BasketballDas Rekordhändchen ist wieder da

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Kaum zu verhindern: Wenn Andreas Obst von der Dreierlinie abdrückt, landet der Ball meistens im Korb. Eine Dreierquote von 56,3 Prozent ist außergewöhnlich.
Kaum zu verhindern: Wenn Andreas Obst von der Dreierlinie abdrückt, landet der Ball meistens im Korb. Eine Dreierquote von 56,3 Prozent ist außergewöhnlich. (Foto: Frank Hoermann/Sven Simon/Imago)
  • Der FC Bayern gewinnt sein erstes Euroleague-Heimspiel gegen Roter Stern Belgrad mit 97:88 vor 11 500 Zuschauern.
  • Andreas Obst führt die Bayern mit 31 Punkten und neun verwandelten Dreiern zum Sieg, knapp am eigenen Euroleague-Rekord vorbei.
  • Serbische Fans werfen erneut Bierbecher Richtung Spielfeld, weshalb Zuschauer zwischenzeitlich das Weite suchen müssen.
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Volle Halle trotz des Oktoberfests, serbische Fans, die sich danebenbenehmen und ein schwer erkämpfter, aber verdienter Sieg: Im ersten Heimspiel der Euroleague-Saison knüpft der neu formierte FC Bayern mit einem starken Andi Obst nahtlos an die Vorsaison an.

Von Ralf Tögel

Man muss aufmerksam sein, wenn man Andreas Obst folgen will. Das liegt daran, dass der Basketballprofi des FC Bayern seine Einschätzungen in rasendem Tempo vorträgt, ein wahres Feuerwerk an Worten. Und am Donnerstagabend war er der gesuchte Gesprächspartner, denn der Welt- und Europameister hatte die Münchner im ersten Heimspiel der Euroleague-Saison zum ersten Heimsieg geführt. Mit 31 Punkten war der 29-Jährige maßgeblich am 97:88-Erfolg der Münchner gegen Roter Stern Belgrad beteiligt, mit neun verwandelten Distanzwürfen kratzte er sogar am eigenen Euroleague-Rekord von elf erfolgreichen Dreiern in einer Partie.

Der FC Bayern hat damit den Stresstest in zweifacher Hinsicht erfolgreich überstanden. Zum einen war der Erfolg in der eigenen Arena gegen Belgrad auf dem Weg in die angepeilten Playoffs, zu denen nur die besten acht Teams im 2oer-Feld zugelassen werden, ein Pflichtsieg – zumal die Serben drei wichtige Spieler verletzt ersetzen mussten. Zum anderen war die Halle erneut voll, 11 500 Zuschauer fanden trotz des besonders frequentierten finalen Wiesn-Wochenendes, zu dem der Abend vor dem Feiertag zu zählen ist, den Weg in den SAP Garden. Unter ihnen auch rund 2000 serbische Fans, von denen erneut der Block hinter dem Korb unangenehm auffiel.

Schon im vergangenen Jahr hatten die Fans mit Bierbechern geworfen, weshalb der FC Bayern vorsorglich ein großes Netz gespannt hatte. Dies hielt die Serben aber nicht davon ab, erneut Bierbecher Richtung Spielfeld zu feuern, mit der Folge, dass Zuschauer vor ihnen zwischenzeitlich das Weite suchen mussten. Der Vorfall war aber dank einer ausreichend großen Zahl an Ordnungspersonal schnell unter Kontrolle.

Obst habe ein paar „wirklich große Würfe getroffen“, lobt Bayern-Coach Herbert

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass ein augenscheinlich ähnlich gestrickter Münchner Unterstützer in Lederhose die Serben ausdauernd provoziert hatte. Der Vorfall spielte sich im dritten Viertel ab, zu jenem Zeitpunkt also, in dem die Gastgeber das Spiel drehten. Zuvor hatten sich die Bayern schwergetan, was vor allem an einer unzulänglichen Defensivarbeit lag, wie Trainer Gordon Herbert später festhielt: „Wir haben uns defensiv schwergetan“, das habe man in der Kabine angesprochen und korrigiert. In Zahlen stand ein 50:55-Rückstand zur Pause auf der Anzeigentafel, der ohne Obst auch hätte höher ausfallen können. Denn schon in der ersten Halbzeit habe der „wirklich große Würfe getroffen“, sagte Herbert.

Und Obst wusste noch einen draufzulegen, traf nach der Pause nahezu jeden noch so schweren Wurf und führte sein Team zum Sieg. Was auch dadurch erleichtert wurde, dass die Bayern nach dem Wechsel ihre Abwehrbemühungen spürbar verschärften. Die 31 Punkte von Obst waren nur zwei weniger als die des gesamten serbischen Teams in der zweiten Halbzeit. Mitte des dritten Viertels schüttelten die Münchner den hartnäckigen Gegner ab, woran auch Oscar da Silva großen Anteil hatte. Der Europameister kam von der Bank und erzielte in zwölf Minuten Spielzeit ebenso viele Punkte. Herbert wollte den Sieg dennoch nicht an einzelnen Protagonisten festmachen, er sah „einen großartigen Teamerfolg“, was durchaus zutreffend war. Denn der kanadische Weltmeistercoach rotiert schon in den ersten drei Partien der Saison mehr als gefühlt die gesamte Rückrunde der vorigen Spielzeit.

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Das hat natürlich einen Grund: In Isaiah Mike (11 Punkte), Kamar Baldwin (9), Xavier Rathan-Mayes (4) und Justinian Jessup (4) hat Herbert eine Reihe an hochkarätigen Zugängen zur Verfügung, die Veteranen Vladimir Lucic (10) und Niels Giffey (7) erleben ob des Endes ihrer internationalen Verpflichtungen gerade einen zweiten Frühling. Und im serbischen Nationalspieler Stefan Jovic (4) haben die Münchner einen Regisseur, der viel mehr ist als ein Ersatz für den langzeitverletzten Schlüsselspieler Rokas Jokubaitis. Der breite Kader, dem ja noch die Welt- und Europameister Johannes Voigtmann und Justus Hollatz fehlen, ist die Lehre aus der vergangenen Saison, als das Team sehr abhängig von Einzelkönnern war.

Mann des Abends aber war Obst. Der Guard hat ganz offenbar sein Rekordhändchen wiedergefunden. Bei der EM war Obst natürlich wichtiger Teambestandteil, allerdings merkte man ihm wie schon zum Ende der vergangenen Saison eine gewisse Müdigkeit an. Der viel strapazierte Nationalspieler ist mehr oder weniger seit dreieinhalb Jahren ohne nennenswerte Saisonpause im Einsatz. Umso erstaunlicher war sein Auftritt vom Donnerstagabend, wie auch Trainer Herbert befand: Für Spieler, die von einer EM kommen, sei ein belastungsbedingter Durchhänger nicht nur normal, sondern die Regel. „Die Spieler haben dort Druck, Druck, Druck, und plötzlich ist es vorbei.“ Da sei es äußerst schwierig, sich sofort für die nächsten Aufgaben auf Höchstlevel zu präsentieren. Obst wie auch da Silva hätten eine bemerkenswerte „mentale Härte“ gezeigt.

Obst selbst wollte sich nicht sonderlich herausstellen: „Wenn ich die Würfe bekomme, nehme ich sie halt. Es ist immer eine Teamleistung.“

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