sendung vor allem der Eindruck, den Rolf Töpperwien passend zusammenfasste: "Da bedaure ich jetzt, dass ich aufgehört habe. Denn das verspricht spannende Zeiten."

© sueddeutsche.de/lala
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