Basketball:Die Bayern sind am Etappenziel

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Und dann hatte der NBA-Champion die Faxen dicke: Serge Ibaka (re.) stopfte einen Ball nach dem anderen durch den Würzburger Korb und war mit 19 Punkten bester Münchner Schütze. (Foto: Imago)

Die Münchner Basketballer gewinnen auch das dritte Spiel gegen Würzburg klar und stehen in der Finalserie der Playoffs um die Meisterschaft. Es geht gegen Chemnitz oder Berlin – Favorit sind sowieso die Bayern.

Von Ralf Tögel

Es ist keine große Überraschung, dass die Basketballer des FC Bayern München in das Finale um die deutsche Meisterschaft eingezogen sind. Auch der Sweep – so nennen es die Basketballer, wenn eine Mannschaft ihren Gegner in der Best-of-five-Serie mit 3:0 Siegen aus den Playoffs wirft –, war dem Pokalsieger zuzutrauen gewesen, denn die Würzburg Baskets waren nicht nur der klare Außenseiter in diesem Halbfinale. Die Unterfranken mussten auch personell arg gebeutelt in dieser K.o.-Runde gegen die Münchner bestehen, weshalb auch das dritte Spiel deutlich mit 75:61 Punkten an die Bayern ging. Die müssen indes noch auf ihren Finalgegner warten, die zweite Serie zwischen Alba Berlin und den Niners Chemnitz ist noch nicht beendet.

Die Würzburger hatten bei den ersten beiden deutlichen Niederlagen in München (76:91, 75:99) jeweils nur eine Halbzeit lang mithalten können, es war folglich klar, dass es eine komplette Spieldauer am oberen Limit bedurfte, um den Favoriten zu schlagen. Wofür die Aussichten in der heimischen Tectake-Arena deutlich größer waren, die nämlich ist als Turnhölle bekannt – eine Referenz an den teuflischen Lärm, den die 3200 Fans in der ausverkauften Halle veranstalten. Dieses Vorhaben gelang im ersten Viertel bravourös. Hauptsächlich Darius Perry war von den kantigen Münchner Verteidigern kaum in den Griff zu bekommen. Der Würzburger Guard war mit 21 Punkten auch bester Schütze des Spiels. Unterstützt von Javon Bess und Collin Welp (je 12) sowie den äußerst schwach startenden Gästen, bei denen vor allem Point Guard Leandro Bolmaro einen miserablen Nachmittag erwischte, führten die Gastgeber 18:12 nach dem ersten Viertel.

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Es war aber zu erwarten, dass die Münchner ihre schwache Wurfquote und die vielen Fehler in den Griff bekommen würden – zumal FCB-Trainer Pablo Laso Optionen hat wie kein anderer Konkurrent: Der Spanier schickte einfach seine drei Weltmeister Isaac Bonga, Andreas Obst und Niels Giffey aufs Feld, dazu Elias Harris – und den klaren Auftrag, aggressiver zu verteidigen. Was umgehend Ergebnisse zeitigte, mit einem Dreier zum 24:22 stellte Obst die erstmalige Führung her. Zur Halbzeit lag der Favorit 38:33 vorn, die Partie war gedreht – und zumindest vorentschieden.

Denn den ohnehin mit einer Mini-Rotation angetretenen Würzburgern war kurzfristig auch noch Isaiah Washington verletzt ausgefallen, nun verließen die tapfer kämpfenden Unterfranken zusehends die Kräfte. Das Gegenteil war beim Gegner der Fall, vor allem NBA-Champion Serge Ibaka schien die Faxen dicke zu haben, hämmerte den Ball ein ums andere Mal in den Korb und war mit 19 Punkten bester Werfer. Wie erwartet waren die Münchner fortan klar überlegen, Akteuren wie Carsen Edwards (15), Vladimir Lucic (12) oder den herausragend verteidigenden Bonga (8) hatten die Würzburger nichts mehr entgegenzusetzen. Bonga sah den Finaleinzug am Dyn-Mikrofon als Etappenziel: „Für uns ist es eine Zwischenstation, als Team und Verein haben wir größere Ziele“.

Der Gegner im Finale? Egal, die Bayern haben den besten Kader und den Heimvorteil

Das Überraschungsteam der Saison ist nun erhobenen Hauptes ausgeschieden. Den Einzug in das Halbfinale hätten sich die Unterfranken vor der Saison wohl selbst kaum zugetraut, aber sie erstaunten angeleitet von Trainer Sasa Filipovski und angeführt von Spielmacher Otis Livingston II die gesamte Liga vom ersten Spieltag an. Letzterer wurde nicht nur zum wertvollsten Spieler (MVP), sondern auch zum besten Angreifer der gesamten Liga gewählt. Allerdings zog sich der 27-jährige US-Amerikaner schon im ersten Viertelfinalspiel gegen Meister Ulm einen Innenbandriss im linken Knie zu – die Saison war für ihn ausgerechnet in der K.-o.-Phase vorzeitig beendet. Seither fehlten den Würzburgern 20,6 Punkte pro Partie, so viele nämlich pflegte Livingston II im Schnitt zu sammeln.

Reichte es gegen den Meister dennoch zu einem 3:1 und dem Einzug ins Halbfinale, so war der Pokalsieger schlichtweg eine Nummer zu groß. Auch im Wortsinn, denn vor allem physisch konnten die Gastgeber mit dem Topfavoriten auch angesichts der schwindenden Kräfte und der kleinen Rotation nicht mithalten.

Zwar fehlten auch den Münchnern in den verletzten Sylvain Francisco und Nick Weiler-Babb wichtige Spieler; der französische Spielmacher sammelt als zweitbester Schütze 12,2 Punkte im Schnitt und Weiler-Babb ist Münchens bester Verteidiger. Aber im Gegensatz zu Würzburg können die Bayern derlei Schwächungen nahezu folgenlos kompensieren, zudem steht eine Rückkehr der beiden Akteure für die Finalserie in Aussicht.

Im Hinblick auf den Gegner gibt es offenbar keine Präferenzen: „Ich bin einfach nur glücklich, im Finale zu stehen“, sagte Carsen Edwards – ob Berlin oder Chemnitz, das mache keinen Unterschied. Denn der Favorit sind die Bayern, sie haben den besten Kader und den Heimvorteil. Das aber ließ sich Edwards nicht entlocken.

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