FC Bayern München:Dämpfer vor den Debatten

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Was passiert mit Demichelis, Timoschtschuk und Gomez? Dem bitteren Pfälzer Abend folgen beim FC Bayern München die letzten Kaderentscheidungen des Sommers.

Moritz Kielbassa, Kaiserslautern

Für eine blumige Sprache ist Miroslav Klose nicht bekannt, er ist ein eher nüchterner Mensch. Beim Thema Kaiserslautern jedoch ließ sich der Stürmer des FC Bayern anstecken von kochenden Emotionen: "Freitagabend, Flutlichtspiel, Betzenberg - es gibt kaum etwas Geileres, da brennt der Kessel", dichtete der 32-Jährige vor dem Betriebsausflug in die Pfalz, wo der in Polen geborene Klose 15 Jahre gelebt hatte. Fünf davon spielte er für den wieder frisch aufgestiegenen FCK. Vor dem Anpfiff hatte er in Aussicht gestellt, seine Karriere beizeiten bei seinem Herzensverein zu beenden, entsprechend warm war der Empfang durch die Lauterer Fantribüne ("Miro, Miro"). Und Klose hatte versprochen, keine seiner akrobatischen Jubel-Einlagen zu zeigen, sollte er selbst ein Tor schießen - aus "Respekt".

Bayern-Saltos waren dann auch nicht gefragt nach den Toren des, je nach Trikotfarbe, bunten oder bitteren Abends - beide schoss der Gegner, der Kessel brannte, und Klose dürfte die Stimmung auf dem Partyberg der Bundesliga, man verzeihe die Formulierung, jetzt ziemlich ungeil gefunden haben. Nachdem Kloses Angriffspartner Müller das 1:0 fahrlässig verpasst hatte (24.), richtete sich der Blick auf einen anderen Mannschaftsteil: die Abwehr. Beim 0:1 wurde Rechtsverteidiger Lahm von der Finte überrascht, dass FCK-Stürmer Nemec den Ball zum Torschützen Ilicevic durchließ. Beim direkt folgenden 0:2 konnte Lahm die Hereingabe von Ilicevic nicht verhindern, und in der Mitte trat Innenverteidiger Holger Badstuber über den Ball.

Jetzt feixten die feuerrot verkleideten FCK-Anhänger (schaden-)froh, und man hätte gerne gewusst, mit welchen Gefühlen Martin Demichelis daheim vor dem Fernseher saß - sofern er zusah. Der argentinische Innenverteidiger der Bayern, von Trainer Louis van Gaal zum Ersatzspieler zurückgestuft, war erneut nicht im Kader, er habe seine Trauerarbeit noch nicht beendet, hieß es. Van Gaal bringt Spielern unangenehme Wahrheiten nicht schluckweise, sondern schonungslos offen bei. Und die Spieler wissen inzwischen, dass hierarchische Festlegungen des Trainers keinen kurzfristigen Launen folgen, sondern - vorbehaltlich Ausfällen - oft zementiert sind.

Ob der erste herbe Saisondämpfer Folgen hat für die schon gegen Wolfsburg (2:1) nicht immer sichere neue Abwehrreihe Contento - Badstuber - van Buyten - Lahm (von links), wird die Länderspielpause zeigen, schneller Vertrauensentzug ist allerdings kein van-Gaal-Stil. Bereits bis Dienstag muss die Zukunft von Demichelis geklärt sein, dann wird das Transferfenster bis zum Winter zugekippt, und nach Lage der Dinge wären zumindest die Vorstände der Bayern froh, wenn der stolze Demichelis den Überzeugungskampf annähme statt ins Ausland zu fliehen.

Auch Anatoli Timoschtschuk hofft das, andernfalls müsste er wohl als Hintersasse im Kader bleiben, als Ersatz-Innenverteidiger. Dabei liegen dem Mittelfeldsechser, für den van Gaal weiter keine Verwendung hat, ebenfalls Angebote vor. Doch Manager Christian Nerlinger bekräftigte vor dem letzten Verhandlungs-Wochenende des Sommers: "Wer werden kein Risiko eingehen, alle Positionen müssen doppelt besetzt bleiben."

Auch für Sturm-Reservist Mario Gomez gibt es eine ernste Anfrage, aus Liverpool, bis Freitag aber gab es keine Hinweise dafür, dass die Bayern ihre teure Erwerbung des Vorsommers abzugeben gedenken. Statt Gomez spielt in der Spitze gerade Klose. Was in der Pfalz diesmal kein Vergnügen war.

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