DFB-Pokal Viel Druck auf einem jungen Schiedsrichter

Im Fokus: Daniel Siebert.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der DFB schickte mit dem 34-jährigen Daniel Siebert einen eher unerfahrenen Unparteiischen zum Pokalspiel nach Bremen. Ein Risiko, das für ein unbefriedigendes Ende sorgte.

Kommentar von Christof Kneer

Welcher Regisseur macht denn so was? Bis zu dieser einen Szene war der Film eigentlich ganz spannend, gute Schauspieler spielten mit, es gab genügend Action und eine einigermaßen plausible Handlung. Zwar lief der Film nach interessantem Beginn doch aufs erwartete Ende zu, aber dann schlug er binnen zwei Minuten eine jähe Volte, wow, dachten die Zuschauer, damit hätten wir jetzt nicht gerechnet - ein paar Minuten war der Film gar auf dem Weg zum Klassiker, aber dann unterlief dem Regisseur dieser wirklich peinliche Fehler. Oh no, bitte nicht!, bitte nicht!, dachten die Zuschauer, das kann er doch nicht machen jetzt..., aber er machte es, der Regisseur, er ließ den Schiedsrichter-Darsteller Siebert tatsächlich auf den Elfmeterpunkt zeigen. Und so fand der Film mit diesem enormen Stimmungskiller ein eher klägliches Ende.

Das Ärgerlichste an dieser unpassenden Schlusspointe ist, dass man sie schon viel zu oft gesehen hat. So viele Fußballfilme sind in den vergangenen Jahrzehnten genau so ausgegangen, allzu oft haben die Hauptdarsteller aus Bayern ein Happy End in den Plot geschrieben bekommen, das die Rezensenten aufwühlte. Aber diese feuilletonistischen Glaubenskriege sind längst langweilig geworden: Die einen sagen, dass die Bayern sich diese Happy Ends mit ihrer Immer-weiter-Mentalität verdient oder sie zumindest erzwungen haben - die anderen wittern finstere Machenschaften oder zumindest einen unappetitlichen Bayern-Bonus.

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Der Elfmeter, der das Spiel in Bremen entschied, war nicht erstunken und erlogen, man kann ihn ebenso geben, wie man ihn nicht geben kann. Dennoch dürfte der deutlich größere Teil der Zuschauer für "nicht geben" plädieren, aus fachlichen, aber auch aus ästhetischen Gründen: So möchte man eigentlich niemanden ins Pokalfinale kommen sehen.

Tatsächlich lag keine so krasse Fehlentscheidung vor, dass die Kölner Prüfstelle zwingend eine Korrektur hätte anmahnen müssen, dennoch ist es unverständlich, warum Schiedsrichter Siebert auf den eigenen Augenschein am Rasen-Bildschirm verzichtete. Ebenso drängt sich nachträglich die Frage auf, warum der DFB dieses Spiel in die Hände eines Schiedsrichters legte, den man noch googeln muss. Siebert, 34, zählt zwar zur Riege der international pfeifenden Referees, aber diese spezielle Partie hätte man wohl besser einem erfahrenen Schiedsrichter anvertraut, der bei EM- und WM-Turnieren schon gelernt hat, den Druck der ganz großen Bühne auszuhalten.

So ist die schräge Pointe dieses Pokalspiels am Ende niemandem gerecht geworden, den Zuschauern nicht, den Bayern und den Bremern nicht - und auch nicht diesem jungen und wahrscheinlich begabten Schiedsrichter, den man nun immerhin nicht mehr googeln muss.

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