BasketballEin schwarzes Wochenende für die Bayern

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Was war das denn? Onuralp Bitim (li) und Elias Harris sind nach der Niederlage in Belgrad bedient.
Was war das denn? Onuralp Bitim (li) und Elias Harris sind nach der Niederlage in Belgrad bedient. (Foto: Marko Metlas/Imago)

Erst gehen die Münchner Basketballer in der Euroleague bei Roter Stern Belgrad unter, dann verlieren sie in der Bundesliga gegen Vechta. Ein Spieler, der hätte helfen können, wurde gerade lukrativ verkauft.

Von Ralf Tögel

Dem Kräfteverschleiß wollte Andreas Obst den müden Auftritt am Sonntagabend nicht anlasten. Mental indes sei ein solches Programm schon eine Herausforderung: am Freitagabend in der Euroleague bei Roter Stern Belgrad, zwei Tage später zu Hause in der Bundesliga (BBL) gegen Rasta Vechta. Und mit der 77:78-Pleite in letzter Sekunde gegen die Niedersachsen war das Wochenende komplett verkorkst. Denn schon in der serbischen Hauptstadt hatten die Basketballer des FC Bayern beim 77:101 eine schmerzhafte Lehrstunde erhalten.

„Es hat einfach nichts funktioniert“, hatte Bayern-Coach Gordon Herbert nach der Euroleague-Pleite konstatiert, dabei hatte der Kanadier sein Team auf den Gegner vorbereitet, der in seinem Hexenkessel mit den 20000 euphorischen Fans regelmäßig mit enormer Wucht und Energie über die Konkurrenten herfällt. Zur Pause noch war der Rückstand mit 42:50 im handelsüblichen Euroleague-Bereich, dann allerdings brachen die Bayern wie zu schlechtesten Zeiten völlig ein: „Wir haben auch nach der Halbzeit nicht ins Spiel gefunden.“ Wille, Einsatz, Gier und Zweikampfverhalten seien die Eigenschaften gewesen, in denen die Serben seinen Spielern deutlich überlegen waren. Elias Harris sprach hernach von einer „Lektion für uns als Mannschaft. Wir haben uns überrumpeln lassen und waren dann von der Rolle. Dann kam noch die Atmosphäre hinzu, da geht es hier manchmal sehr schnell.“

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Mit der Demontage der stark ersatzgeschwächten Berliner belegt der FC Bayern, dass er zu einem europäischen Topteam gereift ist. Schlüsse für den Meisterschaftskampf gegen den ewigen Rivalen wollen die Münchner so früh in der Saison aber keine ziehen.

Von Ralf Tögel

Eine weitere unangenehme Lektion erhielt der Meister im heimischen BMW Park, in dem er die nationale Konkurrenz empfängt. Die Münchner sind zwar das Maß der Dinge in der BBL, im Vorübergehen sind Gegner wie Vechta allerdings nicht zu schlagen. Knackpunkt dieses lehrreichen Programms wird folglich sein, ob es dem Probanden zur Verbesserung wird dienen können. Denn der Saisonverlauf der Münchner kann sich trotz der beiden Dämpfer bisher sehen lassen: Zwar fiel der FC Bayern im BBL-Tableau auf Rang drei, ist aber nur einen Sieg hinter Primus Ulm notiert. In der Euroleague rangiert das Team auf dem fünften Tabellenplatz – ebenfalls nur einen Sieg schlechter als Primus Paris.

Die Bayern bleiben trotz der Pleite in Belgrad als Fünfter in der Spitzengruppe und auf Kurs Playoffs

Was zweierlei Schlüsse zulässt: Die europäische Eliteklasse ist so ausgeglichen wie lange nicht mehr, weil jedes dieser mit Topspielern gespickten Teams bereits ordentlich Federn ließ. Zum Zweiten stellen die Münchner in dieser Saison einen Kader, der jeden dieser kontinentalen Hochkaräter schlagen kann und aktuell klar auf Kurs Playoffs ist. Vor allem im heimischen SAP Garden, wo vor 11200 Zuschauern in der stets ausverkauften Arena jeder Gegner bisher mit einer Niederlage nach Hause geschickt wurde – unter anderen Real Madrid, Piräus, Barcelona und Paris. National dürfte das Erreichen der Playoffs kein Thema sein, dennoch müssen die Bayern lernen, die Belastungen effektiver zu verteilen. Immerhin war in Niels Giffey ein Langzeitverletzter zurück im Kader.

Wie stark die Münchner Besetzung in Vollbesitz ihrer Kräfte ist, zeigt auch die jüngste personelle Entwicklung. Yam Madar, Hoffnungsträger der israelischen Nationalmannschaft, der als Supertalent zu Saisonbeginn kam und zum zukünftiger Münchner Spielmacher ausgebildet werden sollte, hat den Klub schon wieder verlassen. Hinter Nick Weiler-Babb, dem Trainer Herbert von Saisonbeginn an den Vorzug gab, und dem NBA-erfahrenen Zugang Shabazz Napier war Madar nur dritte Wahl auf der Position des Regisseurs. Im Nationalteam zeigte der 23-Jährige zuletzt in der EM-Qualifikation überragende Leistungen, nun wurde er vom aufstrebenden israelischen Topklub Hapoel Tel Aviv für eine dem Vernehmen nach sechsstellige Ablöse aus München losgeeist. In Tel Aviv, das in Dimitrios Itoudis einen zweimaligen Euroleague-Champion als neuen Coach rekrutierte, soll Madar sogar ein siebenstelliges Salär erhalten.

Für die Münchner ein lukrativer Deal, wenngleich sie Madar im Spiel gegen Vechta gut hätten gebrauchen können. Sein Wechsel aber beinhaltet die Möglichkeit, den Kader weiter zu veredeln. Womit man bei Onuralp Bitim wäre, dem jüngsten Zugang mit NBA-Erfahrung. Der türkische Nationalspieler, der von Fenerbahçe Istanbul ausgeliehen ist, zeigte in Belgrad erstmals seine Fähigkeiten und war mit 13 Zählern zweitbester Schütze nach Devin Booker (14) – gegen Vechta blieb auch er blass. In der türkischen Metropole wird sich schon am Dienstag zeigen, ob die Bayern aus dem schwarzen Wochenende lernen: Dann spielen sie bei Anadolu Efes, ehe nur zwei Tage später Vitoria-Gasteiz im SAP Garden gastiert. Und Vechta kommt schon in einer Woche in den BMW-Park zurück: zum Pokal-Viertelfinale.

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