Bundesliga Der FC Bayern hat seine Leichtigkeit wiedergefunden

Feierten nach dem 6:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg ausgelassen ihren Sieg: die Spieler des FC Bayern samt Maskottchen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Nach zähen Wochen haben die Münchner nun das Momentum auf ihrer Seite. Doch es ist fragil: Bei einer Niederlage gegen Liverpool droht alles wieder zu kippen.

Kommentar von Benedikt Warmbrunn

Es war Samstag, kurz nach vier, als die Welt in der Fußball-Bundesliga wieder die alte war. Der FC Bayern, wie in der alten Welt gewohnt mit Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng, führte gegen Wolfsburg, und natürlich war er Tabellenführer. Da war sie also wieder, die alte Welt. Oder war sie überhaupt nie untergegangen?

Der FC Bayern ist nach diesem 6:0 gegen Wolfsburg wieder Erster, erstmals seit dem fünften Spieltag; es ist ein Tabellenplatz mit Signalwirkung, vier Tage vor dem Rückspiel im Achtelfinale der Champions League gegen Liverpool. Es ist also wieder alles beim Alten. Allein das ist eine beachtliche Leistung der Mannschaft in ihrer ersten Saison unter Trainer Niko Kovac.

Aus neun Punkten Rückstand auf Dortmund sind nach dem 3:1 des punktgleichen BVB am Samstag gegen Stuttgart zwei Tore Vorsprung geworden, innerhalb von 13 Spieltagen. Der FC Bayern hatte im Herbst eine Krise von einem seit Jahren nicht gesehenen Ausmaß, die Mannschaft wirkte wie eine, der die Leidenschaft fehlt, die Körperlichkeit, aber auch die strategische Führung, durch den Vorstand, durch den neuen Trainer. Seit Jahren war die Chance nicht so gut, die Münchner Dauerdominanz zu beenden. Dass diese Chance nun verschwindend gering ist, liegt an einer großen Eigenschaft des aktuellen Münchner Kaders: der Unbeirrbarkeit. Es ist eine Eigenschaft, in der sich in der Mannschaft der Charakter des Trainers zeigt.

So wie Niko Kovac auch in der tiefsten Krise unbeeindruckt weitergearbeitet hat, wie sogar umgeworfene Konzepte (Rotation! Stammelf!) ihn nicht hektisch erscheinen ließen, so lässt sich das Team von all den Widrigkeiten in dieser Saison nicht irritieren. Die Mannschaft, die eine der größten des europäischen Fußballs in diesem Jahrzehnt ist, weigert sich beharrlich, daran zu glauben, dass sie nicht mehr gut genug sein soll für Titel. Auf die Ergebniskrise folgten zähe, aber erfolgreiche Wochen, auf diese folgt gerade eine gewisse Leichtigkeit. Der FC Bayern hat - zumindest im März - klar und locker gegen Teams aus der tabellarischen Europapokalregion gewonnen. Dortmund hat - zumindest im März - schon Schwierigkeiten mit Gegnern aus dem Abstiegskampf. Bayern hat nun das, wie es im Sportsprech heißt, Momentum, eine Phase also, die Dortmund im Herbst hatte, eine Phase, in der alles zu gelingen scheint.

Die Mannschaft überzeugt genau dann, wenn es darauf ankommt

Dass die gar nicht mal sonderlich alten Alt-Internationalen Hummels, Boateng und Müller unter der Woche vom Ende ihrer Karriere in der Nationalmannschaft erfahren haben? Hat eher noch für einen zusätzlichen Leistungsschub gesorgt; es hat gezeigt, dass diese Mannschaft genau dann überzeugt, wenn es darauf ankommt.

Wie diese Saison bewertet werden wird, das verdichtet sich nun auf das Rückspiel gegen Liverpool. Ein Sieg, und der FC Bayern könnte sich zumindest in der Liga wohl nur noch selbst aufhalten. Bei einem Ausscheiden, darin liegt jedoch die Gefahr des sog. Momentums, droht das Ganze zu kippen. Dass sich die Mannschaft nur noch für die ganz großen Aufgaben begeistern kann, hat zum Ende der Hinrunde Kovac selbst festgestellt. Egal, wie es am Mittwoch ausgehen wird, sicher ist: Kovac wird unbeirrt weiterarbeiten. Und alles, was dann folgt, ist auch sein Verdienst.

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